Monschau - Monschau: Fünftes Weihnachtsmarktwochenende stößt auf Widerstand

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Monschau: Fünftes Weihnachtsmarktwochenende stößt auf Widerstand

Von: mon
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Für Besucher der Altstadt die pure Idylle, für die, die hier leben, auch eine Belastung und Einschränkung des täglichen Lebens: Der Monschauer Weihnachtsmarkt teilt die Meinungen der Menschen, denen Monschau am Herz liegt. Mitten im Juli diskutierten viele Monschauer Bürger jetzt darüber, ob eine zeitliche Ausdehnung des Weihnachtsmarktes wünschenswert ist. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. „Wir sind zusammengekommen, um Lösungen zu suchen“, sagte Hilmar Weber bei der Bürgerversammlung im Bürgersaal des Auklosters am Mittwoch Abend, zu der Ortsvorsteher Georg Kaulen geladen hatte.

Grund für die Versammlung: Die Arbeitsgemeinschaft Monschauer Unternehmen (AMU) hatte den Antrag gestellt, in diesem Jahr den Monschauer Weihnachtsmarkt wieder eine Woche eher beginnen zu lassen und damit auf fünf Wochenenden auszudehnen.

86 Gegner unterschrieben

Insgesamt 86 Einwohner, darunter viele alteingesessene Monschauer, hatten sich im Rahmen einer von Andrea Johnen initiierten Unterschriftensammlung gegen die Erweiterungspläne ausgesprochen. Rund 70 Personen waren am Mittwoch zur Versammlung gekommen, darunter auch Mitglieder des Rates und des Wirtschaftsausschusses, der am 2. September in öffentlicher Sitzung über ein fünftes Weihnachtsmarktwochenende beraten und entscheiden wird und sich bei der Bürgerversammlung ein Stimmungsbild in der Sache verschaffen wollte.

Nach der Begrüßung durch den Ortsvorsteher begründete Achim Pröpper die Sachlage und Antragstellung im Namen der AMU. Das fünfte Wochenende, das ansonsten nur alle sieben Jahre in Betracht komme (nämlich dann, wenn Heiligabend auf einen Sonntag fällt), sei „wirtschaftlich für die Monschauer Unternehmen sehr wichtig“.

Nach Hans-Benno Kaulard, sowohl Geschäftsmann, als auch Einwohner der Altstadt, brächte dieses zusätzliche Wochenende „12 bis 15 Prozent mehr Umsatz“, bezogen auf ein normales Wochenende des Weihnachtsmarktes, der für ihn wiederum insgesamt „rund 25 Prozent des Jahresumsatzes“ ausmache.

Chance der Existenzsicherung

Insbesondere, „um die weniger ertragreichen Monate Januar bis März zu überbrücken, stellt die Weihnachtsmarkterweiterung auch eine Chance der Sicherung der Geschäfte dar, die auch Grundlage für eine lebendige Stadt sind“, so Kaulard.

Auf der anderen Seite stellen die Bewohner des Städtchens „auch ein sehr wertvolles Gut“ dar, meinte Hilmar Weber, denn auch sie trügen zum Leben in der Stadt bei, „ohne dass Monschau nicht das wäre, was es ist“.

Insbesondere Einwohner, die von Kind an hier leben, jahrelang durch ihre Steuern, die Pflege der alten Häuser und Gärten oder die Betreuung des Blumen- und Weihnachtsschmucks dafür sorgten, dass eben dieses Stadtbild erhalten bliebe, „bitten darum“, so Andrea Johnen im Namen der Gegner, „das fünfte Wochenende noch einmal zu überdenken“.

Insgesamt kritisierten die Gegner der Weihnachtsmarkt-Erweiterung die hohe „Schmutz- und Lärmbelästigung“, die unausreichenden Parkplätze für Anwohner, die Belästigung durch nicht weichende Touristen, wenn man zu seinem eigenen Haus wolle, schlechte Gerüche oder Müll. Darüber hinaus sei der Weihnachtsmarkt im Laufe der Jahre immer weiter ausgedehnt worden, sowohl zeitlich, als auch räumlich, und man sei „nicht gefragt, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, so Andrea Johnen, die befürchtet: „Wenn das fünfte Wochenende in diesem Jahr befürwortet wird, wird es in Zukunft wohl immer so sein.“

Mit Blick auf diese Einwände schlug Gastronom Peter Krämer („Haller“) vor, einen Fond einzurichten, „und seien es nur 100 Euro für jeden Weihnachtsmarktbeschicker“, um zum Beispiel die Mülltonnen regelmäßiger zu leeren, die Straßen zu kehren oder noch mehr Toiletten aufzustellen. Die Parkplatzsituation könnte für die Einwohner verbessert werden, indem man das Angebot der Sparkasse Aachen, so der Vorschlag von Bürgermeisterin Margareta Ritter, annähme und auf deren Parkplatz Laufenstraße ausweiche. Grundsätzlich wollte sich die Bürgermeisterin nicht am Pro und Contra beteiligen, stellte jedoch einige Fakten richtig. So sei die AMU nicht der Organisator des Weihnachtsmarktes, sondern die Monschau Touristik.

Ein Hauch von Charles Dickens

Auch das Verhältnis zwischen Buden mit Essen und Trinken und Anbietern mit Geschenkartikeln sei immer das gleiche geblieben, nur sei die Anzahl der Buden aktuell auf 38 gesunken. „Wir würden uns wünschen, dass ein weitaus bunteres Angebot in die Hütten kommt“, sagte Ritter.

Aus den Reihen der Gegner kam auch der Vorschlag, den Markt vor Weihnachten auf drei Wochen zu minimieren oder ihn, wie in vielen Städten üblich, bis Silvester auszudehnen, um dann, nach all dem weihnachtlichen Trubel, gemütlich bummeln zu können.

„Es wäre auch schön, wenn der Weihnachtsmarkt wieder nach Weihnachtsmarkt riecht“, wünschte sich eine Stimme aus den Reihen der Zuhörer. Damit war offenbar vielen Anwesenden aus der Seele gesprochen, die auch den Worten von Pfarrer Bentzin beipflichteten. „Die Vorweihnachtszeit beginnt am ersten Advent“ und der Totensonntag sei gesetzlich geschützt. „Wir alle brauchen auch Feste, gemeinsame Zeiten des Feierns, aber wir brauchen auch geschützte Zeiten der Ruhe und des Bedenkens“. So wäre zu überlegen, nicht nur Monschaus Altstadt mit seinen Einwohnern und Geschäftsleuten zu einigen und zu integrieren, sondern auch den Weihnachtsmarkt zu reformieren, mit einem bunten, abwechslungsreichen und gehobenen Angebot, mit dem klassischen Weihnachtsmarktflair, Mandeln, Nüssen und Lebkuchenherzen, kurz: einem Hauch von Charles Dickens Weihnachtsmärchen. Dann gelinge es auch, so Bentzin, entsprechendes Publikum anzulocken, mit ganz neuen Ideen, mit Kreativität und Mut der Unternehmer, so dass die Einwohner auch sagen könnten: „Es ist auch unser Weihnachtsmarkt!“

Sicher ist, so war zu hören, die Einwohner möchten auch gerne ihren Familienbesuch empfangen und die Vorweihnachtszeit genießen – und – so Bentzin, möchten „Stadtgespräche“, losgelöst vom fünften Weihnachtsmarktwochenende und „ein tragbares Konzept für die Stadt“. Dies bestätigte Heinz Mertens: „Egal in welcher Form – Gespräche sind stets sehr hilfreich“. Nun ist die Politik am Zuge, der Wirtschaftsausschuss muss im September eine Entscheidung fällen.

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