Aachen 2025

Mit Flüchtlingen schon das Schunkeln geübt

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
11694922.jpg
Im Karneval zeigen die Menschen oft ein anderes Gesicht: Einige Kommunen versuchen jetzt den Flüchtlingen das Brauchtum und die damit verbundenen Besonderheiten zu erklären. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Nordeifel. Wer mit den Bräuchen des rheinischen Karnevals nicht vertraut ist, könnte ab Donnerstag so manche Überraschung erleben. Auch ein Großteil der Flüchtlinge hat keinerlei Erfahrungen mit den Gepflogenheiten und Besonderheiten, die damit verbunden sind.

Der Landesinnenminister hat deshalb die Bezirksregierungen angeschrieben und gebeten, die eingesetzten Betreuungsorganisationen aufzufordern, die Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte mit den Brauchtümern und Abläufen an den Karnevalstagen vertraut zu machen. „Dabei sollten die Betroffenen auch ausdrücklich auf die von ihnen zu beachtende räumliche Beschränkung ihres Aufenthaltes hingewiesen werden“, schreibt das Innenministerium.

Wir haben von der Bezirksregierung einen Flyer zur Verfügung gestellt bekommen“, sagt Marianne Bothen-Frehr, die Leiterin der Flüchtlingsunterkunft der Bezirksregierung Köln auf der Monschauer Haag. Darauf werde in mehreren Sprachen die Brauchtumspflege und das Verhalten der Jecken erklärt. Außerdem seien die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes angewiesen, an den Karnevalstagen die Taschen der Flüchtlinge, etwa auf Alkohol, zu kontrollieren und bei auffällig verkleideten Personen genauer hinzuschauen, erläutert Bothen-Frehr.

Die Stadt Monschau hatte schon vor dem Erlass des Innenministers reagiert. „Ich habe in Köln einen Flyer gesehen. Den habe ich an einen Mitarbeiter weitergegeben und gebeten, diesen für die Stadt Monschau anzupassen“, sagt Bürgermeisterin Margareta Ritter. Das war aber zu aufwendig, so dass dem Kölner Original, das vom Festkomitee Kölner Karneval entworfen wurde, ein Vorblatt angehangen wurde.

„Auch in der Eifel feiert man Karneval – zwar nicht so groß und aufwendig wie in Köln – aber die wesentlichen Hintergründe und Besonderheiten gelten auch hier! Deshalb gelten die in beigefügtem Info-Blatt enthaltenen Hinweise auch hier und wer sie beherzigt, wird auch von den ‚Eifeler Jecken‘ beim Mitfeiern gerne gesehen!“, ist dort zu lesen. Dieser Flyer aus Köln sei dann mit dem Vorblatt in der vergangenen Woche bei der Auszahlung von Leistungen an die Flüchtlinge übergeben worden. Außerdem seien die mehrsprachigen Flyer auch in den Sammelunterkünften der Städteregion (Funk/Höfen) und der Bezirksregierung (Haag) an die Mitarbeiter der Sozialdienste übergeben worden. Kurz darauf gab der Innenminister seinen Erlass heraus und ein Informationsblatt der Bezirksregierung Arnsberg erreichte die Stadt Monschau. Das wurde auch an die Mitarbeiter in den Flüchtlingsunterkünften weitergegeben.

Auf das Informationsschreiben der Bezirksregierung Arnsberg greift auch die Gemeinde Simmerath zur Information der ihr zugewiesenen Flüchtlinge zurück. Die Information in den Flüchtlingsunterkünften in Einruhr und im BGZ in Simmerath sei Sache der Bezirksregierung beziehungsweise der Städteregion, erklärt Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. Die Informationen seien auch nicht in jeder Wohnung verteilt worden, in der Flüchtlinge untergebracht sind, wohl aber in der Flüchtlingsunterkunft der Gemeinde auf Langschoß, wo zurzeit rund 50 Menschen leben.

Die Gemeinde Roetgen hat das Informationsblatt der Bezirksregierung an den Roetgener Flüchtlingsrat weitergeleitet, der es an die Flüchtlinge verteilt hat. Die im Flüchtlingsrat engagierten Ehrenamtler seien aber auch vorher schon aktiv gewesen, erklärt Dirk Recker vom Sozialamt der Gemeinde. Das Thema Karneval sei zuvor auch schon im Deutschunterricht behandelt worden. Außerdem hätten die Ehrenamtler viele Gespräche mit den Flüchtlingen geführt, die in der Gemeinde untergebracht sind. „Im Wohnheim auf dem Kuhberg wurde auch schon das Schunkeln und Kamelleschmeißen geübt“, sagt Recker.

Auch die Städteregion Aachen hat das Informationsblatt in den ihr unterstehenden Flüchtlingsunterkünften verteilen lassen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert