Simmerath - Mietwohnungen noch in der Warteschleife

Downsizing Matt Damon Kino Freisteller

Mietwohnungen noch in der Warteschleife

Von: hes
Letzte Aktualisierung:
6386823.jpg
Zimmer mit Aussicht: Wo jetzt noch Wildwuchs herrscht, sollen Einzelhandelsgeschäfte mit darüber liegenden Mietwohnungen entstehen, die einen attraktiven Blick auf das Simmerather Umland gewähren. Auch die „Pension Christine“ (am Bildrand rechts) wird für das neue Projekt dem Erdboden gleichgemacht. Foto: Heiner Schepp
6386819.jpg
Investor und Projektentwickler sind schon fleißig bei der Vermarktung der Mietwohnungen an der Matthias-Zimmermann-Straße, die aber bislang noch gar nicht dingfest sind. Foto: Heiner Schepp

Simmerath. „Hier entstehen in Kürze attraktive Mietwohnungen!“ prangt auf dem großen Transparent an einer Hecke an der Matthias-Zimmermann-Straße in Simmerath. Ein paar Meter weiter hat auch die Baufirma, die das Wohnhaus auf dem dahinter liegenden Grundstück abreißen und das Gelände vorbereiten soll, schon mal vorsorglich ihren Schriftzug aufgehängt.

Schon einmal diskutiert

Noch aber tut sich nichts auf dem brach liegenden Grundstück zwischen Textildiscounter und Bastelstübchen – und wenn es nach dem Willen der meisten Nachbarn geht, sollte zumindest die erste Botschaft auch wieder abgehängt werden. Neues Einzelhandels-Gewerbe, das der Investor und Grundstücksbesitzer hier ansiedeln möchte, ist nicht der Stein des Anstoßes für die benachbarten Betriebe. Sehr wohl aber die Mietwohnungen, die der Projektentwickler hier geplant hat, bereits bewirbt und durchsetzen will.

Die dafür notwendige Änderung der Ausweisung von Gewerbegebiet in Mischgebiet hatte der Simmerather Planungsausschuss nun erneut auf der Tagesordnung. Vor gut einem Monat hatte der gleiche Ausschuss das Thema schon einmal auf dem Tisch gehabt und damals über die von Behörden und betroffenen Bürgern vorgebrachten Bedenken beraten. Besonders die Einwände der Nachbarn waren nicht unerheblich. Sie fürchten, dass es Konflikte geben könnte, wenn die hier einziehenden Mieter sich durch Lärm oder Gerüche, insbesondere der produzierenden Betriebe, gestört fühlen. Auch wurde die Befürchtung geäußert, Mietwohnungen könnten ein Hinderungsgrund für Betriebserweiterungen oder -änderungen sein.

Die Politik stellte die Bebauungsplanänderung deshalb am 10. September zurück und beauftragte die Verwaltung, ein Gespräch mit allen Beteiligten, also Nachbarn und Bauherr, zu führen, um festzustellen, ob die Nachbarn Bereitschaft erklären, sich auf den heutigen Bestand und derzeit absehbare und zulässige Erweiterungen beschränken zu lassen.

Die Antwort seitens des Bauherrn auf diese Einladung war schroff: Man werde sich weder personell, noch finanziell an irgendwelchen Gesprächen beteiligen, ließ der Bauherr über seinen Projektentwickler mitteilen. Als Begründung für die Absage hatte man ein dreiseitiges Schreiben der „Interessengemeinschaft für die Förderung der Weiterentwicklung von Simmerath“ beigefügt , darin den „Notstand“ an Mietwohnungen in der Gemeinde Simmerath, insbesondere im Zentralbereich, ausführlich aufgezeigt und als Fazit in drei Punkten festgestellt:

„1. Es gibt, gutachterlich festgestellt, keine Beeinträchtigung der Entwicklung von Betrieben im Umfeld des geplanten Bauvorhabens. 2. Wir brauchen dringend Mietwohnungen in Simmerath. 3. Der Standort ist für eine ‚Verdichtung‘, also für eine Mischung von Wohnen und Arbeiten, sehr gut geeignet.“

Vor allem dieses Geschäftsgebaren stieß nun im Planungsausschuss den Vertretern aller Fraktionen bitter auf. „Das ist mindestens schlechter Stil“, sagte Klaus Stockschlaeder, und Manfred Sawallich (SPD) mahnte, man dürfe sich als Gemeinde nicht unter Druck setzen lassen: „So ein Spiel sollte hier nicht Einzug halten. Das ist immer noch unsere Entscheidung, und da sollten wir gegebenenfalls mal ein deutliches Zeichen setzen“, sagte der Sozialdemokrat.

Für gemischte Gefühle hatte das Mischgebiet auch bei der CDU gesorgt. Man habe, so Sprecher Bruno Löhrer, „sehr, sehr lange“ über dieses Thema in der Fraktion diskutiert – ohne zu einem Ergebnis gekommen zu sein. Es gehe darum, eine größere und sicher erfreuliche private Investition rechtssicher zu machen, aber auch darum, mehrere kleine Betriebe zu sichern. „Die Firmen haben unser Wort, ihren Betrieb dauerhaft ausüben und gegebenenfalls erweitern zu können. Andererseits ist es eine Entwicklung, die überall zu sehen ist, nämlich dass Wohnbebauung auch in Gewerbegebiete drängt.“

Er verstehe die Stellungnahmen der verunsicherten Gewerbetreibenden, doch wolle man andererseits „den Weg zu neuer Wohnbebauung gerne mitgehen“, bewertete Löhrer für die Union das Vorhaben „tendenziell positiv“. Er mahnte aber auch in Richtung Investor, dass „noch einiges an Geld, Zeit und Gesprächen notwendig ist, ehe wir dem Plan zustimmen können“.

Zusätzliche Kosten

Auf Antrag der CDU wurde schließlich wieder kein Beschluss gefasst, sondern die Verwaltung abermals beauftragt, das Gespräch mit dem Investor zu suchen und ihn dabei auch auf die Risiken und zusätzlichen Kosten, beispielsweise für weitere Gutachten, hinzuweisen. Dieser Beschlussvorschlag wurde von allen Fraktionen gebilligt, und Manfred Sawallich machte abschließend unmissverständlich deutlich: „Der Investor muss sich bewegen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert