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„Mit der Grundschule stirbt auch das Dorf”

Von: hes
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Roland Heinen und Kristina Mer
Roland Heinen und Kristina Merten (mit Sohn Tim) stellten das Positionspapier der Interessengemeinschaft gegen die Zusammenlegung der Monschauer Grundschulen vor. Foto: Heiner Schepp

Monschau. „Lasst die Schule im Dorf!” Unter diesem Motto hat sich binnen weniger Wochen in der Stadt Monschau eine „Interessengemeinschaft Grundschule” formiert. Mit der Gründung einer Gruppe im sozialen Netzwerk „Facebook” kam der Stein Ende September ins Rollen.

Aktuell haben 147 Nutzer diese Gruppe abonniert und verfolgen damit die sehr intensive Diskussion und Darstellung im Netz. Auch im Forum unserer Zeitung (eifeler-meinung.de) hat die Diskussion um die Zentralisierung der Primarstufe in der Stadt Monschau Fahrt aufgenommen.

Auch wenn die Politik das Thema „Grundschulen” jüngst mit Blick auf die Sekundarschule ins Jahr 2013 zurückgestellt hat, möchte die Initiative frühzeitig die Öffentlichkeit für oder besser gesagt gegen eine Zusammenlegung der heute noch drei Grundschulen an fünf Standorten sensibilisieren und machte nun ein 19-seitiges Positionspapier dazu öffentlich.

„Der demographische Wandel, also der Rückgang der Bevölkerung aufgrund sinkender Geburtenzahlen einerseits und einer weiteren Erhöhung des Lebensalters andererseits, ist unverkennbar. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 gegenüber 2006 in NRW die Zahl der Schüler der Primarstufe insgesamt um 20,4 Prozent zurückgehen wird.

Einhergehend mit diesem bundes- und landesweiten Trend stellt sich auch die Entwicklung der Schülerzahlen im Stadtgebiet Monschau negativ dar”, heißt es im IG-Papier, doch damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten der Standpunkte von Interessengemeinschaft einerseits und der Stadt Monschau andererseits.

Denn „bei näherer Betrachtung stellen sich diese Schülerzahlen der nächsten Jahre mit Ausnahme des Einschulungsjahrgangs 2016 bei weitem nicht als so dramatisch dar, wie sie seitens der hiesigen Kommunalpolitik bewertet werden”, sagt Roland Heinen, einer der Initiatoren, der gespannt den neuesten Grundschulentwicklungszahlen entgegensieht, die am 13. November im Schulausschuss vorgestellt werden.

„Wir sind der Auffassung, dass diese rückläufige demographische Entwicklung aber auch auf kommunaler Ebene als Herausforderung angenommen und mit den - kommunal zur Verfügung stehenden Mitteln - bekämpft werden muss”, heißt es im Positionspapier. Zu einem lebenswerten Lebensumfeld in der Kommune gehöre ein attraktives Schulangebot, schreibt die IG.

„Die Reaktion des hiesigen Schulträgers, alle Grundschulen zu schließen und diese an einem Standort zusammenzulegen, stellt sich unserer Auffassung nach nicht als innovatives Anpacken, sondern als geordneter Rückbau dar. Statt durch die Aufrechterhaltung der vorhandenen (Teil-)Standorte einen aktiven Beitrag dazu zu leisten, die Dörfer lebens- und wohnenswert zu erhalten, wird auf den Zug der demographischen Entwicklung aufgesprungen, anstatt ihn mit den Mitteln der Kommunalpolitik aufzuhalten und die Möglichkeiten, die der NRW-Schulkonsens eröffnet („kleine Schulen”), zu nutzen.

Der Höfener Vater ist in den kommenden Jahren mit zwei Kindern zwar selbst betroffen von der Grundschul-Problematik - viel schwerer wiegt für den aktiven „Lyra”-Musiker aber die Tatsache, dass mit der Schule auch das Dorfleben langsam, aber sicher sterbe.

„Es ist nicht ernsthaft abzustreiten, dass die Grundschulen mit ihren Aktivitäten in den jeweiligen Orten zur Bereicherung des Dorf- und Vereinslebens erheblich beitragen”, nennt das Positionspapier sakrale und profane Feste sowie die Zusammenarbeit mit den Vereinen in den Orten. „Dies fördert das Zugehörigkeitsgefühl zur Dorfgemeinschaft”, ist Roland Heinen überzeugt.

Auch finanzielle Gründe für eine Zusammenlegung der Schulen sieht die IG nicht. „Um wirklich zu sehen, wie viel Ersparnis die räumliche Zusammenlegung bringt, bedarf es einer umfangreichen Untersuchung der Energiekosten aller Gebäude”, sagt Kristina Merten, ungeachtet der Frage, ob die dann leerstehenden Grundschulgebäude überhaupt vermarktbar oder gar geflossene Sanierungszuschüsse zurück zu zahlen seien.

Überdies müsse auch die Städtische Realschule, die sich nach Auffassung der IG kaum als Grundschulgebäude eigne, zunächst finanziell aufwendig umgebaut werden, sind die beiden IG-Vertreter überzeugt.

„Wir räumen ein, dass sich die Politik dem Kosten- und Schuldendruck anpassen und Strukturen adaptieren muss. Die Frage sei allerdings erlaubt, ob dies unbedingt auf dem Rücken unserer Kinder passieren muss”, heißt es im Positionspapier, und Kristina Merten unterstreicht: „Wenn Monschau eine Zukunft haben will, muss es attraktiv bleiben - aber nicht nur für Touristen...”

Weitere Informationen zur IG Grundschule erteilen Roland Heinen und Kristina Merten gerne persönlich, erhält man aber auch über die Facebook-Gruppe „Leere Schulen = Leere Dörfer” oder bei einer Infoveranstaltung am 14. November, 20 Uhr, in der Brauerei in Monschau.

In einer früheren Version dieses Artikels war irrtümlich ein anderer Veranstaltungsort angegeben. Wir entschuldigen uns für den Fehler.
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