Simmerath - Motorradsaison: Lärmbelästigung kein Grund für Streckensperrungen

Motorradsaison: Lärmbelästigung kein Grund für Streckensperrungen

Von: Peter Stollenwerk
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Beliebter Treff der Motorradfahrer in der Eifel: Die „Biker Ranch“ in Strauch.
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Motorradlärm in der Eifel ist ein großes Problem. Doch nur mit EU-weiten Gesetzesänderungen, darin sind sich die Experten einig, ist effektiv eine Verbesserung zu erreichen. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Der Rundkurs über Rurberg, Kesternich und Einruhr steht bei vielen Motorradfahrern hoch im Kurs. Auf den kurvenreichen Straßen L 166, L 128 und B 266 lässt sich Tempo machen. Dieses Erlebnis möchte man natürlich mit anderen teilen, und so finden sich im Internet Videos, in denen man offenbar unzurechnungsfähige Motorradfahrer sieht, deren Tacho auf der Geraden zwischen Russenfriedhof und Kesternich 190 km/h zeigt.

Genau diese Hochgeschwindigkeitsfanatiker möchte man nicht in der Eifel haben, aber so leicht wie man denkt, sind sie auch nicht von der Straße zu bekommen.

Auch in der Gemeinde Simmerath ist das Thema Motorradlärm seit Jahren ein Dauerbrenner. Der Verwaltung liegen stapelweise Beschwerden von Bürgern aus den Rurtalorten vor, die sich massiv durch Zweiradfahrer belästigt fühlen. Immobilienbesitzer klagen über Werteverluste der Grundstücke, andere Bewohner, die eigentlich in der Eifel ihre Ruhe finden wollten, machen ihrem Unmut immer häufiger Luft.

Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns will nun einen weiteren Versuch starten, wirksame Maßnahmen gegen den Motorradlärm auf den Weg zu bringen. Dazu hatte er jetzt eine Expertenrunde ins Rathaus eingeladen, um zu erörtern, wie man vor allem die „schwarzen Schafe“ stoppen kann, denn im Zusammenhang mit Motorradlärm hat man es mit einer ganz kleinen Gruppe zu tun, die allerdings um so schwerer zu packen ist. Laut Polizeistatistik ist die Masse der Motorradfahrer unauffällig. Bei den Geschwindigkeitsübertretungen in der Region machen sie oft nur einen Anteil von zehn Prozent aus.

Auf Initiative des Simmerather Bürgermeisters soll das Thema nun breiter aufgestellt werden, denn Probleme mit Motorradlärm sind keine exklusive Angelegenheit der Eifel, sondern ein Thema aller Mittelgebirgsregionen.

Daher soll mit den betroffenen Kommunen ein Erfahrungsaustausch angestrebt werden. Ziel einer gemeinsamen Initiative soll es dabei sein, die Gesetzgebung zu ändern, denn mit geltendem Recht ist dem Lärmproblem nicht beizukommen.

Hier möchte die Gemeinde Simmerath eine bereits vor drei Jahren vom Rat verabschiedete Resolution als Grundlage nehmen, worin die Einführung der Halterhaftung bei Verstößen und Frontkennzeichen bei Motorrädern gefordert worden, ebenso wie höhere Bußgelder, gesenkte Lärm-Grenzwerte und Änderung der Genehmigungsvorschriften bei lärmtechnischem Zubehör.

„Auf Dauer kann es für die Bevölkerung so nicht bleiben. Es wird immer unerträglicher!“, fordert Hermanns mehr Unterstützung vom Gesetzgeber. Dabei seien Biker in der Gemeinde Simmerath durchaus willkommen, man sei keine motorradfeindliche Kommune, „aber wir wollen keine Raser und Krachmacher.“

Jüngste Beoachtungen zeigen, dass die aufs Tempo versessenen Motorradfahrer bereits am Sonntagmorgen zu früher Stunde immer häufiger aufkreuzen, um möglichst ungestört neue Bestzeiten zu erzielen. Weitere Streckensperrungen für Motorräder allein aus Gründen der Lärmschutzminderung in der Eifel sind indes kein Thema, da solche Maßnahmen juristisch nicht haltbar seien, betont Arno Crombach, Verkehrsingenieur der Städteregion Aachen. Er will die Kommune aber insbesondere beim Thema Halterhaftung unterstützen. Auch verweist er auf ausgedehnte Überholverbote auf klassifizierten Straßen und technische Verbesserungen bei Geschwindigkeitskontrollen.

Alexandra Babnik-Samodol von der Städteregion ergänzt, dass die seit Oktober 2012 in Rollesbroich fest installierte Doppelblitze die zweifelsfreie Identifizierung der Zweiräder ermögliche, wie aus insgesamt die beweissichere Messtechnik verbessert worden sei.

L 128 seit März 1996 gesperrt

So wird es bei der bislang einzigen Sperrung einer klassifizierten Straße, der Landstraße 128 zwischen Steckenborn und Woffelsbach, bleiben. Diese ist bereits seit 1. März 1996 gesperrt, nachdem es auf den Serpentinen hinunter zum Rursee über Jahre zu unvertretbar hohen Unfallzahlen kam. Allein 1994 kam es auf dem vier Kilometer Streckenabschnitt zu 19 Unfällen mit acht Schwer- und 12 Leichtverletzten.

Die Sperrung zeigte Wirkung, denn die Unfallzahlen gingen schlagartig zurück; andererseits wurde der Motorradverkehr auf andere Strecken verlagert.

Auch Dirk Gobbelé von der Bezirksregierung Köln verwies auf die vom Gesetzgeber vorgegebenen engen Grenzen hin, die Beschränkungen auf klassifizierten Straßen überhaupt ermöglichen. Lärmbelästigung sei nur in Kombination mit erhöhten Unfallzahlen ein Grund für Straßensperrungen.

Dies bestätigt auch Alfred Sebastian vom Landesbetrieb Straßenbau. In ganz NRW gebe es keine lärmbedingten Straßensperrungen und auch partielle Beschränkungen an Wochenenden und Feiertagen seien nicht durchsetzbar. Eine solche Maßnahme hätte sich Bruno Wilden, Ordnungsamtsleiter der Gemeinde Simmerath gewünscht, um den angesprochenen Rundkurs zu unterbrechen.

„An allen Fronten“, lautete das Fazit von Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, solle man sich dafür einsetzen, dass gerade bei den Lärm-Grenzwerten eine einheitliche Norm, auch auf EU-Ebene durchgesetzt werde. Nur mit Hilfe des Gesetzgebers könne man dem Problem wirksam begegnen.

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