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Mit einem gezielten Schlag den stärkeren Gegner außer Gefecht setzen

Von: Pia Sonntag
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Tanja Urbschat aus Roetgen schafft es, ihren Kampfpartner beim Selbstverteidigungstraining durch einfach erlernbare Methoden zu überwältigen. Foto: Pia Sonntag

Monschau. Die sexuell-motivierten Angriffe auf Frauen in Köln haben in der Bevölkerung Ängste geschürt. Gerade vor der Karnevalszeit fragen sich viele, wie man sich in solchen Situationen zur Wehr setzen kann. Tanja Urbschat aus Roetgen gehört zu den Frauen, die die Kampfkunst für sich als Verteidigungsmethode entdeckt haben.

Sie besucht den Kurs von Trainer Markus Löbbeke an der Mädchenrealschule in Monschau. „Ich möchte mich sicherer in meiner Haut fühlen und in Gefahrensituationen wissen, wie ich mich verhalten sollte“, erklärt die 47-Jährige.

Insgesamt 15 Teilnehmer, darunter zwei Frauen, fanden sich am Dienstagabend in der Turnhalle der Mädchenrealschule ein, um zu lernen, wie man sich ohne Waffen und mit bloßer Körperkraft verteidigen kann. Auf die Frage, wie viele Trainingseinheiten man grundsätzlich braucht, um in brenzligen Situationen optimal reagieren zu können, gab Markus Löbbeke zunächst keine Antwort. In der Turnhalle begann der Trainer zunächst, seine Schüler mit Aufwärmübungen für den Zweikampf bereitzumachen. Die Frauen und Männer suchten sich einen Kampfpartner, um mit diesen Übungen zur Selbstverteidigung auszuführen. Immer an der Seite der Schüler stand Markus Löbbeke, der Anweisungen erteilte und den Prozess beobachtete.

„Mit einfachen Methoden kann man Handgriffe abwehren. Geschickt angewandte Schläge mit offener Hand, ins Gesicht oder Schläge mit Ellenbogen können den Gegner schnell außer Gefecht setzen“, sagt der Trainer.

Nach einer Stunde hatten die Schüler einige Abwehrtricks gelernt, die sie dann in einer gespielten Angriffssituation anwenden sollten. Sogar die zierliche Tanja Urbschat konnte sich gegen einen größeren männlichen Gegner zur Wehr setzen. Dennoch fiel gerade bei einigen anderen Anfängern auf, dass sie trotz der gelernten Methoden bei einem Angriff sofort die Schutzhaltung einnahmen.

Für den Trainer war diese Reaktion vollkommen natürlich: „Kampfkunst hat etwas mit innerer Einstellung zu tun. Man muss lernen, mit den eigenen Ängsten umzugehen, damit sie einen nicht lähmen. Aber das braucht Zeit. Darum bringen ein oder zwei Stunden Training überhaupt nichts, denn in einer reellen Situation hat man auch nicht mehr die Möglichkeit, sich zu korrigieren.

„Auch Pfefferspray nützt dann nicht mehr viel“, meint der 41-Jährige. Für ein sicheres Gefühl sei das Pfefferspray von der psychologischen Seite her sicherlich nicht verkehrt, aber es bestehe immer die Gefahr, sich bei einem Angriff selbst außer Gefecht zu setzen.

Auch Paul Kemen von der Pressestelle der Aachener Polizei sieht Pfefferspray als Mittel der Abwehr eines Angriffs eher skeptisch: „Grundsätzlich sind wir gegen diese ,Bewaffnung‘. Sie löst unter Umständen massivere Gegengewalt aus. So können Situationen völlig eskalieren. Wenn man sich bedrängt, bedroht oder sexuell belästigt fühlt, sollte man umgehend die Polizei rufen.“ Denn gerade wenn man von mehreren Leuten bedrängt werde, könne man sich als Einzelner in der Masse nicht behaupten.

„Es kann sein, dass gerade an Karneval wieder einzelne Männer oder Männergruppen versuchen, Frauen zu belästigen. Aber selbst mit Kampfkunsterfahrung kann man in manchen Situationen nicht gewinnen“, denkt Markus Löbbeke.“

Die 16-jährige Eva Bäcker aus Monschau, die ebenfalls den Kurs besucht, erzählt, dass sie „zum Glück noch nie in eine bedrohliche Situation gekommen“ sei. Durch den Unterricht fühle sie sich aber sensibilisierter auf Gefahren. „Das Training hilft mir persönlich sehr, da ich meine Ängste nun besser kontrollieren kann“, erklärt die 16-Jährige. Denn dadurch hätte sie wenigstens das Empfinden, nicht vollkommen wehrlos fremden Menschen gegenüber zu stehen.

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