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„Mufflons gehören seit 100 Jahren dazu”

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Im Nationalpark Eifel fühlen sich rund 200 Mufflons zuhause. Das sind sie dort aber keineswegs, sagt die Nationalparkverwaltung. Sie seien von Jägern als weiteres Jagdwild ausgesetzt worden. Foto: Manfred Hilgers

Nordeifel. Gegen den geplanten Abschuss von Mufflons im Nationalpark laufen Tierschützer Sturm. Einer von ihnen ist Heinz Bremen. Der renommierte Euskirchener Tierfilmer will Ende des Jahres eine Dokumentation über die Wildschafe auf DVD vorlegen. Mit ihm sprach Peter Jakob Klein.

Herr Bremen, eine Zielsetzung des Nationalparks Eifel lautet: „Natur Natur sein lassen”. Wie passt dieses Bekenntnis in Ihren Augen zu der Abschuss-Verfügung für die 200 Wildschafe?

Bremen: Die Realität zeugt von einer totalen Ignoranz aller Richtlinien, einen Nationalpark aufzubauen. Es gibt in Europa zahlreiche Beispiele, die, wie in Italien geschehen, zum Beispiel den Steinbock retteten. Mit dem Mufflon, das im Gebiet des heutigen Nationalparks Eifel vor über 100 Jahren eine Heimat fand und damit als etabliert gelten darf, soll durch seine Auslöschung nun das genaue Gegenteil passieren.

Seit 2006 wurden rund 60 Mufflons pro Jahr im Nationalpark Eifel erlegt. Das ist gerade mal die Anzahl des jährlich nachrückenden Nachwuchses. Macht das Sinn?

Bremen: Es zeigt auf jeden Fall das planlose Vorgehen der verantwortlichen Jagdbehörde in Bezug auf ihre erklärte Absicht, die Mufflons im Park auszurotten. Dass Jagd im Sinne der Hege und Pflege einen Sinn macht, bestreite ich nicht. Aber noch einmal: Die Mufflons in der Tiervielfalt des Parks auszuradieren, zeugt weder von Tierliebe noch entspricht diese Maßnahme dem ethischen Empfinden einer tierliebenden Gesellschaft.

Es gehe nicht um die Ausrottung einer Tierart, sagen die Nationalpark-Förster. Aber die Wildschafe seien eine ernst zu nehmende Nahrungskonkurrenz zum Rotwild.

Bremen: Dieses Argument der Förster bezeichne ich glattweg als Unwahrheit. Mufflon und Rotwild leben, jedes für sich, in zwei völlig verschiedenen Habitaten. Somit ist eine Nahrungskonkurrenz grundsätzlich ausgeschlossen. Und außerdem: Im Gegensatz zu den Hirscharten richten Mufflons keine Schälschäden an. Das kann nur dann geschehen, wenn zu viele ihrer Art auf zu engem Raum zusammenleben. Was bei der diskutierten Herde im Nationalpark nicht der Fall sein dürfte.

Das Forstamt im Nationalpark Eifel gesteht den Wildschafen eine gewisse Cleverness zu: Die Tiere rückten während der Jagd zu einem dichten Rudel zusammen. Und in solch eine Herde könne man nicht einfach hineinschießen. Sind die Nationalpark-Schafe klüger als erwartet?

Bremen: Das Wildschaf ist ein hoch entwickeltes Tier. Die Förster und Jäger sind meiner Meinung nach im Umgang mit diesen Tier-Persönlichkeiten absolut überfordert. Ihnen fehlt offensichtlich jegliches Verständnis für die Naturlandschaft Eifel, die wohl ausgewogene, hier beheimatete Tierwelt inbegriffen.

Aus Ihren Bildern und Filmen spricht der Tierfreund. Gleichzeitig sind Sie aber auch bekennender Jäger. Wie passt denn das zusammen?

Bremen: Ein Tierfilmer braucht das Wissen eines professionellen Jägers. Meine Jagd-Ausbilder haben mir seinerzeit in einem großen Eifeler Rotwild-Revier ihr überliefertes und an der Würde der Kreatur orientiertes, jagdliches Wissen beigebracht. Meine Jäger-Prüfung war eine Wissens-Legitimation. Ich habe nie eine Waffe in die Hand genommen.

In Bezug auf die Mufflons habe die Nationalpark-Leitung die Ideallösung noch nicht gefunden, räumt ein Sprecher ein. Aber wenn er sich zwischen einem „importierten Wildschaf” und einem heimischen Hirsch entscheiden müsse, so seine Erklärung, dann falle seine Wahl auf das Rotwild.

Allein das Eingeständnis, sich vorrangig für eine einzige Gattung zu entscheiden, wird weder einem Weidmann gerecht noch scheint es überlegt. Ich denke mir, dass es bei dem so genannten „Mufflon-Problem” im Nationalpark Eifel um den Erhalt des Bestands einer einzigartigen Tier-Spezies gehen sollte und nicht darum, diese Art in unseren Breiten einfach zu eliminieren. Die Jagd-Beauftragten bitte ich: Nehmt der Eifel nicht ihr Herz!

Nationalparkverwaltung gerät in Kritik

Schützenhilfe erhält Heinz Bremen bei seinem Kampf um den Erhalt der Wildschafe im Nationalpark Eifel aus der Politik.

In einem Offenen Brief wenden sich Markus Herbrand und Hans Reiff vom Euskirchener Kreisvorstand der FDP an NRW-Umwelt- und Naturschutzminister Eckhard Uhlenberg (CDU). In ihrem Schreiben beklagen die beiden Politiker die Verfügung, nach der der gesamte Mufflon-Bestand im Nationalpark abgeschossen werden soll. Dabei zitieren sie das Bundesjagdgesetz. Im Paragrafen 1 stehe unter anderem geschrieben, dass die Hege zum Ziel habe, einen „den landschaftlichen und kulturellen Verhältnissen angepassten, artenreichen und gesunden Wildbestand” zu erhalten.

In einem Atemzug kritisieren Herbrand und Reiff andere Pläne der Nationalpark-Verantwortlichen, mit „unseren Steuergeldern” und „auf teuer gepachteten Flächen der Abtei Mariawald” Wisente und Wildpferde „einzubürgern”.

In Bezug auf die auf der Abschussliste stehenden Mufflons legt das FDP-Papier noch eins drauf. Da heißt es wörtlich: „Während wir bei uns Menschen mit anderer Herkunft und Hautfarbe integrieren wollen, gilt bei Pflanzen, Bäumen und Tieren im Nationalpark Eifel scheinbar das Gegenteil.”

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