Roetgen - Mit 26 Leuten läuft die kleinste Verwaltung der Städteregion

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Mit 26 Leuten läuft die kleinste Verwaltung der Städteregion

Von: Ernst Schneiders
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Bisweilen streift Bürgermeist
Bisweilen streift Bürgermeister Manfred Eis seine neongelbe Jacke über und unterstützt den Mitarbeiter des Ordnungsamtes bei den Kontrollen. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Mit so wenig Personal kommt kein Bundesligaverein aus. Hinzu kommt, dass die Elite-Kicker auch noch unvergleichbar besser bezahlt werden, als die 26-köpfige Minitruppe, die die Gemeinde Roetgen verwaltet.

Hinzu gesellen sich noch elf weitere Mitarbeiter (Bauhof, Schule, Forst und Teilzeitkräfte). Bei insgesamt 37 Personen hört die Zählerei auf.

Für Verwaltungschef Manfred Eis ist das im Prinzip kein Problem, auch wenn der Bürgermeister der kleinsten Gemeinde in der Städteregion einräumt, dass es „manchmal ganz schön stramm ist”, wenn nämlich ein oder gleich mehrere Langzeitkranke kompensiert werden müssen. Zwar könne man sich dann mit Zeitarbeitskräften über manche Hürde retten, aber „eine Reservebank wie die von Bayern München steht mir nicht zur Verfügung”.

Welche Aufgaben den acht Beamten und 18 Angestellten im Rathaus zugewiesen sind, ist in einem Verteilungsplan klar geregelt. Die Größe des Teams hat sich, so Manfred Eis, im Laufe der Jahre eingespielt. „Das fällt nicht so vom Himmel.” Und obwohl seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen meistens „am Limit” arbeiten, ist der Bürgermeister mit der Situation nicht unzufrieden.

In den Rathäusern von Monschau und Simmerath seien die Aufgabenstellungen zwar die gleichen, ist Manfred Eis sicher, allerdings zählten beide Kommunen deutlich mehr Einwohner als das kleine Roetgen, das bedeute höhere Fallzahlen in den einzelnen Bereichen und von daher sei auch das Personal in den Rathäusern deutlich größer. Wenn Roetgens Bevölkerungszahl in Richtung 10.000 oder 12.000 explodieren würden, dann, so Eis, wäre der Zeitpunkt gekommen, sich über mehr Personal zu unterhalten.

Probleme vielschichtig

Neidisch auf die Stadt Aachen mit ihren rund 4000 Mitarbeitern ist Manfred Eis nicht. Ein wenig neidisch ist er höchstens auf die finanziellen Möglichkeiten anderer und größerer Kommunen. Die Besoldung der Beschäftigten richtet sich, so will es das Land, nach der Bevölkerungszahl. Und da muss Roegen mit seinen rund 8500 Einwohnern relativ kleine Brötchen backen. Der Verwaltungschef hält es für „problematisch”, die Höhe der Besoldung nur an der Einwohnerzahl festzumachen.

Gerade in Roetgen mit seiner Nähe zur Großstadt Aachen und seiner deshalb „stark durchmischten” Bevölkerung seien die Probleme weitaus vielschichtiger als anderswo. „Wenn jemand aussscheidet, ist es außerdem nicht einfach, guten Ersatz zu finden, weil gute Leute in anderen Kommunen oder Institutionen deutlich mehr verdienen können”, beschreibt der Bürgermeister die tagtägliche Praxis.

So ist die Gemeinde denn dazu übergegangen, selbst auszubilden. Doch auch in diesem Bereich gibt es bisweilen Aderlass. „Da haben wir jemanden drei Jahre ausgebildet, in der Zeit nicht viel von ihm gehabt, sind glücklich, einen fähigen jungen Mann oder eine fähige junge Frau an Bord zu haben. Dann kommt jemand von außerhalb, bietet zum Einstieg zwei Besoldungsgruppen mehr. Da können wird nicht mitbieten.”

Klinken geputzt

Im Gegenteil: Als unlängst die Beförderung einer Nachwuchskraft in eine höhere Besoldungsgruppe anstand, die Rede ist von 200 Euro brutto im Monat, da wurde die Gemeinde Roetgen mit dem Verweis auf den Nothaushalt bei der Unteren und Oberen Kommunalaufsicht abgewiesen. Der Verwaltungschef musste zum Klinkenputzen ins Innenministerium nach Düsseldorf fahren, um diese Personalie genehmigt zu bekommen.

Manfred Eis: „So etwas kann eigentlich nicht sein, denn wir müssen in der Lage bleiben, unsere Aufgaben wahrzunehmen, und wir müssen den Nachwuchs fördern. denn in absehbarer Zeit scheiden einige Mitarbeiter nach Erreichen der Altersgrenze aus. Es muss schließlich weiter gehen.” Sorge, dass die Gemeindeverwaltung aus Personalnot irgendwann einmal irgenswelche Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, hat der Verwaltungschef indes nicht.

Damit der Laden läuft, klinkt sich der Bürgermeister bisweilen selber in die „Produktion” seiner Mitarbeiter ein, ist Sachbearbeiter, der personifizierte Rechnungsprüfungsausschuss oder auch Kontrolleur auf der Straße. Dann streift Manfred Eis nämlich seine neongelbe Jacke mit der Aufschrift „Ordnungsamt” über und kontrolliert mit dem Mitarbeiter des Fachamtes und bisweilen mit der Polizei am Ravel-Radweg, am Eifelsteig oder zu Karneval vor und in den Zelten.

Auch bei einem Ölunfall war er die ganze Nacht mit draußen. „Da konnte ich den Mitarbeiter nicht alleine mit draußen lassen. Da gehörte ich auch hin!”

So ist der Roetgener Bürgermeister denn auch zufrieden, dass seine kleine Truppe den Wandel von einer vormals fast auschließlich hoheitlichen Verwaltung zu einem öffentlichen Dienstleister vollzogen hat, und das mit einem Anteil von 17 Prozent Personalkosten am Gesamtetat. Manfred Eis: „Das ist ziemlich wenig. Ich glaube, da kommen andere nicht so günstig weg.”
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