Nach 46 Dienstjahren: Monschaus Kämmerer Conrads nimmt Abschied

Von: P. St.
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Kämmerer unter sich: Hermann-Josef Conrads (vorne) hatte gestern seinen letzten Arbeitstag bei der Stadt Monschau. Franz-Karl Boden ist als Nachfolger bereits gut im Geschäft. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Zahlen waren immer die Welt von Hermann-Josef Conrads - die großen wie die kleinen. Mal galt es Millionen-Löcher bei den städtischen Finanzen zu stopfen, mal ging es um Cent-Beträge bei den Gebühren. Jetzt ist Schluss mit schwieriger Rechenakrobatik, Haushaltssicherungskonzepten und gesplitteter Kanalgebühr: Der langjährige Kämmerer der Stadt Monschau schloss am Mittwoch zum letzten Mal die Aktendeckel in seinem Büro.

Nach 46 Dienstjahren war für den 61-jährigen Beamten die Stunde des Abschieds und gleichzeitig der Einstieg in die Altersteilzeit gekommen.

Hermann-Josef Conrads, am 13. November 1949 in Kalterherberg geboren und 1964 bei der Amtsverwaltung Kalterherberg als Lehrling in den Beruf eingestiegen, war stets ein Beamter wie er im Buche stand: Korrekt, hilfsbereit, besonnen und unbestechlich, denn Zahlen lügen nicht. Das werden ihm auch die insgesamt sieben Verwaltungschefs, die er in dieser Zeit kennen lernte, gerne bestätigen.

Der verlässliche Finanzverwalter der Stadt Monschau hat Dutzende von Haushaltsplänen aufgestellt und dabei immer versucht, für die Stadt unter dem Strich ein positives Ergebnis zu erzielen, doch letztlich hat er nicht verhindern können, dass die Stadt vor gut 20 Jahren mit der Abschaffung des Ausgleichsstockes in ein Haushaltssicherungskonzept und damit in die roten Zahlen rutschte. Die Schulden sind stetig gewachsen, und 2010 hat der Haushalt die Rekord-Unterdeckung von acht Millionen Euro erreicht.

Dieses finanzielle Desaster trifft fast alle Kommunen in NRW und habe nichts damit zu tun, dass vor Jahresfrist im Wege des „gleitenden Übergangs” der neue Kämmerer Franz-Karl Boden die Verantwortung über die städtischen Finanzen übernahm, wie Hermann-Josef Conrads mit hintergründigem Minenspiel bemerkt. Zu seinem Nachfolger verbindet ihn ein besonders herzliches Verhältnis, denn als Boden noch bei der Kommunalaufsicht des Kreises Aachen tätig war, standen die beiden Frühaufsteher schon im konstruktiven Dialog über die Monschauer Finanzen, als die anderen noch mit dem Wecker kämpften.

Hermann-Josef Conrads wurde 1972 nach der kommunalen Neugliederung in den Dienst der Stadt Monschau übernommen, 1980 zum persönlichen Vertreter des damaligen Kämmerers Bernhard Rader bestellt und 1992 zum Kämmerer und Amtsleiter der Finanzverwaltung als Nachfolger von Leo Leyendecker.

Noch detailliert kann sich Conrads an die turbulenten Haushaltsjahre 1991/92 erinnern, die mit der „berühmten Scheckübergabe” über 17 Millionen Mark durch das Land als einmalige Entschuldungshilfe für die Stadt Monschau endeten. Hermanns Josef Conrads: „Da hing alles in der Luft.” Der Stadtrat hatte sogar beschlossen, seine Arbeit einzustellen und einen „Sparkommissar” zu bestellen, „der natürlich nicht kam.”

Die Flut von bis zu 3000 Widersprüchen gegen die Kanalgebühren Anfang der 90er Jahre, die Umstellung der Haushaltsführung auf das neue kommunale Finanzmanagment sowie zuletzt die Einführung des neuen Müllsystems nach Gewicht sind für Hermann-Josef Conrads einschneidende berufliche Stationen, die auch stets mit viel Arbeit verbunden waren. „Das Geschäft der Haushaltswirtschaft wird immer schwieriger”, weiß Conrads, ist sich aber sicher, dass an seinem Platz jetzt mit Franz-Karl Boden der richtige Mann für die Bewältigung dieser Aufgabe sitzt.

Der Abschieds-Rundgang durch das Rathaus endete somit auch konsequenterweise im Büro seines Nachfolgers, „und da ließ sich ein bisschen Wehmut nicht vermeiden.”

Im Ruhestand warten nun neue Herausforderungen auf Hermann-Josef Conrads: Zeit für Familie ist angesagt, die Pflege von Haus und Hof mit vielen Hecken steht an und nicht zuletzt die korrekte Instandhaltung des 53 Jahre alten 13 PS-Fahr-Traktors.
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