Monschau mag seinen „Müll-Künstler“

Von: P. St.
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HA Schult in seinem Element: 200 Trash-People stehen in acht Querreihen auf dem Monschauer Marktplatz. Das Spektakel ist bis zum 27. Oktober zu bewundern. Foto: P. Stollenwerk
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Was für eine Erscheinung: HA Schult mit neugierigen Kindern und seiner Muse Elke Koska. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Alles dreht sich um HA Schult. Der Objekt- und Aktionskünstler aus Köln ist momentan der Star in der Stadt. Am Dienstagnachmittag wurden unter seiner Regie 200 Trash-People auf dem Marktplatz aufgestellt, am Mittwoch fand die öffentliche Präsentation der in strenger Formation aufgereihten Müllmenschen statt.

Am Donnerstag (11 Uhr) findet im Aukloster die Vernissage zur mit der Außen-Installation verbundenen Ausstellung von Objekten und Dokumenten als Querschnitt durch das 45-jährige künstlerische Schaffen des 74-Jährigen statt.

Die HA-Schult-Festtage wurden am Mittwochmittag aber zunächst einmal mit einer weiteren spektakulären Aktion fortgesetzt. Die 2007 entstandene Skulptur „AutoDom“, eine Nachbildung des Kölner Doms aus Autoteilen wurde mit einem gesponserten 50-Meter-Kran der Firma Henn in den Innenhof des Auklosters verfrachtet. Hier bildet das sonderbare Blech-Gebilde nun einen Blickfang im Rahmen der Ausstellung.

Kritiker im Hintergrund

Anders als von 43 Jahren, als HA Schult die Bürger in der Stadt provozierte und vorführte, rollt Monschau seinem „Müll-Künstler“ heute den roten Teppich aus, sodass er sich auch gerne „für die Gastfreundschaft“ bedankt . Im goldenen Oktoberlicht läuft die Aktion so merkwürdig behaglich und vertraut ab; es wird gescherzt und geherzt, fotografiert und gefeixt, aber böse Worte fallen nicht.

Auch die erste Nacht („Das ist ja bekanntlich die schönste“, wirft der Künstler in die Runde) haben die Müllmenschen schadlos verbracht. Dabei weiß man, dass es kritische und sogar bösartige Stimmen gibt, die solche Kunst auf eine Stufe mit gewöhnlichem Müll stellen, aber diese Stimme sind bisher nicht öffentlich nicht zu vernehmen - jedenfalls nicht in einer Lautstärke, die geeignet wäre, dem selbstbewusst auftretenden Künstler Konkurrenz zu bieten.

Aber HA Schult hat ja ohnehin längst seinen Frieden mit Monschau geschlossen, und nicht erst seitdem ihn die Monschau Festival GmbH, vertreten durch die ihre Geschäftsführer Dorit Schlieper und Helmut Lanio, eingeladen hat, um in der historischen Altstadt wie einst in der guten alten Zeit der 70-er Jahre noch einmal mit einigen gezielten Stichen für erhöhte Aufmerksamkeit zu sorgen. Diese Aufmerksamkeit dürfte Monschau gewiss sein. Das rege Publikumsinteresse auf dem Marktplatz ist sicherlich nicht allein den goldenen Herbsttagen geschuldet.

„Dieses Bild wird die Leute in der Seele berühren. Davon geht eine elegische Stimmung aus“, sagt HA Schult, während er von der ersten Etage des Cafe Kaulard den Blick über den Marktplatz blickt und zufrieden feststellt, dass er für seine Müllmenschen mal wieder einen perfekten Platz gefunden hat. HA Schult spricht von „Erlebniskunst“. Von dieser Aktion würden die Kinder in späteren Jahren noch berichten. Und tatsächlich: Eine durch die Stadt ziehende Jugendgruppe hatte ihre Freude am nicht alltäglichen Geschehen - und erst recht als Elke Koska, die Künstlermuse als wandelnder Paradiesvogel die Blicke auf sich zog.

„So bunt war Monschau noch nie“, freute sich auch Bürgermeisterin Margareta Ritter, die sich von der Aktion „viel Aufmerksamkeit“ verspricht. Eine Erlebnis-Wiederkehr feierten am Mittwoch auch die Journalisten Klaus Honnef (der bei heutigen Vernissage sprechen wird) und Kaspar Vallot, die seinerzeit die legendären Umwelt-Akzente im Jahr 1970 realisierten, indem 39 Künstler mit äußerst bescheidenen Budget im Eifelstädtchen Monschau die Straßenkunst manifestierten. „Die Hälfte dieser Leute ist heute weltberühmt“, rückt HA Schult die damalige Aktion auf den angemessen Platz in der modernen Kunstgeschichte.

Und etwas schrieb der nie um eine Antwort verlegene Künstler den Monschauern ins Stammbuch: „Kultur ist ein Lebensmittel und auch ein Wirtschaftsfaktor. Die Müllmenschen bringen Geld in Stadt, und davon werden auch die Cafés und die Bimmelbahn profitieren.“

Das Thema des ökologischen Ungleichgewichtes durchzieht die Arbeit des Künstlers wie ein roter Faden, darin findet all‘ sein Schaffen den Ursprung: „Die Müllmenschen staunen stumm, denn sie sind unser aller Ebenbild und erheben Anklage gegen die Vermüllung des Planeten Erde.“

Am langen Wochenende darf man gespannt sein, wie viel Menschen sich HA Schults Mission näher betrachten wollen.

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