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„Montjoie Musicale“: Emanzipation des Individuums hörbar gemacht

Von: js
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Auftakt zur „Montjoie Musicale“: Den vielversprechenden Anfang machten die albanische Geigerin Ervis Gerga und der russische Pianist Alexander Zolotarev mit einem Programm aus Sonaten und Stücken für Violine und Klavier. Foto: Josef Schreier

Monschau. Unter regem Publikumszuspruch begann am Sonntag im Aukloster die neue Reihe der Monschauer Kammerkonzerte „Montjoie Musicale“. Den vielversprechenden Anfang machten die albanische Geigerin Ervis Gerga und der russische Pianist Alexander Zolotarev mit einem Programm aus Sonaten und Stücken für Violine und Klavier.

Es war ein anspruchsvolles Programm, das wichtige Werke aus der entsprechenden Literatur darbot, so von Mozart, Beethoven und Schubert. Leider wurde die im Programm angekündigte G-Dur-Sonate von Johannes Brahms nicht gespielt. Stattdessen endete das Konzert mit einigen „Charakterstücken“ von Fritz Kreisler, was – trotz der virtuosen Darbietung dieser kurzen und (allzu) eingängigen Werke – doch ein wenig das musikalische Niveau des bis dahin Gehörten unterbot.

Gleichwohl nahmen die zahlreichen Zuhörer einen „runden“ Eindruck von einem überaus gelungenen Abend mit. Nicht wenig trugen dazu die Gedanken bei, die der Moderator und Organisator des Abends, Florian Koltun, zum Verständnis und zur Einordnung der gehörten Werke beisteuerte. So wurde deutlich, dass das Genre der Violinsonate – wie die Solosonate überhaupt – aus einer bestimmten geistesgeschichtlichen Konstellation heraus entstand, – als sich nämlich, um die Zeit der Französischen Revolution herum, die Emanzipation des Individuums gegenüber kollektiven Geltungen herauskristallisierte.

Wolfgang Amadeus Mozart ist als Person und umso mehr als Komponist wohl die erste herausragende Gestalt in dieser Entwicklung. Von daher konnte man gut nachvollziehen, dass die Interpretation von Mozarts B-Dur-Sonate KV 378 durch die beiden Künstler sehr viel mehr auf die späteren Komponisten wie Beethoven und Schubert vorauswies, als dass die Herkunft Mozarts aus Empfindsamkeit und Rokoko hörbar geworden wäre.

Es war eine souveräne Deutung dieses Werkes, in der auch die Gleichwertigkeit beider Stimmen gut zum Zuge kam. Bei der Gestalt Ludwig van Beethovens ist noch ein Grad deutlicher wahrzunehmen, wie die künstlerische Persönlichkeit sich mit dem Ethos und der Emphase des Individuell-Menschlichen oder schließlich gar Menschheitlichen schlechthin verbindet. Dies mag sich in der relativ frühen G-Dur-Sonate op. 30,3 vielleicht noch nicht so klar äußern, zeigt sich aber doch an einigen Stellen an ungewohnten Synkopen, die (wie später oft bei Beethoven) so etwas wie das Aufbegehren gegenüber hergebrachten Geltungen anzeigen.

Bei Franz Schubert, der im Schatten Beethovens in Wien lebte, ist dann freilich die Problematik zu spüren, dass ein emanzipierter Subjektivismus in persönliche Unsicherheit und Depression umschlagen kann. In der dargebotenen Sonatine a-moll aus dem Jahre 1816 (Schubert ist 19 Jahre alt) hört man den Musiker nach einem eigenen Stil und einer eigenen Melodie suchen und vernimmt zugleich, wie das erwachende und durchaus große Selbstbewusstsein des jungen Komponisten doch von einer letztlich unheilbaren Melancholie umschattet ist.

Es ist den beiden Künstlern des Abends im Aukloster hoch anzurechnen, dass sie in ihrer Ausdeutung der Werke einen konsequenten geistigen Bogen durchgehalten haben. Alexander Zolotarev war dabei natürlich weit mehr als nur ein Klavierbegleiter. Er spielte seinen Part als einen eigenständigen Beitrag zu einem Dialog zweier gleichwertiger Stimmen. Die Violine von Ervis Gerga stach freilich heraus. Der sichere und kraftvolle Klang des Instruments schien so etwas wie das Selbstbewusstsein des modernen Menschen auszudrücken, von dem die Werke selber in Hintergründiger Weise Zeugnis geben. Schade nur eben, dass die Brahms-Sonate dann nicht mehr zum Zuge kam. Vielleicht aber hätte dieses Werk den Bogen nachgerade auch überspannt. So konnte man in den beiden Charakterstücken von Fritz Kreisler sowie in der lieblich anzuhörenden Zugabe von Edward Elgar („Salut d’amour“) den Abend angenehm ausklingen lassen.

Das dankbare Publikum spendete reichlich Beifall und freute sich sichtlich auf die Fortsetzung dieser höchst begrüßenswerten Monschauer Kammermusikreihe.

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