Missbrauchs-Urteil sorgt in Eicherscheid für Unruhe

Von: Ernst Schneiders
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Eicherscheid. Unruhe macht sich im Ort breit. Viele Menschen sind aufgeschreckt und in großer Sorge um ihre Kinder, besonders um ihre Töchter.

Die Sorge herrscht, seitdem das Amtsgericht in Gemünd am Mittwoch den 70-jährigen Hans-Joachim H. aus Eicherscheid wegen sexuellen Missbrauchs und eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz zu insgesamt drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt hat. Der wegen Kinderschändung in sieben Fällen Verurteilte befindet sich allerdings weiterhin auf freiem Fuß. Genau das stört viele Menschen und ist mit ihrem Empfinden nicht vereinbar. In Eicherscheid wächst die Unruhe, die die Menschen in Heinsberg-Randerath, die seit Monaten mit dem verurteilten Sexualstraftäter Karl D. in einem Ort leben, kennen.

Eltern aus Eicherscheid haben Angst, dass sich der 70-Jährige bis zu seinem Haftantritt einem ihrer Kinder nähern könnte. Trotz dieser Ängste sieht die Justiz keine Möglichkeit, den Mann sofort in Untersuchungshaft zu nehmen. „Die Freiheit eines Menschen ist ein sehr hohes Rechtsgut”, betonte Reinhard Schaffer, Direktor des Amtsgerichts Schleiden, gegenüber unserer Zeitung. Um jemandem diese Freiheit entziehen zu können, seien „hohe juristische Hürden” zu überwinden.

Beispielsweise müsse Flucht- oder Verdunkelungsgefahr bestehen. Schaffer: „Bisher ist das Gericht nicht zu dem Schluss gekommen, dass es hinreichend Gründe gibt, den Verurteilten in Untersuchungshaft zu nehmen.” Selbst die möglichen Ängste von Eltern seien juristisch nicht für eine sofortige Haftanordnung ausreichend, wobei Reinhard Schaffer einräumt, dass man natürlich in einem Fall wie diesem rasch zu der Ansicht kommen könne, dass der Verurteilte „sofort weggesperrt gehört”. Demnächst werde Hans-Joachim H. ein Termin mitgeteilt, an dem er seine Haftstrafe anzutreten habe.

Beim Jugendamt angezeigt

Auch wenn sich der 70-Jährige noch auf freiem Fuß befindet, so steht er ab sofort unter Beobachtung - nicht nur in der Dorfgemeinschaft. Noch am Tag der Urteilsverkündung ist der Vater dreier minderjähriger Kinder von einer Privatperson beim für die Gemeinde Simmerath zuständigen Jugendamt der Städteregion angezeigt worden.

Wie Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion, auf Anfrage erklärte, habe die Behörde noch am selben Tag beim Amtsgericht in Gemünd Urteil und Urteilsbegründung angefordert. Sobald diese Unterlagen eingetroffen seien, werde man im Jugendamt die Köpfe zusammenstecken und das weitere Vorgehen beraten. Funken: „Normalerweise beginnt das mit einer Kontaktaufnahme zur Familie und einem Hausbesuch von Mitarbeitern der Behörde.”

Nicht „dran” ist derzeit die Polizei. Um dort tätig zu werden, beispielsweise zu observieren, bedürfe es einer gerichtlichen Anordnung. Allerdings, so Polizeisprecherin Sandra Schmitz, sollte sich niemand scheuen, die Polizei einzuschalten, wenn ihm etwas nicht geheuer erscheine, er sich oder seine Kinder bedroht fühle.

Hauptverhandlung gegen Paul H. im Mai

Die Hauptverhandlung gegen den FDP-Fraktionsvorsitzenden und FDP-Bürgermeisterkandidaten in Monschau, Paul H., soll nach Auskunft eines Gerichtssprechers im Mai vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Aachen stattfinden. Ein genaues Datum steht allerdings noch nicht fest.

Paul H. wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, zwischen 2005 und 2009 die minderjährige Tochter seiner Lebensgefährtin „in einer Vielzahl von Fällen sexuell missbraucht” zu haben. Paul H. bestreitet das.

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