Lichtmess: Vor 110 Jahren für Mägde und Knechte ein wichtiges Datum

Von: dm
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Schon der Name drückt aus, dass am kirchlichen Festtag Mariä Lichtmess das Licht eine wichtige Rolle spielt. Auch die Tage werden jetzt langsam wieder länger. Besonders eindrucksvoll ist die Stimmung in Wollseifen an der Kirchenruine St. Rochus. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Lehrlinge für das Handwerk sind nur schwerlich zu finden. Viele Eifeler verlassen ihre Heimat, um in Aachen oder in den großen Industriestädten Arbeit zu finden. „Besonders brennend” wird zunehmend die Dienstbotenfrage. Das war vor gut 110 Jahren.

Am 2. Februar feiert die katholische Kirche das Fest Mariä Lichtmess, das ist eines der ältesten Marienfeste der Kirche. Es wird 40 Tage nach Weihnachten gefeiert und hat seinen Grund in der Vorschrift des Alten Testamentes, dass Mütter nach der Geburt ihres ersten Kindes den Tempel besuchen sollen.

Im jüdischen Glauben galt eine Frau nach der Geburt als unrein, bei der Zeremonie im Tempel wurde sie wieder gereinigt. In früheren Jahren wurden in der Eifel die Frauen nach einer Geburt „ausgesegnet”. Erst dann durften sie wieder am öffentlichen Leben teilnehmen (das ist aber eine andere Geschichte).

Lichtmess galt als Ende der Weihnachtszeit, erst dann wurden die geschmückten Weihnachtsbäume und die Krippen abgebaut. An Mariä Lichtmess war traditionell das Bauernjahr zu Ende, die Dienstboten wurden ausbezahlt und wechselten häufig die Stellung. Somit galt der Tag auch als Beginn des neuen bäuerlichen Arbeitsjahres. Lichtmess war ein „Dingtag”, an dem Mägde und Knechte in den Dienst eines Bauern traten. Dies war auch hier zu Lande Brauch.

Probleme wegen Dienstboten

Doch vor gut 110 Jahren gab es erhebliche Probleme wegen der Dienstboten. Immer mehr Leute „treten eine weitere Reise an”, berichtete am 2. Februar 1901 das Montjoie„r Volksblatt. Der Bericht vermittelt ein Bild aus jenen Tagen vor fast 110 Jahren.

„Viele suchen sich eine Stelle in der Nähe von Aachen oder in größeren Industriestädten wie Solingen, wo sie schönes Geld verdienen, aber auch viel Geld verbrauchen und vielen Gefahren entgegen sehen.”

Die Folge des großen Pendlerstromes: In der Eifel wächst der Mangel an Dienstboten und Arbeitskräften. „Auch zum Handwerk greift höchst selten ein Junge, was aus der Tatsache hervorgeht, dass die Meister ihren Bedarf aus Anstalten decken müssen.”

„Ungeahnte Gefahren”

Besonders schwer ist es, wie in dem Beitrag beklagt wird, Viehhirten zu finden, denn: Kinder unter zwölf Jahren dürfen das Vieh nicht mehr hüten, und ältere Kinder können, „da sie jetzt meistens vormittags in die Schule gehen, nur sehr wenig dazu verwandt werden”.

Dies wiederum hatte zur Folge, dass die Löhne für Dienstboten „wirklich sehr gestiegen” sind.Ê 14- bis 15jährige Jungen oder Mädchen, die zuvor die Kühe gehütet hatten, erhielten dafür „neben freier Station 120 bis 150 Mark, Mägde und Knechte bekamen 200 bis 270 Mark mehr”.

Das Montjoier Volksblatt betont: Es sind dies Löhne, die dartun, dass die Dienstbotenfrage eine brennende wird.” Dann mahnt die Zeitung die Eltern, die heranwachsende Jugend doch „mehr in ihrer Nähe zu halten, denn es gibt auch hier gute Stellen”.

Der Autor des Beitrages nennt weiter „wichtige” Gründe: Die Eltern können „viele Unkosten” sparen und manchen „ungeahnten Gefahren” entziehen, und „was das wichtigste ist, die Eltern haben ihre Kinder unter Aufsicht”.
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