Roetgen - Machete und Baseballschläger statt Camping-Idylle

Machete und Baseballschläger statt Camping-Idylle

Von: Julia Bäumler
Letzte Aktualisierung:
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Wenig idyllisch hatte sich der 68-jährige Camper hinter seinem Jägerzaun eingerichtet. Auch Platzpächterin Dorothea Strupat ist entsetzt über das Ausmaß der Vermüllung. Foto: Julia Bäumler

Roetgen. Aus und vorbei war es plötzlich mit Ruhe, Idylle und Harmonie auf dem Campingplatz. Statt gemeinsamen Grillen und Kartenspielen vor dem Wohnwagen gab es links eine Machete und rechts einen Baseballschläger. Genauso beschreibt Platzpächterin Dorothea Strupat einen Camper auf ihrem Platz, der am Mittwochabend wohl die Nerven verlor.

Schon länger befanden sich Dorothea Strupat und ihr Mann Dietmar mit dem Gast darüber im Konflikt, dass dieser den Platz an der Roetgener Faulenbruchstraße trotz Kündigung nicht verlassen hatte. Auch Miete, Strom und Wasser seien seit längerer Zeit nicht bezahlt worden, berichtet die Pächterin. Nach Angaben der Polizei fuhr der 68-jährige Camper am Mittwochabend auf dem Gelände mit dem Auto herum und filmte willkürlich seine Mitmenschen, jedoch ohne deren Einwilligung.

Die Pächterin sprach ihn darauf an, er schenkte dem jedoch keine Beachtung. Als Pächterin Dorothea Strupat dann versuchte, durch das geöffnete Fenster die Kamera zu erlangen, erfuhr sie schnell die Konsequenzen: Der 68-Jährige biss ihr in die Hand.

Als die per Notruf alarmierte Polizei eintraf, wurde der Störenfried schon von anderen Campern auf dem Platz festgehalten. Zuvor war es allerdings zur Sache gegangen. Nachdem der 68-Jährige wieder in seinem Wohnwagen verschwunden war, kam er plötzlich mit einer Machete in der rechten Hand und einem Baseballschläger in der linken Hand heraus. Platzpächter Dietmar Strupat sei dann auf den aggressiven Platzbewohner zugegangen und habe noch gerade ein Stück Holz zu seiner Verteidigung ergreifen können. Wie ein Fechtkampf habe das Ganze ausgesehen, erinnert sich Dorothea Strupat. Irgendwann gelang es dann ihrem Mann gemeinsam mit ihrem Schwager, den Camper zu packen.

Nach der Polizei erschienen auch noch das Ordnungsamt und ein Arzt. Diese kamen überein, dass der Mann in psychiatrische Behandlung müsse. Wegen einer Platzwunde am Kopf kam er zunächst ins Krankenhaus. Den Wohnwagen fuhr der Sohn der Pächterin mit seinem Traktor vor den Campingplatz auf die Straße. Dort steht er nun.

Freunde habe er nicht gehabt, erzählt Dorothea Strupat rückblickend. Seine einstigen Nachbarmieter hätten den Platz verlassen, weil sie es vor Gestank nicht mehr hätten aushalten können. Zurückgeblieben sind verlassene Vorzelte, in denen sich haufenweise Lebensmittel, Kleidung und Müll stapeln. „Das ist abartig und widerlich“, zeigt sich die Platzpächterin bedrückt.

2007 seien der 68-Jährige und seine Lebensgefährtin, die in einem Altenheim in der Region tätig sei, auf den Platz gekommen. Immer wieder habe es geheißen, man sei auf Wohnungssuche. Schon seit 2010 habe die Vermüllung begonnen, und im Oktober 2012 sei ihm dann nach mehrfacher Aufforderung, den Platz zu verlassen, die schriftliche Kündigung eingereicht worden. Diese ließ er unbeachtet, bezahlte nicht und blieb weiter Dauercamper.

Unter den Campern war er als Störenfried bekannt. Josef Kell aus Stolberg ist gemeinsam mit seiner Frau Hubertina Besitzer des Nachbarwohnwagens, und auch sie haben keine positiven Erinnerungen an ihren Nachbarn. „Wir wollen uns hier erholen und unseren Ruhestand genießen. Aber wenn dann so etwas passiert, dann ist es mit dem Genießen vorbei“, berichtet Josef Kell und zeigt dabei auf das Nachbargrundstück. Der vergangene Abend liegt ihnen noch schwer im Magen, denn Hubertina Kell weiß: „Das möchte ich nicht noch mal erleben.“

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