Nordeifel - Molkerei und Landwirte gehen getrennte Wege

Molkerei und Landwirte gehen getrennte Wege

Von: Ernst Schneiders
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Der Streit um den Milchpreis geht auch im neuen Jahr weiter. Einige Milchviehhalter aus der Nordeifel wollen jetzt der MUH den Rücken kehren. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Nordeifel. Das Tischtuch ist längst zerschnitten. Jetzt haben einige Nordeifeler Landwirte die Konsequenzen gezogen und der MUH, der Milch Union Hocheifel, den Rücken gekehrt und ihre Genossenschaftsanteile zurückverlangt.

Als „traurig” bezeichnet es Manfred Graff, Vorstandsvorsitzender der MUH, wenn Kollegen, die das in Pronsfeld ansässige Unternehmen mit aufgebaut haben, „jetzt gehen”. Aber er findet es andererseits auch „konsequent” und „besser für die Molkerei”, denn die Landwirte, allesamt Mitglieder des BDM, des Bundes Deutscher Milchviehhalter, hätten mit ihren Aktionen in jüngerer Vergangenheit der MUH eher geschadet als genutzt.

Sie hätten Milch auf Feldern verschüttet, Tanklastzüge blockiert und „vor zwei Jahren das ganze Unternehmen lahmgelegt”.

Graff: „Ich habe Respekt vor diesen Entscheidungen und halte die Austritte such für sinnvoll”, denn die betreffenden Kollegen wollten angesichts niedriger Milchpreise „eigene politische Wege gehen”, die nicht mit Philosophie der MUH übereinstimmen.

Etwa 70 bis 80 Betriebe im gesamten Geschäftsbereich der MUH verlassen laut Manfred Graff jedes Jahr die genossenschaftliche Molkerei, weil sie die Landwirtschaft einstellen. Die „einigen wenigen Austritte” um die Jahreswende seien allerdings ungewöhnlich, wobei der MUH-Vorstandsvorsitzende Kritik an der Geschäftspolitik des Unternehmens so nicht gelten lässt.

Der für 2010 festgelegte Investitionsrahmen in Höhe von 30 Millionen Euro diene unter anderem zum Bau einer neuen Produktionshalle, um sich mit „innovativen Produkten” neu am Markt zu positionieren, zumal inzwischen 40 Millionen Liter Milch zusätzlich verarbeitet werden müssen. Graff: „Die MUH muss einer der drei größten Player am Markt sein, damit es gut läuft.”

Markus Legge, Landwirt aus Imgenbroich und Mitglied des BDM, der mit seiner Bio-Milch längst eigene Wege jenseits der deutsch-belgischen Grenze geht, sieht grundsätzlich zu große Verstrickungen zwischen Molkereien und Bauernverband. Die Molkerei arbeite nach der Maxime „wachsen oder weichen” und habe keine Probleme damit, die Milch zu verkaufen.

„Und wenn sie wenig verkauft, senkt sie den Preis, zieht weiterhin ihre Kosten in voller Höhe ab und macht die Landwirte zu Restmilchgeldempfängern”. 20 Cent pro Liter, wie im vergangenen Jahr, seien einfach nicht akzeptabel. Legge: „Das Wohlergehen der Genossen hinkt etwas hinterher!”

„Hat einen sozialen Aspekt”

Im Gegensatz zu Molkereien und Bauernverband setze der BDM nicht auf ungehemmtes Wachstum. Vielmehr sei es erforderlich, die Milchmengen zu verringern und die Preise zu erhöhen, damit mehr Landwirte Überlebenschancen hätten. Markus Legge: „Das hat auch einen sozialen Aspekt.”

Wilfried Jansen aus Lammersdorf, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, kann „den Frust verstehen, den einige Kollegen wegen der niedrigen Milchpreise schieben”. Verständlicherweise seien einige Landwirte auch „etwas in Rage”, aber ob es Sinn mache, „auf das eigene Unternehmen loszudreschen und dabei den Markt aus dem Blick zu verlieren”, das wage er zu bezweifeln.

Jansen: „Wir brauchen bessere Preise und wir müssen den nicht lagerbaren Rohstoff Milch loswerden. Das ist derzeit gar nicht so einfach, denn die großen Märkte in Asien und Russland sind weggebrochen.” Auch der Austausch von Milchprodukten durch billigere pflanzliche Bestandteile in Lebensmitteln habe das Portmonee der Landwirte leerer werden lassen.

Jansen plädierte für „andere Umgangsformen”, um die Probleme zu lösen: „Es bringt jetzt nichts, sich abzuschotten und in eine Wagenburg zurückzuziehen. Nirgendwo läuft es zur Zeit wegen der weltweiten Krise richtig rund.”
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