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Monschau: Altes Wasserrad wieder in Betrieb

Von: V.M.
Letzte Aktualisierung:
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Ein Stück Geschichte wird wieder zum Leben erweckt. Freiwillige Helfer bei der Arbeit am Wasserrad. Foto: V. Monterey

Monschau. Mit Schaufeln, Harken und Eimern rückten am Ostersamstag rund 30 freiwillige Helfer in Gummistiefeln an, um das alte Wasserrad an der Rurstraße unterhalb des Roten Hauses wieder in Gang zu bringen.

Seit dem Unwetter im Juli vergangenen Jahres hatten die Schaufelräder stillgestanden, hatten Sand, Geröll, Zweige und Geäst sich im Kanal und in den Rädern selbst derart angehäuft, dass von einem munteren Plätschern nicht die Rede sein konnte.

Ungezählte Gäste beobachteten während des Vormittages die schweißtreibende Aktion, angeleitet von Ortsvorsteher Georg Kaulen. Nach einem öffentlichen Aufruf waren sowohl viele Bewohner Monschaus, die Freiwillige Feuerwehr und Mitglieder des Eifelvereins wie auch Helfer aus Eicherscheidt und die Jugendgruppe des Technischen Hilfswerks aus Lammersdorf gekommen und legten den schmalen, rund 40 Meter langen Kanal zum und vom Wasserrad sowie die beiden Schieber wieder frei.

„Der Stadt fehlen dafür die Ressourcen”, erklärte Kaulen. In der Zukunft will er aber dafür sorgen, dass fünf bis sechs Personen regelmäßig Kontrollgänge machen.

Schöner Anblick

Vom gegenüberliegenden Stehling hat man den schönsten Blick auf das dekorative Wasserrad und auf die dahinter liegenden Fachwerkhäuser, einst wohl älteste Feintuchproduktionsstätte Monschaus, den so genannten „Schmitzerhof”. Die ältesten Fabrikgebäude entstanden unter Arnoldus Schmitz (1550-1615), weitere Gebäude wurden im Jahre 1765 erbaut und unter anderem als Wollspüle genutzt. Schon im Jahre 1812 war dort eine durch ein Wasserrad betriebene mechanische Spinnerei ansässig, unter anderem die vom Tuchfabrikanten Friedrich Wittichen.

Den Schmitzerhof übernahm die Firma Math. Nickel Math. Sohn, seither ”Nickelshof genannt, die dann später auch die Gebäude von Wittichen erwarben und dort bis 1888 das kostbare Tuch fabrizierten.

Im Jahre 1841/42 hängte Nickel innerhalb eines Fachwerkhäuschens ein Wasserrad an. Heute gehört das Wasserrad zum Haus der Familie Breuer in der Rurstraße 10. Ein alter Situationsplan aus dem Jahre 1836 zeigt auf, wie eine beabsichtigte Wiederherstellung der Färberei zu der Zeit vorgesehen war. Das Rad selbst befand sich derzeit immer noch in einem Häuschen und trieb über lange Transmissionen die Spülen der dahinter liegenden Wollfärberei im so genannten „Küphause” des Tuchfabrikanten Friedrich Wittichen an.

„Er wäre reich geworden”

Später, im Jahre 1908, erneuerte der Senffabrikant Clemens August Breuer das Rad, gusseisern mit rostfreien Schaufeln aus Stahl. Und im Jahre 1969 kaufte der inzwischen verstorbene Schuhmachermeister Willibald Bauer das Haus und kümmerte sich um das Wasserrad, wenn es auch nicht mehr seine ursprüngliche Funktion hatte, dafür aber die Touristen anzog. „Über 40 Jahre lang hat mein Mann den Kanal gereinigt und das Rad geölt”, erinnert sich Ehefrau Fine Bauer. „Hätte er für jedes Foto einen Pfennig bekommen, wäre er reich geworden”, das habe er zumindest immer gesagt.

Dann stand das alte Rad wieder viele Jahre still, bis exakt zum 100. Geburtstag der letzten Runderneuerung. Mit Unterstützung des Bürgervereins Montjoie und des Bauhofs sorgte der damalige Ortsvorsteher Alexander Lenders mit der tatkräftigen Unterstützung von Peter Steinröx und Horst Huppertz für die die abermalige Instandsetzung. „Es war damals total verrostet und kaputt”, erinnert sich Ellen Bauer und packt zwischen Brote schmieren und Getränke reichen immer wieder selbst mit an und schaufelt Geröll aus der Wehr.

Wenn der Wasserstand auch nicht immer ausreicht, um das Rad anzutreiben (es braucht mindestens einen Wasserstand von 20 Zentimetern), jetzt plätschert es wieder fröhlich vor sich hin, das gute Stück Geschichte.
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