Radarfallen Blitzen Freisteller

Margit Beissel-Maschke leitet Helena-Stollenwerk-Haus

Von: MP
Letzte Aktualisierung:
maschke-bu
Margit Beissel-Maschke: „Ganz Ohr” für die Belange des Wohnhauses für Menschen mit Behinderung. Foto: Marion Peters

Simmerath. Das Helena-Stollenwerk-Haus, benannt nach der in Rollesbroich geborenen Gründerin des Ordens „Steyler Missionsschwestern”, ist ein Außenhaus des Vinzenz-Heimes in Aachen, eines von insgesamt 16 Einrichtungen der Josefs-Gesellschaft GmbH. Es bietet 24 Männern und Frauen mit Behinderung auf zwei Etagen geräumige Einzelzimmer.

Gefördert und begleitet werden sie von 32 pädagogischen und pflegerischen Fachkräften, Pflegehelfern und Hauswirtschaftskräften. Ein individueller Hilfeplan bildet dabei die Grundlage der Betreuung.

Neben einem organisierten Wochenplan mit musikalischen und sportlichen Angeboten, finden z.B. Discobesuche, Filmabende sowie Feste im Laufe des Jahres statt. Aktionswochen im August mit Ausflügen und Zoobesuchen oder auch ein Kräutergartenprojekt bieten weitere Abwechslungen.

Geleitet wird die Wohnstätte von Margit Beissel-Maschke, die bereits im 33. Jahr für Menschen mit Behinderung arbeitet. Nach Beendigung ihrer Schulzeit absolvierte sie ein soziales Jahr in einem Altenheim und arbeitete dort in der Verwaltung.

Ursprünglich wollte sie Betriebswirtschaft studieren. „Meine mathematischen Fähigkeiten waren dafür aber nicht gut genug. So habe ich mich in Richtung Geisteswissenschaften und Soziales orientiert”, gibt die Leiterin zu. Deshalb studierte sie anschließend an der Katholischen Fachhochschule in Aachen Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung.

Vorher keine Berührungspunkte

Ihr Anerkennungsjahr fand dann im Vinzenz-Heim in Aachen statt. „Der Umgang mit Menschen mit Behinderung hatte mir richtig Spaß gemacht, vorher hatte ich keine Berührungspunkte mit der Rehabilitationsarbeit,” erinnert sich Margit Beissel-Maschke, so dass sie im Anschluss daran viele Jahre in einer Wohngruppe des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung tätig war.

Nach der Geburt ihrer Tochter widmete sie sich beim gleichen Träger im Rahmen des Sozialdienstes der Ausbildung, Betreuung und Begleitung von Praktikanten. Danach wurde sie Abteilungsleiterin für das Wohnen von erwachsenen Menschen mit Behinderung, seit sieben Jahren nun leitet und organisiert sie das in der Eifel sehr bekannte Helena-Stollenwerk-Haus (seit vier Jahren außerdem das Heinrich-Sommer-Haus in Aachen-Brand).

Ihre Berufswahl hat die erfahrene Sozialpädagogin bis heute nicht bereut. „Ich habe viel Glück gehabt, konnte vieles machen, entwickeln und verschiedene Aspekte der Rehabilitation erfahren”, schwärmt sie mit wiederholtem Kopfnicken. Wäre der Berufsalltag nicht so abwechslungsreich gewesen, hätte sie in einen anderen Bereich der sozialen Arbeit gewechselt.

Die Kontinuität in der Betreuung von Menschen mit Behinderung ist für die Leiterin des Wohnhauses sehr wichtig. „Menschen mit Behinderung, die einen geschützten Rahmen benötigen, sollen hier ein wirkliches Zuhause finden. Sie sollen sagen können „Hier wohne ich”, verdeutlicht sie. Hierbei sei auch die Weiterentwicklung des Mitarbeiterpotenzials und deren Fortbildung gefragt, die ihre Arbeit täglich neu erfahren und erleben können.

Im Wohnhaus leben sowohl geistig- als auch körperbehinderte Menschen. Alle arbeiten in einer Werkstatt für Behinderte in Imgenbroich. „Ein Schüler der Förderschule Eicherscheid macht sogar ein Praktikum in unserem Haus”, freut sich die Leiterin, und dabei strahlt sie sogar ein bisschen und vermittelt damit, dass die Integration von Menschen mit Behinderung auch eine Integration auf dem Arbeitsmarkt bedeutet.



Unterstützung anderer Art erhält das Wohnhaus zudem durch Spendenaktionen, hierbei erwähnt die Abteilungsleiterin anerkennend den Karnevalsverein Rollesbroich, der kürzlich eine größere Geldsumme übergab.

Begeistert erzählt sie in diesem Zusammenhang ebenso von einer Dame, die sich zu ihrem Geburtstag anstelle von Geschenken, Geld schenken ließ, welches sie dann später dem Wohnhaus überreicht hat. „Und das, obwohl sie gar keinen direkten Kontakt zu Menschen mit Behinderungen pflegt”, lobt Beissel-Maschke.

Rollstuhralley

Ein Wunsch der Dipl. Sozialpädagogin ist, dass irgendwann einmal Kontakte, Berührungen und Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung Normalität erlangen werden. Um dies zu fördern, findet einmal jährlich im Rahmen des Wirtschaftstages in Imgenbroich eine Rollstuhlralley statt, zu der Bürger ohne Behinderung eingeladen und aufgefordert werden, „sich einfach mal in einen Rollstuhl zu setzen”, um das Leben von Menschen mit Behinderungen zumindestens im Ansatz erfahren zu können.

Wichtig im Umgang sei vor allem, den Menschen mit Behinderung unbedingt zu fragen, ob er Hilfe benötige und diese wünsche und nicht einfach unaufgefordert zu handeln, erklärt Beissel-Maschke. Sie ist den Bewohnern nicht nur Leiterin, sondern auch Vertraute. Wie eine Freundin begrüßt sie zwischenzeitig, den im Rollstuhl vorbeifahrenden und am längsten im Wohnhaus lebenden Peter L., der auf gleiche Weise zurück winkt.

Man bemerkt die Zuneigung und auch die Bewunderung der Dipl. Sozialpädagogin hinsichtlich des natürlichen Verhaltens von Menschen mit Behinderung. „Menschen mit Behinderung kennen weniger Hemmschwellen als wir, die lügen nicht, sagen, wenn ihnen eine Sache stinkt. Menschen mit Behinderung sind klar in ihren Aussagen!”

In ihrer Freizeit beschäftigt sich die Heimleiterin als Ausgleich zu ihrer verantwortungsvollen und engagierten Arbeit mit Sport und Lesen. „lch brauche auch meinen Urlaub, da muss ich etwas ganz anderes machen, deshalb verreise ich auch immer”, betont sie.

Sicherlich um Kraft zu tanken, um dann wieder ganz da, ganz nah sein zu können, um dafür Sorge zu tragen, dass es den Bewohnern richtig gut geht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert