Mediziner bestätigt Statistik: „Komasäufer” werden immer jünger

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
alki_bu
Szenen, die immer häufiger zu beobachten sind: Sanitäter transportieren eine jugendliche „Alkoholleiche” zur Intensivstation ins Krankenhaus. Foto: dpa

Nordeifel. Nicht erst nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundessamtes in Wiesbaden herrscht vielerorts Alarmstimmung: Der Alkoholmissbrauch steigt rapide an. Der Anstieg bei den 70- bis 85-Jährigen ist drastisch. Mehr noch gibt aber die stetig steigende Zahl jugendlicher „Komasäufer” Anlass zur Sorge.

„Trinken bis der Arzt kommt” ist für immer mehr junge Leute ein Ventil, und die „Alkoholleichen” werden immer jünger. Die Fallzahlen haben sich seit dem Jahr 2000 verdreifacht.

Davon weiß auch Dr. Guido Schneiders, Leiter der Zentralambulanz am Simmerather St.-Brigida-Krankenhaus, ein Lied zu singen. Obwohl der Mediziner keine konkreten Zahlen zur Hand hat, ist seine Einschätzung dennoch eindeutig: In den letzten zwei bis drei Jahren war beim Alkoholmissbrauch ein deutlicher Anstieg zu registrieren, Tendenz steigend.

„Ich beobachte das in Simmerath jetzt seit 20 Jahren. Die Patienten, die im Vollrausch auf unserer Intensivstation landen, werden immer jünger. Früher waren es die 16- bis 17-Jährigen, heute sind die Patienten 14 Jahre alt und noch nicht einmal in der Pubertät.”

Waren es früher vornehmlich Jungen, die sich und anderen beweisen wollten, wieviel Alkohol in sie hineinpasst, so sind es jetzt zunehmend Mädchen, die sich mit Hochprozentigem „die Kante geben”.

Dabei, so Dr. Schneiders, steigt die Zahl der Volltrunkenen nicht nur in der Karnevalszeit oder nach Beatbällen an. Es gibt also keine saisonale Häufung. Zumeist, so der Mediziner, werden die jungen Leute nach privaten Feiern eingeliefert, auf denen der Fusel in Strömen fließt und die Kontrollmechanismen der Öffentlichkeit nicht greifen.

Dr. Schneiders: „Grundsätzlich müssen wir uns alle an die eigenen Nasen packen und überlegen, wie wir es mit dem Alkoholkonsum halten und was wir unseren Kindern damit vorleben, denn wir sind schließlich alle Eltern.”

Wer einmal auf der Intensivstation des St. Brigida-Krankenhauses gelandet ist, der erhält Informationen, wohin er sich mit seinem Suchtproblem wenden kann. Das vielleicht größte Hindernis: Viele Eltern erkennen die Sucht ihres Kindes nicht oder wollen sie nicht erkennen - weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert