AN App

„Mein Kampf“ sorgt auch in der Eifel für Diskussionsstoff

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
11591012.jpg
Auch nach 70 Jahren immer noch ein kontroverses Thema: Hitlers Propagandaschrift „Mein Kampf“. Foto: stock/Schöning

Nordeifel. Eigentlich könnte es seit dem vergangenen Freitag in den Regalen der Buchhandlungen der Nordeifel stehen. Bisher ist das jedoch reine Theorie. Es geht um Adolf Hitlers Propagandaschrift „Mein Kampf“, die, 70 Jahre nach dem Tod des Diktators, nun wieder frei verkäuflich ist.

Wie die Bibliotheken und Buchhandlungen in der Nordeifel dieser Entwicklung gegenüberstehen? Unterschiedlich. Nicht jeder möchte auf Nachfrage unserer Zeitung darüber sprechen. Anders ist es bei Rita Plum. Sie leitet die Gemeindebücherei in Simmerath und meint: „Das Jahr ist noch jung und der Etat noch weit. Insofern habe ich noch ein wenig Zeit zu überlegen, wann ich die Neuauflage zum stolzen, aber sicher angemessenen Preis von 59 Euro kaufe.“

Dass die Propagandaschrift für die Simmerather zur Verfügung stehen wird, steht für sie außer Frage. „Wir sind eine Einrichtung, die Dinge mit Diskussionsbedarf zur Verfügung stellt. Wenn der Etat es zulässt, dann sollten wir es auch kaufen“, macht sie klar.

Zwölf Millionen Mal wurde die Originalfassung des Werks bis 1945 gedruckt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Neuauflagen dann verboten. Das hat sich nun geändert. Der Grund: 70 Jahre nach dem Tod des Diktators laufen die Urheberrechte der Propagandaschrift aus. Eine kommentierte Fassung wurde daraufhin vom Institut für Zeitgeschichte in München herausgegeben. In dieser werden kritische Passagen wissenschaftlich analysiert und erläutert.

Befürwortet wird der Verkauf auch vom Deutschen Lehrerverband. In einer Presseerklärung sagte Präsident Josef Kraus, dass „eine Behandlung von Auszügen daraus im Schulunterricht empfohlen“ werde. Auch der Zentralrat der Juden spricht sich auf seiner Internetseite dafür aus, das Buch im Unterricht zu verwenden. Dort heißt es: „Gegen eine wissenschaftlich kommentierte Ausgabe von „Mein Kampf“, die den Originaltext kritisch einordnet und der historisch-politischen Bildung dient, ist nicht einzuwenden.“

Claudia Küpper, Mitinhaberin der Buchhandlung Lesezeichen in Roetgen, ist da jedoch ganz anderer Meinung. „Wir werden es auf gar keinen Fall in den Bestand aufnehmen“, macht sie deutlich. Einige Anfragen haben sie und ihre Kollegen in der Vergangenheit bereits erreicht und sind auch bearbeitet worden. „Wir haben die grundsätzliche Devise, dass wir für unsere Kunden leidenschaftlich gerne Bücher besorgen. Es gibt aber eine Einschränkung und das sind Bücher mit eindeutig rechtsradikalem Inhalt“, sagt sie.

Zwar findet Küpper es gut, dass eine kommentierte Überarbeitung herausgebracht wurde, die sich kritisch mit dem Inhalt des Werkes auseinandersetzt, das ändert jedoch nichts an ihrer Einstellung. Aus Gründen der „Seelenhygiene“ komme das Buch nicht in ihren Laden, auch nicht als kommentierte Ausgabe. „Ich kann dieses Werk nicht in meiner Nähe sehen.

Es verursacht bei mir körperliche Übelkeit. Ab jetzt wird es die Schwelle zu unserem Laden nicht mehr überschreiten“, findet sie klare Worte. Wer sich für die Propagandaschrift interessiert, muss definitiv mit langen Lieferfristen rechnen. So sorgt das Werk auch 70 Jahre nach dem Tod seines Verfassers noch für Aufsehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.