Leykaul: Bleibende Erinnerung an einen magischen Ort

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Schon seit Jahrzehnten existiert diese von Antonia Carl angelegte Gedenkstätte auf der Leykaul. An dieser Stelle soll das Nationalpark nun als neuer Besitzer eine Gedenkstätte errichten. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Eine geraume Zeit geht man von Hirschrott aus durch dichten Wald, dann geht es steil bergauf und plötzlich öffnet sich nach allen Seiten eine schier endlose Weite. Man ist auf der Leykaul angekommen.

Die landschaftlich herausragende Lage zwischen Waldrand und Dreiborner Hochfläche muss es wohl gewesen, die schon vor 400 Jahren eine so starke Faszination ausübte, dass sich hier Menschen ansiedelten. Es waren wohl nie mehr als eine Handvoll Bewohner, die auf der Leykaul, zwar nur knapp drei Kilometer von Dreiborn entfernt, aber dennoch weit weg von der Zivilisation, in enger Verbindung mit unberührter Natur lebten.

Daran änderte sich auch bis in die jüngste Zeit nichts, doch seitdem die letzten Bewohner der Leykaul verstorben sind, wird nun die Siedlung dem Erdboden gleich gemacht. Der Nationalpark Eifel bzw. das Land Nordrhein-Westfalen, hat nach und das gesamte Areal erworben. Der Bauernhof mit Wohnhaus ist bereits abgerissen worden; das gegenüberliegende Gästehaus mit dem Namen „Ponderosa” ist ebenfalls in den Besitz des Landes übergangen.

In der vorigen Woche erfolgte nun der letzte Schritt beim Eigentümerwechsel. Die offene Scheune, zwei Gartenhäuser und insgesamt sechs Hektar Land wurden ebenfalls dem Land NRW übertragen. Damit ist der Nationalpark jetzt alleiniger Besitzer der Leykaul.

Um nicht gewollter Fremdnutzung vorzubeugen oder auch Neugierige in diesem von Wanderern stark frequentierten Gebiet fernzuhalten, sollen die verbliebenen Gebäude nach und abgerissen werden. In einigen Jahren wird dann nichts mehr an die kleine Siedlung, die vor Einrichtung des Nationalparks im Jahr 2004 unmittelbar an der Grenze des Truppenübungsplatzes Vogelsang lag, erinnern - bis auf eine Ausnahme.

Die zuletzt veräußerte Fläche gehörte der Familie Jansen aus Rurberg, und diese hat im Vertrag mit dem Nationalpark darauf bestanden, dass eine Gedenkstätte errichtet werden soll, die an die letzten Bewohner der Leykaul erinnern soll. Einen Gestaltungsvorschlag für die Gedenkstätte, die an eine Wegekapelle erinnert, hat Rita Jansen, deren Sohn Jochen als Eigentümer eingetragen ist, bereits eingereicht.

Der Nationalpark stimmte dieser Verkaufsbedingung zu, und auch dem ausgewählten Platz für die Gedenkstätte. Dieser Platz ist vorbestimmt, denn eine kleine Gedenkstätte gibt es schön länger auf der Leykaul.

In eine Mauernische des Ursprungshauses auf der Leykaul, (von dem ehemals strohgedeckten Bauernhof stehen heute nur noch Rest der Grundmauern) befinden sich zwei Grabplatten; diese sind mit Blumen geschmückt und früher brannte ständig ein Licht. Dieser kleine Ort der Erinnerung wurde liebevoll gepflegt von den Schwestern Antonia und Maria Carl, geb. Dartenne, die gemeinsam mit Paul Sluzala die letzten Bewohner der Leykaul waren.

Paul Sluzala aus der Ukraine war Zwangsarbeiter im zweiten Weltkrieg und fand als 20-Jähriger nach 1945 auf der Leykaul eine neue Heimat. Als letzter Bewohner auf dem Hof verstarb er im Jahre 2008, Maria Carl starb bereits 1986, ihre Schwester Antonia im Jahr 1999.

Die kleine Gedenkstätte war in Erinnerung an den 1952 verstorbenen Vater Johann Hubert Dartenne errichtet und insbesondere von Antonia Carl gepflegt worden. Der Vater hatte im zweiten Weltkrieg einen schweren Bombenangriff auf das Haus, das vollkommen zerstört wurde, überlebt. Aus Dankbarkeit hatte sie den kleinen Platz der Erinnerung geschaffen.

Versprechen gegeben

Antonia Carl hatte dabei immer vom „Heiligtum” gesprochen, dass auch über ihren Tod hinaus erhalten bleiben müsse.

Jochen Jansen hatte ihr dieses Versprechen abgenommen. Der junge Mann aus Rurberg, der heute in Duisburg lebt, verbrachte praktisch seine Jugend auf der Leykaul, half auf dem Bauernhof, und gemeinsam mit den Eltern verbrachte man unvergessliche Tage im kleinen Wochenendhaus, das weder über Elektrizität noch über einen Wasseranschluss verfügte.

„Was braucht man mehr?” erinnert sich Rita Jansen. „Hier haben wir das einfach Leben genossen.” Auf der Leykaul war Natur pur, Hier blühten die Wildnarzissen ebenso wie große Obstgarten, Hirsche und Rehe mit Kitzen zeigten keine Scheu und kamen bis ans Haus.

Nicht nur das Rotwild hat sich nach der Umwandlung des Truppenübungsplatzes in Nationalparkfläche zurückgezogen. Die Einsamkeit des „magischen Ortes” ist der touristischen Betriebsamkeit gewichen, und bald werden nur noch eine Kapelle und die Bruchsteinreste von Grundmauern an menschliches Leben erinnern, das für alle, die daran teilhaben durften, von einer ganz besonderen Qualität war und durch die Gedenkstätte nicht in der Erinnerung verlöschen soll.

Ein Bauernhof wie aus alter Zeit

Der von den Schwestern Maria und Antonia Carl sowie von Paul Sluzala bewirtschaftete Bauernhof auf der Leykaul übte auf viele Menschen eine starke Anziehungskraft aus. Wie in früherer Zeit lebten hier die Menschen; die Butter wurde noch selbst gemacht; im Stall stand die zahme Hirschkuh „Heidi.” Der Hof besaß auch eine Ausschankgenehmigung, aber das war nicht allgemein bekannt. Der Sohn des früheren Bundeskanzlers Konrad Adenauer kehrte hier häufiger ein, ebenso wie DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun.

Zahlreiche Anekdoten ranken sich um die beiden Schwestern, deren Bauernschläue und deren Leben unter ungewöhnlichen Bedingungen. Das wäre genug Stoff für ein ganzes Buch, meint auch Rita Jansen aus Rurberg, die zahlreiche Dokumente gesammelt hat und die Leykaul und ihre letzten Bewohner vor dem Vergessen bewahren möchte.
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