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Mozartwochen: Streicher verschmelzen im „Gespräch“

Von: Josef Schreier
Letzte Aktualisierung:
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Ein besonderer Genuss: Im Rahmen der „Mozartwochen Eifel“ stand in Monschau ein weltbekanntes Ensemble im Mittelpunkt; das Leipziger Streichquartett.

Monschau. Hochzufrieden zeigte sich Bürgermeisterin Margareta Ritter am Freitagabend im Monschauer Bürgersaal darüber, dass es gelungen war, im Rahmen der „Mozartwochen Eifel“ ein Konzert auch nach Monschau zu holen – und dazu noch ein hochkarätiges. Dieses Musikfestival ist eine Initiative, die von Rheinland-Pfalz, also der Südeifel ausgeht.

Einer der Organisatoren ist der Pianist und bekannte Fußballschiedsrichter Herbert Fandel aus Kyllburg. Die zaghaften Versuche, mit diesem Festival auch die nordrhein-westfälische Eifel zu erreichen, haben in diesem Jahr zu Konzerten in Düren, Steinfeld, Monschau und Stolberg geführt. Am Freitag stand nun in Monschau ein weltbekanntes Ensemble im Mittelpunkt; das Leipziger Streichquartett.

Bürgermeisterin Margareta Ritter wies angesichts des nahezu ausverkauften Saales zurecht darauf hin, dass es auch für solche anspruchsvollen Angebote in Monschau ein Publikum gibt. Spürbar ist es ihr ein Anliegen, Monschau auch in kultureller Hinsicht weiter zu öffnen, Interesse und Bewusstsein zu erweitern.

Die klassische Musik für Streichquartett gehört in der Tat zu den Genres, für die ein besonderes Gespür beim Zuhörer vonnöten ist, zumal eine gute Darbietung dieser empfindlichen und gewissermaßen „störanfälligen“ Musik vier ausgewiesene Solisten voraussetzt. Goethe hat einmal den oft zitierten Satz geschrieben, dass man im Streichquartett „vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten“ hört und „ihren Diskursen etwas abzugewinnen“ glaubt. Es müssten denn aber auch, muss man hinzufügen, wirklich „vernünftige“, d.h. in der Sache erfahrene Leute sein, wenn dieses musikalische Gespräch ohne Konfusion vor sich gehen soll. Die Zuhörer am Freitagabend in Monschau hatten das Glück, eins der derzeit bekanntesten Streichquartettensembles überhaupt zu hören, bei dem drei der wichtigsten Werke der Gattung in besten Händen, und dessen musikalische „Diskurse“ mit höchstem Genuss zu verfolgen waren.

Die vier vergleichsweisen jungen Musiker stammen aus dem Umkreis des Leipziger Gewandhaus-Orchesters und haben sich vor einiger Zeit gezielt auf ihre Quartettarbeit konzentriert. Im Lauf der Entwicklung der Quartettgattung hat sich gezeigt, dass alle vier Stimmen gleich wichtig und gleichwertig sind, so dass an die Ensembles die Forderung zu stellen ist, dass sich alle vier Musiker auf gleichem Niveau befinden. Das ist bei den „Leipzigern“ unbedingt der Fall, wenngleich es an den akustischen Bedingungen des Monschauer Bürgersaals gelegen haben mag, dass sich der „Primarius“, der 1. Geiger Stefan Arzberger, gelegentlich etwas übermäßig hervorzuheben schien. Aber im Ganzen gelang es doch allen Beteiligten, dem 2. Geiger Tilman Büning, dem Bratscher Ivo Bauer und dem Cellisten Matthias Moosdorf, einen homogenen Klang zu produzieren und, vor allem, einen Spannungsbogen lebendig werden zu lassen, der von Mozarts erstem sogenannten „Haydn“-Quartett über ein frühes Werk Franz Schuberts zum ersten Streichquartett von Johannes Brahms führte.

In dieser Folge der Werke war deutlich die im Laufe der Zeit immer stärkere Differenzierung der einzelnen Stimmen und ihrer Verschmelzung zu einem offenbar immer komplizierter werdenden „Gespräch“ der Beteiligten zu vernehmen, was sicher auch auf allgemein-gesellschaftliche Bewegungen vom 18. zum 19. Jahrhundert zurückzuführen ist. Gerade bei Brahms‘ erstem Streichquartett ist die melancholische und schwer aufzuhellende Stimmung einer „Spätzeit“ zu verspüren. Es schien fast, als hätten die „Leipziger“ von da aus manche Tiefe und Schwermut auch bei Mozart und selbst im jungen Schubert aufgespürt und zum Klingen bringen wollen.

Insgesamt also ein tiefgehendes Erlebnis, das für Monschaus musikalische und überhaupt kulturelle Zukunft nur Gutes verspricht.

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