Aachen 2025

Musikerlebnis im Aukloster

Von: js
Letzte Aktualisierung:
11767476.jpg
Das Zusammenspiel der chinesischen Cellistin Mi Zhou mit Florian Koltun war von erstaunlicher Präzision geprägt und begeisterte die Zuhörer im voll besetzten Saal des Auklosters. Foto: Josef Schreier

Monschau. Florian Koltun hatte an diesem Nachmittag im Aukloster wahrlich alle Hände voll zu tun. Der rührige Organisator der Konzertreihe „Montjoie Musicale“ stand nicht nur an der Kasse und moderierte anschließend das Programm – er begleitete die Solistin des Konzerts auch noch am Klavier.

Immer wieder präsentiert Koltun in Monschau junge aufstrebende Künstlerinnen und Künstler aus Ostasien. Diesmal war es die chinesische Cellistin Mi Zhou, die ein Programm aus der deutschen musikalischen Romantik darbot.

Hochkarätige Komponisten

Beethoven – Schumann – Brahms war die Folge der hochkarätigen Komponisten, deren herausragende Kammermusikwerke für Cello und Klavier im Aukloster zum Erlebnis wurden. Es ist immer wieder erstaunlich, welche technische Meisterschaft die jungen Leute aus dem Fernen Osten mitbringen. Sicher ist es die von Disziplin geprägte Ausbildung, die diese Fähigkeit vermittelt.

Da könnte es aber gelegentlich doch zum Problem werden, ob dem emotionalen Ausdrucksverlangen gerade der romantischen Komponisten mit bloßer Disziplin und technischer Perfektion zu genügen ist. Diese reizvolle Dialektik wurde an diesem anregenden Nachmittag in Monschau sozusagen selber zum Ereignis. Vielleicht war es sogar das Zusammenspiel mit Florian Koltun, welches von erstaunlicher Präzision geprägt war, das der ostasiatischen Künstlerin etwas vom inneren Geist der deutschen Romantik vermittelte.

Nun ist es zwar immer eine gewisse Gefahr, dass der allzu weitläufige und ungenaue Begriff „Romantik“ in eine unangemessene Richtung führen könnte. Da mag es hilfreich sein, daran zu erinnern, dass es etwa gerade Beethovens Anliegen war, dass seine Musik, die – wie er selber sagte – „von Herzen“ kam, auch dem Zuhörer „zu Herzen gehen“ sollte. Diese emotionale oder seelische Grundhaltung ist die Basis aller „Romantik“, sei sie literarisch oder musikalisch. Und so wird es immer der Maßstab einer angemessenen Interpretation sein, ob dies auch zum Ausdruck kommt.

Geht man vom Zuspruch des Publikums aus, so war dies an diesem Nachmittag in jeder Weise gelungen. Der jungen Cellistin flogen sozusagen die Herzen der überaus zahlreichen Zuhörer zu, und dies ersichtlich nicht nur wegen der technisch perfekten Darbietung. Bei aller Sachlichkeit kam doch schon etwa der zweite Satz von Beethovens Sonate op. 102, Nr. 2 genau mit jenem inneren „Gefühl“ und „Affekt“ zum Ausdruck, wie es sich Beethoven vorgestellt (und vorgeschrieben) hatte.

Noch mehr lässt freilich Robert Schumann in seinen Werken die Weite seines inneren Erlebens spüren; er drückt dies sogar schon in seinen Titeln aus, so, wenn er von „Fantasiestücken“ spricht, deren berühmteste, sein op. 73, von Mi Zhou und Florian Koltun bewegend dargeboten wurden.

Ob man Johannes Brahms im angesprochenen Sinne noch „Romantiker“ nennen kann, mag eine Frage für sich sein. Auf jeden Fall hat er sein inneres „Gefühl“ manchmal doch – oft freilich aus persönlichen Gründen – hinter einer klassisch-sachlichen Formensprache gleichsam versteckt. Dies kam auch in der Darbietung seiner Cellosonate op. 38 in e-Moll gut zum Ausdruck.

Nach zwei effektvollen Zugaben kam ein wiederum sehr beeindruckendes Konzert zum Abschluss, dem diesmal – völlig zurecht – ein „volles Haus“ zuteilwurde. Es ist sehr erfreulich festzustellen, dass die Konzertreihe „Montjoie Musicale“ nicht nur Stabilität, sondern auch Wachstum gewonnen hat. Man darf Initiatoren, Sponsoren und Veranstaltern nur zurufen: weiter so!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert