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Motorrad-„Höllenlärm”: So kann es nicht weitergehen

Von: P. St.
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Mit dem Thema Motorradlärm hÀ
Mit dem Thema Motorradlärm häufig konfrontiert: v. li: Gerhard Ahnert (Nationalpark Eifel), Karl-Heinz Hermanns (Bürgermeister Simmerath), Moderatorin Daniela Ziemann, Dieter Steinkamp (Motorradclub Kuhle Wamape) und Oliver Krischer (Vorsitzender Förderverein Nationalpark. Foto : P. Stollenwerk Foto: Stollenwerk

Nordeifel. Der frühe Sommer und der damit verbundene Drang der Menschen, hinaus in die Natur zu eilen, hat in diesem Jahr das Thema Motorradfahren rund um den Rursee schon sehr zeitig mit allen damit verbundenen Begleiterscheinungen ins Bewusstsein gerufen.

Die Proteste von Bevölkerung und Gästen gegen die Lärmbelästigung durch den nach wie steigenden Zweiradverkehr im Nationalpark Eifel sind in den letzten Jahren lauter geworden.

Zum Tag des Lärms und aus gegebenen Anlass hatte jetzt der Förderverein Nationalpark Eifel in das Kurhaus nach Gemünd eingeladen, um im Rahmen einer Podiumsdiskussion nach Lösungsansätzen zu suchen. Dieses Unterfangen erwies sich als schwierig, doch dem Fazit von Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns nach dem zweistündigen Dialog konnten alle Beteiligten zustimmen: „So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben.” Zuvor hatte sich eine lebhafte Diskussion entwickelt - vor einer allerdings sehr überschaubaren Anzahl von Gästen.

Einigkeit herrscht auch in einem anderen Punkt: Über 90 Prozent der Motorradfahrer verhalten sich regelgerecht; es geht allein um eine Problemgruppe von schätzungsweise fünf Prozent.

Gerhard Ahnert als Vertreter des Nationalparks Eifel zitierte NRW-Umweltminister Johannes Remmel, der zuletzt gefordert hatte, dass die „bewussten Krachmacher von der Straße müssen.” Der Minister prüft derzeit eine Gesetzesänderung, die Lärmgrenze für Motorräder von derzeit 80 auf 70 dbA herabzusetzen.

In diesem Zusammenhang erinnerte Karl-Heinz Hermanns an eine im Herbst 2010 vom Gemeinderat Simmerath verabschiedete Resolution zum Thema Motorradlärm. Die Beschwerden hätten sich gehäuft, und der neueste Trend sei, dass besonders ambitionierte Motorradfahrer bereits am frühen Sonntagmorgen unterwegs seien, „die dann bis zu zehn Mal die gleiche Strecke fahren, um noch ein paar Sekunden herauszuholen.” Der Simmerather Bürgermeister betonte, dass man als Tourismusgemeinde die Motorradfahrer „herzlich gerne” willkommen heiße, „aber wir wollen keine Heizer und Raser.”

Die Resolution ziele unter anderem auf die Einführung von Frontkennzeichen, Halter-Haftung und höhere Bußgelder.

Oliver Krischer, Bundestagsabgeordneter aus Düren für die Grünen und Vorsitzender des Fördervereins Nationalpark Eifel mahnte die dringend erforderliche Anpassung des Bußgeldkatalogs an. Ein Verwarnungsgeld in Höhe von 15 Euro für bauliche Veränderungen an Motorrädern sei einfach zu wenig, doch leider sei die Anpassung des Bußgeldkatalogs im Jahr 2006 in diesem Punkt ganz einfach vergessen worden. Krischer zeigte sich zuversichtlich, dass er Bundestag einer Gesetzesinitiative folgen werden, das Bußgeld auf 135 Euro plus drei Punkte in Flensburg heraufzusetzen. Krischer: „Wir wollen gegen diejenigen vorgehen, die sich nicht an die Spielregeln halten.”

Nicht so recht mit immer neuen Sanktionen anfreunden konnte sich Dieter Steinkamp als Vertreter des Motorradclubs „Kuhle Wampe”. Wichtiger sei aus seiner Sicht Aufklärungsarbeit und eine Image-Veränderung („Laut ist out”). Zudem sei es schwierig „die Leute zu erreichen, die rasen wollen.” Auch sei nur ein geringer Prozentsatz der Motorradfahrer in Clubs organisiert. Nicht zuletzt spiele für Industrie und Kunden „der Sound einer Maschine eine wichtige Rolle.”

Sperrung gar nicht so einfach

„Mit diesem Höllenlärm darf man nicht ein ganzes Tal kaputtmachen”, schimpfte ein Bürger aus Rurberg, der davon berichtete, „dass einige Bürger schon ihre Häuser verkauft haben.”

Karl-Heinz Hermanns verwies auf die problematische Rechtslage, „gerichtsfeste Schallmessungen” vorzunehmen, wie auch auf das Problem von Streckensperrungen allein wegen des Lärmfaktors. Die Sperrung der L 128 zwischen Steckenborn und Woffelsbach für Motorräder an Wochenende sei im Jahr 1996 allein wegen der starken Unfallhäufung angeordnet worden.

Deutlich wurde im Laufe der Diskussion aber auch, dass es erforderlich ist, mehrere Wege bei der Lärmbekämpfung zu gehen und es nicht reicht, auf eine Gesetzesänderung zu warten.

Oliver Krischer meinte, man sollte an die Selbst-Disziplinierung der Motorradfahrer appellieren und diesen klar machen, „dass es demnächst in der Eifel schwieriger werden kann, wenn man sich nicht an die Regeln hält.”

Nicht am Podium saß an diesem Abend die Polizei, die aber zumindest hatte wissen lassen, dass es für ihre Arbeit schon äußerst hilfreich wäre, wenn es im gesamten Bereich des Nationalparks Eifel eine einheitliche Geschwindigkeitsbegrenzung gaben würde.
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