Maut einst und jetzt: Zwei Pfennige Chausseegeld für den Esel

Von: Günter Krings
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Ein viel diskutiertes Thema: die Maut. Foto: dpa

Nordeifel. Es ist und bleibt ein brisantes Thema: die Maut. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann forderte zuletzt von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Maut eine Ausnahmeregelung für Landkreise, die direkt an der Grenze zu einem anderen Staat liegen – häufig zu finden in der Eifel.

CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer hingegen reagierte verärgert. Die Kritik wird lauter, die Maut-Pläne erhitzen die Gemüter. Doch vielleicht hat das sogar historische Gründe. Denn es gibt Menschen, die sich noch an die alten Mautstellen erinnern, bei denen man mehrere Pfennige zu zahlen hatte, wenn man eine Straße entlang fahren wollte. Doch zunächst ganz von vorne.

In einer Gesprächsrunde mit einem 92-jährigen Mann aus Konzen kam auch das Gespräch auf alte Kneipen auf den Tisch. Eines dieser Gasthäuser stand am Eingang des Dorfes Konzen, wenn man vom Gericht aus zum Bahnhof Konzen oder nach Aachen wollte.

Diese Kneipe hieß damals „A Jaaße“, wohl in Anlehnung an das Wort Blumgasse. Die letzte Betreiberin des Lokals, bevor es an Joseph Legros verkauft wurde, war Jaaße Leen. Unter diesem Namen war die wohl etwas urige Dame in Konzen bekannt, aber der 92-jährige Mann kannte auch noch einen anderen Namen für diese Frau: Paree‘s Leen. Auf die Frage, was denn nun dieser Name bedeutet, wurde geantwortet: „A Jaaße mott mr Pareé bezalle“, das heißt: Hier war eine Mautstelle und alle Fuhrwerke, die dort vorbeifuhren, mussten fünf Pfennige Maut bezahlen, die „Jaaße Leen“ kassierte gegen Quittung.

Nun ist es heutzutage etwas schwierig, die Herkunft dieses französisch klingenden Wortes zu deuten. Eine Möglichkeit, könnte nach Willi Freuding, ehemaliger Französisch-Lehrer, „pareil a jour“ sein, was so viel wie „sofort“ bedeutet.

Nun war nicht nur diese Straße in unserer Region mautpflichtig, denn Straßenbau und Straßenunterhaltung kostete auch in früheren Zeiten Geld. Chausseegeld wurde diese Gebühr benannt. Gut dokumentiert ist diese Geldeinnahmequelle in den Gemeinderatsprotokollen von Kalterherberg, die Kurt Mertens 1990 veröffentlich hat. In diesen Dokumenten geht es vor allem um neu die gebaute Straße von Mützenich nach Kalterherberg.

Am 27.12.1869 genehmigte die preußische Regierung in Berlin, dass die Gemeinden Mützenich und Kalterherberg auf der Kommunalstraße einmeilige Gebühren fordern konnten. Zum Fortschaffen von Personen auf Kutschen, Kaleschen und Cabriolets wurde für jedes Zugtier einen Silbergroschen (Sgr) erhoben für eine preußische Meile, das sind circa 7,5 Kilometer. Die gleiche Gebühr wurde erhoben, wenn Lasten auf dieser Straße mit Pferden oder Ochsen befördert wurden.

Bei unbeladenen Frachtwegen wurden acht Pfennige Gebühr pro Zugtier erhoben. Wurden unangespannte Pferde oder Maultiere, mit oder ohne Reiter, über die Straße geführt, waren vier Pfennige Maut fällig, bei jedem Stück Rindvieh oder Esel waren zwei Pfennige fällig. Jeder musste an der Hebestelle anhalten und Chausseegeld für die ganze Strecke bezahlen.

Wer eine Hebestelle umfuhr, um die Maut zu umgehen und erwischt wurde, musste den vierfachen Betrag entrichten. An der Hebestelle in Kalterherberg am Hause der Witwe Lambert Thoma wurde im März 1870 eine Barriere errichtet, damit niemand ohne zu zahlen die Hebestelle passieren konnte. Die Hebestellen wurden an Privatpersonen verpachtet. So erhielt am 13.11.1879 der Mützenicher Hermann Joseph Heinen den Zuschlag für 215 Mark. Am 9. Mai 1911 wurde die Barriere an der Straße Mützenich-Kalterherberg zum letzten Mal für drei Jahre verpachtet. Den Zuschlag erhielt Hermann Josef Jansen aus Mützenich für 30 Mark. In ähnlicher Weise wird auch „Jaaße Leen“ (Helena Schmitz) an der Blumgasse die Hebestelle gepachtet haben.

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