Letzter Begleiter: Der Ambulante Hospizdienst

Von: Andreas Gabbert
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Da sein, zuhören, Hand halten
Da sein, zuhören, Hand halten und menschliche Wärme geben: Die Mitarbeiter des Ambulanten Hospizdienstes Monschauer Land begleiten Sterbende auf ihrem letzten Weg. Foto: imago/Gustavo Alabiso

Nordeifel. Wenn Alois Goffart zur Hilfe gerufen wird, dann liegt ein Mensch im Sterben. In diesen Momenten greift der Koordinator des Ambulanten Hospizdienstes Monschauer Land zu seiner Notfalltasche.

Darin befinden sich ein Liederbuch, ein Gebetbuch, ein Flächen Weihwasser, ein Märchenbuch und eine Mundharmonika. „Ich kann den Mensch nicht heilen, aber wenn ich ihm eine Stunde eine Oase vermitteln kann, dann hat die Wüste einen Augenblick lang geblüht”, sagt der 67-Jährige aus Simmerath.

Dabei können die Utensilien aus der Notfalltasche hilfreich sein, „denn mit Liedern und Geschichten verbindet jeder seine eigenen Erinnerungen, die beiden Personen bleiben außen vor”. Das mache die Situation leichter und sei oft der Anstoß für tiefe Gespräche, sagt Goffart.

Aber Worte sind nicht immer das Entscheidende, oft sind sie sogar fehl am Platz. Schweigen und ewig langes Zuhörenkönnen ist oft viel wichtiger. Das Nonverbale gewinnt in diesen Momenten eine enorme Bedeutung - wie bei Liebenden. Wenn Worte nicht mehr helfen können, reicht Goffart den Menschen seine Hand.

Der ehemalige Rektor der Simmerather Grundschule würde sich mehr Akzeptanz für die Arbeit des Hospizdienstes wünschen. Doch mit dem Sterben möchte niemand etwas zu tun haben. Es wird verdrängt. Es ist ein Tabuthema. „Es sterben immer nur die anderen”, sagt Goffart. Einen anderen Grund für die unzureichende Akzeptanz sieht er darin, dass die Helfer als Fremde von außen gesehen werden.

Für viele ist das eine Hemmschwelle. Außerdem empfänden es viele Menschen in dieser besonderen emotionalen Situation so, dass mit dem Hinzurufen des Hospizdienst der Tod endgültig besiegelt werde.

Fremd zu sein, könne gleichzeitig aber auch von Vorteil sein, sagt Goffart. „Weil man nicht in das Beziehungsgeflecht der Familie eingebunden ist, weil Dinge anders gesehen, Zusammenhänge anders gedeutet und andere Lösungen und Möglichkeiten des Begleitens erkannt werden.”

Die Angehörigen seien meist zu nah dran, emotional zu sehr involviert. Gemeinsame Geschichten und Erfahrungen, Freude, Streit und Glück führe dazu, dass die Menschen nicht mehr objektiv seien. „Liebe macht blind”, sagt Goffart.

Zurzeit sind im Monschauer Land 28 Personen für den Hospizdienst tätig. Jährlich begleiten sie 40 bis 45 Menschen auf ihrem letzten Weg. Goffart führt zunächst ein Kennenlerngespräch, um die Situation des Kranken, seine Umgebung und sein Umfeld einschätzen zu können. Danach wählt er einen Begleiter aus, der mit der Situation harmoniert.

Alle Begleiter haben den Weg zum Hospizdienst selbst gefunden. „Es ist wichtig, dass die Menschen von sich aus kommen und bereit sind, diese Aufgabe zu übernehmen”, erklärt Goffart.

Vorbereitet auf diese Aufgabe werden die Ehrenamtler durch einen 90-stündigen Kurs, in dem sie sich ein dreiviertel Jahr lang mit Tod und Sterben auseinandersetzen. Dazu gehört auch die Verarbeitung eigener Erlebnisse. „Das ist ganz wichtig, man muss selbst stabil sein, um anderen helfen zu können.”

Die Helfer werden in der Kommunikation geschult und lernen, Empathie zu entwickeln, sensibel und achtsam auf Dinge zu reagieren. Gleichzeitig müssen sie „klar sehen können” und sich nicht von der Situation hinreißen lassen. „Ich kann am Sterbebett aber auch nicht der eiskalte Kalkulator sein. Das Wichtigste, was wir geben können, ist Wärme”, sagt Goffart.

Die Bedürfnisse des Sterbenden sollen stets im Vordergrund stehen. „Er ist der Steuermann und bestimmt die Richtung. Der Patient ist der Dirigent.” Oft ist es aber nicht der Sterbende, der Schwierigkeiten hat, mit der Situation umzugehen, sondern die Angehörigen. Auch für sie sind die Helfer des Hospizdienstes da.

Die Begleitung findet dort statt, wo sich der Mensch befindet. Das kann zu Hause bei der Familie sein, im Krankenhaus oder im Altenheim. Heute ist es meist das Altenheim.

Das Engagement der Begleiter ist ehrenamtlich. Anders könne es auch nicht funktionieren, davon ist Goffart überzeugt. „Es wäre schlimm, wenn Geld eine Rolle spielen würde.” Die Profis in den Pflegeeinrichtungen würden ihre Pflicht tun und ihr Bestes geben, gleichzeitig gebe es aber immer den Druck der finanziellen Bilanz. Dadurch gehe Zeit verloren, menschliche Wärme und Nähe blieben auf der Strecke.

Seit sieben Jahren begleitet Alois Goffart sterbende Menschen. Mal über einen sehr kurzen Zeitraum, in anderen Fällen aber auch Monate oder jahrelang. Als Belastung empfindet er diese Aufgabe nicht. Vielmehr empfindet er sie als ein Geschenk, einen Gewinn an Lebenserfahrung und an Einsichten. „Mir geht es gut. Ich möchte dem Leben auf diese Weise etwas zurückgeben”, sagt Goffart.

Der Ambulante Hospizdienst Monschauer Land ist eine Gruppe von Menschen, die sich aktiv dafür einsetzen, den Hospizgedanken zu verwirklichen.

Dieser Gedanke geht davon aus, Menschen in ihrer letzten Lebensphase ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben bis zuletzt zu ermöglichen.

In einem mehrmonatigen Seminar werden die Mitarbeiter auf die Aufgabe der Sterbebegleitung vorbereitet.

Vertieft wird die Ausbildung durch regelmäßige Fortbildungen. Die Qualitätsvoraussetzungen nach § 39a SGB V werden erfüllt.

Der Hospizdienst grenzt sich von jeder Form aktiver Sterbehilfe ab.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter verstehen ihr Angebot unabhängig von Religions- und Volkszugehörigkeit.

Der Dienst ist kostenlos und die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht.

Der Hospizdienst kann keine Haushaltshilfe oder Pflegedienste ersetzen. Er will keine „Konkurrenz” zu bestehenden sozialen Einrichtungen sein.

Es besteht eine Kooperation mit Ärzten, Pflegediensten, Heimen und Seelsorgern.

Der Koordinator des Hospizdienstes, Alois Goffart, ist unter der Telefonnummer 02473/8241 oder der Nummer 0162/8466805 zu erreichen.

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