Monschauer Stadtarchiv wird neu geordnet

Von: P. St.
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Weniger Ordnung als es auf den ersten Blick aussieht, herrscht im Monschauer Stadtarchiv. Dr. Bernd Läufer hat es sich zur Aufgabe gemacht, das historische Material zu ordnen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Hintergrund: Björn Schmitz, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Tourismus, bei der Stadt Monschau. In der Hauptschule (Foto) ist das Material derzeit Foto: P. Stollenwerk

Monschau. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein”, gibt Dr. Bernd Läufer ohne Umschweife zu. Der Regionalhistoriker aus Lammersdorf hat jetzt eine neue Aufgabe übernommen, die ihm auf lange Zeit keinen Mangel Beschäftigung bescheren dürfte.

Der 51-Jährige möchte das Monschauer Stadtarchiv neu ordnen und von der Systematik her so anlegen, dass jeder an der Vergangenheit seiner Stadt interessierte Bürger das Gesuchte auch schnell findet. Bernd Läufer, für den eine Teilzeit-Stelle eingerichtet wurde, gab jetzt dem Monschauer Wirtschaftsausschuss einen kurzen Einblick in seine bisherige Arbeit und die bevorstehenden Aufgaben.

Da die Archivarbeit keineswegs eine freiwillige sondern ein Pflichtaufgabe der Stadt ist, stehen auch entsprechende Mittel aus dem Programm Marke Monschau zur Verfügung. Für die Einrichtung und die Personalkosten werden insgesamt knapp 250.000 Euro benötigt. In diesem Jahr beträgt die Förderung 104.000 Euro, im kommenden Jahr stehen weitere 25.000 Euro Fördermittel bereit.

Die Förderung resultiert auch aus der Tatsache, dass das Stadtarchiv sein neues Domizil im ehemaligen Amtshaus der Herzöge von Jülich am Holzmarkt bezieht. Dauerhaft an der Finanzierung beteiligt ist auch die Städteregion Aachen als Mieter, weil hier auch das ehemalige Kreisarchiv untergebracht wird.

Das für die Monschauer Stadtgeschichte historisch bedeutende, aber vom Verfall bedrohte Haus, wurde Anfang 2007 von der Stadt erworben und in einem langwierigen Prozess renoviert. Die andere Gebäudehälfte befand sich in einem wesentlich besseren Zustand, zumal auch hier bis 2008 Wohnungen eingerichtet waren.

Das Monschauer Stadtarchiv, an zwei Standorten, einmal im Keller des Rathauses und zum anderen in der Hauptschule auf der Haag untergebracht, braucht dringend eine ordnende Hand.

Bernd Läufer machte deutlich, welcher Umfang an Arbeit ihn erwartet. Im Rathauskeller stehen noch über 700 laufende Meter an Aktenordnern; die Sammlung der Gesetzestexte umfasst 30 Meter, ebenso groß ist der Umfang des Bildmaterials. Die Lagerung des Bestandes sei zwar „weitgehend in Ordnung, aber nicht optimal.” Ein Teil des Materials weise auch bereits Schäden auf.

Im Archiv-Depot Hauptschule befinden sich insgesamt 525 Kartons mit Archivmaterial und etwa 20 Meter Bücher, allerdings weitaus besser gelagert. Zwecks Sichtung soll das gesamte Archivmaterial inzwischen in der Hauptschule untergebracht worden.

Als dringende Sofortmaßnahme bezeichnete Bernd Läufer die korrekte Lagerung des Bestandes, um ein weiteres Fortschreiten der Schäden zu stoppen. Dazu zählt auch das Entfernen von Metallteilen. Gemeint sind damit in erster Linie Büroklammern.

Die Erfassung des Bestandes ist bereits erfolgt. Zu klären ist noch, was als archivwürdig bezeichnet werden kann. Schließlich gilt es dann, sämtliches Material in einer Datenbank zu erfassen, um einen raschen und gezielten Zugriff zu ermöglichen.

Die Renovierung des Hauses der Stadtgeschichte am Holzmarkt ist soweit fortgeschritten, das dass Gebäude bis zum Jahresende bezugsfertig ist und das Archiv einziehen kann. Im Haus soll sich komplett die historische Bedeutung der Stadt Monschau wiederspiegeln. So soll das Erdgeschoss als multifunktioneller Raum genutzt werden. Ausstellung, Lesungen, kleinere Veranstaltungen sollen hier Platz finden wie auch ein Lesesaal für die Nutzer des Archivs.

Im ersten Obergeschoss wird das Büro des Stadtarchivs untergebracht werden, denn der Stadtarchivar wird das gesamte Objekt dauerhaft betreuen und hier auch vor Ort arbeiten. Auch das Archiv und die Vereinsräume des Geschichtsvereins Monschauer Land werden hier ihren künftigen Platz haben. Dessen Bestand lagert bis jetzt noch im alten Kreisgebäude der Caritas neben dem Haus Troistorff. Im dritten Obergeschoss schließlich erhält das Archiv des Altkreises Monschau einen dauerhaften Platz.

Bernd Läufer bezeichnete es als „große Herausforderung”, das Stadtarchiv in Form zu bringen. „Das ist bestimmt nicht jedermanns Sache”, räumte er angesichts der Fülle des Materials ein, doch Läufer geht mit großer Motivation an die Arbeit: „Mit der Archivierung soll das Ziel erreicht werden, die Geschichte der Stadt Monschau lebendig werden zu lassen.” Und mit jedem Schritt, den man bei der Bewältigung des Archivmaterilas höher steige, „wird die Aussicht besser.”

Das neue Monschauer Haus der Stadtgeschichte am Holzmarkt soll nicht nur Einheimischen sondern auch den Gästen der Altstadt zur Verfügung stehen. Aufgearbeitet werden soll hier nicht die Tuchmacherzeit sondern auch die bisher weniger beachteten davor liegende Epochen. Zur Veranschaulichung sind auch Wechselausstellungen geplant. Fest geplant sind bereits Ausstellungen über den Maler Paul Voß, die Festspiele in Monschau, beginnend im Jahr 1920, das Burgringrennen aus den 50er Jahren, eine Sammlung historischer Photoaufnahmen, frühe Heimat-Literatur und nicht zuletzt die Christo-Verhüllung zu Beginn der 70er Jahre.
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