Roetgen/Aachen/Raeren - Nabu: Auch der Schwarzstorch kann den Windpark nicht verhindern

Nabu: Auch der Schwarzstorch kann den Windpark nicht verhindern

Von: Ernst Schneiders
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Sollte der „bewohnte” Horst
Sollte der „bewohnte” Horst eines Uhu im Münsterwald nachgewiesen werden, ist der Windpark passé.

Roetgen/Aachen/Raeren. Der Schwarzstorch ist, wie auch der Uhu, ein K.o.-Kriterium für einen Windpark im Münsterwald. Nicht nur die Bürgerinitiative Schmithof/Roetgen sieht das so. Auch für Aachens Nabu-Vorsitzenden Claus Mayr ist das Gewissheit.

Allerdings, so der Nabu-Chef, müsse er „etwas Wasser in den Wein gießen”, denn das bisher dokumentierte Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Schwarzstorchs im Münsterwald „reicht nicht aus, um einen Windpark zu verhindern”.

Die naturschutzrechtliche Situation für den „strengen Schutz” dieses Vogels beziehe sich auf das Individuum selbst, auf seinen Horst, auf die Eier. Dass der Schwarzstorch sich hin und wieder als Nahrungsgast in dem Gebiet aufhalte, sei nicht genug, zumal der Münsterwald nicht als Vogelschutzgebiet ausgewiesen sei, sondern lediglich als Landschaftsschutzgebiet. Der Lebensraumschutz dieses Vogels greife folglich nicht. Es müsse also ein benutzter Horst nachgewiesen werden.

Dem Windpark drohe ebenfalls das Aus, wenn ein besetzter Horst eines Uhu, einer streng geschützen Eulenart, nachgewiesen werden könne. Mayr: „Aber auch dieser Nachweis liegt noch nicht vor.”

Die Situation bei den Fledermäusen müsse man differenziert betrachten. Die meisten Arten, wie auch Eulen und die Waldvögel, würden innerhalb des Waldes fliegen und sich nicht in 185 Metern Höhe aufhalten. Ausnahmen seien der Große und der Kleine Abendsegler. Diese Flattertiere würden sich auch gefährlich in die Nähe in der Rotoren in großer Höhe wagen.

Doch nach dem faunistischen Gutachten der Stadt seien nur weinge Exemplare dieser Fledermausarten im Münsterwald nachgewiesen. Laut Mayr müsse man diese Angaben allerdings relativieren, denn zu fragen sei, wie oft der Gutachter draußen war und ob das Honorar der Stadt Aachen hoch genug gewesen sei, um die Fledermausvorkommen oft genug zu überprüfen. Herbert Klinkenberg von der Bürgerinitiative hatte unter der Woche davon gesprochen, dass das Fledermausvorkommen nur einmal und nicht, wie vorgeschrieben, sechsmal überprüft worden sei.

Anderenorts würden diese Probleme mit Sensoren an den Windkraftanlagen gelöst, weiß der Nabu-Vorsitzende. Die Anlagen würden dann beim Anflug von Fledermäusen automatisch abgeschaltet. Für zwei bis drei Wochen stilllegen könne man die Anlagen auch während des Zuges der Kraniche.

Mayr tritt auf die Euphoriebremse: „Ich sehe im Augenblick kaum Einflussmöglichkeiten.” Nicht einmal der Nabu als anerkannter Naturschutzverband habe nach geltender deutscher Rechtssprechung die Möglichkeit, in puncto Münsterwald in artenschutzrechtlichen Fragen zu klagen. Auch die Bürgerinitiative könne nicht als Gruppe klagen.

Jedes Mitglied der Initiative habe allerdings wie jeder andere Bürger auch das Recht, vor dem Verwaltungsgericht seine subjektive Betroffenheit vorzubringen, was beispielsweise Lärmbelästigung oder Abstände betreffe. Mayr: „Dabei geht es ausschließlich um verwaltungsgerichtliche Fragen. Strafrechtlich ist da nichts zu machen.” Am Niedrrhein und in Hessen seien Anträgen der jeweiligen Nabu-Gruppen auf Verbote von Windparks sogar in so genannten Natura-2000-Gebieten von den Gerichten abgewiesen worden.

In den kommendern Jahren müsse die Windkraft verzehnfacht werden, um die Energiewende hinzubekommen, rechnet Claus Mayr vor, und zwar nicht die Anzahl der Windräder, sondern die Leistung der Anlagen. Um die Energiewende zu schaffen, müsse man deshalb bisweilen auch Kompromisse eingehen. Der Nabu fordere bereits seit Jahren die Abkehr von lokalen Lösungen. Vielmehr solle ein großflächiger Masterplan erstellt werden, „damit nicht überall, hier und da, ein paar Windkraftanlagen gebaut werden”. Die Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes bewertet der Nabu-Chef eher als nachrangige Argumente.

Um diese Beeinträchtigung des Landschaftsbildes wird es zunächst auch in der Gemeinde Raeren gehen. Während die Debatte auf deutscher Seite bereits auf Hochtouren läuft und bisweilen sehr emotional geführt wird, hat die politische Diskussion in der belgischen Anrainergemeinde noch gar nicht richtig begonnen, von einer offiziellen Meinungsbildung ganz zu schweigen.

Nach Worten von Bürgermeister Hans-Dieter Laschet habe Umweltdezernentin Gisela Nacken am 22. September die Pläne der Stadt Aachen vorgestellt. Zuvor habe man Informationen nur über die Medien erhalten. Nunmehr würden die Infortmationen aus dem Aachener Rathaus aufgerarbeitet und einer Arbeitsgruppe der politischen Parteien zugeleitet.

In Petergensfeld habe sich bereits eine Bürgerinitiative gebildet, in der Altgemeinde Raeren sei es hingegen noch ruhig, obwohl, so Hans-Dieter Laschet, „die großen Windkraftanlagen dort überall zu sehen sein werden”.
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