Simmerath - Letzte Chance für die Mainacht auf dem Bushof

Letzte Chance für die Mainacht auf dem Bushof

Von: P. St.
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Das Entgegenkommen der Gemeinde, auf dem Bushof Simmerath eine mobile Toilette aufzustellen, wurde in der Mainacht 2010 nicht gerade dankend angenommen. Nach kurzer Zeit lag das Häuschen bereits in der Böschung. Leidtragende waren wieder einmal die Anwohner. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Sich nachts in den Wald schleichen, eine junge Birke schlagen, diese mit bunten Bändern dekorieren, um sie anschließend der Angebeteten ans Haus zu stellen - das ist kurz zusammengefasst der Brauch in der Mainacht.

Doch dieser Brauch hat eine massive Veränderung erfahren: Heute wird eine mehrachsige Ladekarre hinter einen Traktor vor der Größe eines Panzers gespannt. Diese Karre ist beladen mit Bierkästen, Schnapsflaschen und riesigen Lautsprecherboxen, die ausreichen, um ein Stadion zu beschallen. Dann geht es am späten Abend auf den Bushof in Simmerath, wo unter unbeschreiblichem Lärm die Alkoholvertilgungsaktion beginnt. Meistens gelingt es dann noch, zu später Stunde, einen viel zu großen Baum an einem viel zu schwachen Regenrohr zu befestigen.

Diese in den letzten zehn Jahren zu beobachtende Umkehr des Brauchtums war nun auch ein viel diskutiertes Thema in der Sitzung des Simmerather Strukturausschusses, nachdem sich das Treffen von rund 30 zum Teil von weither angereisten Gruppen auf dem Bushof zu einem regelrechten Wettbewerb entwickelt hat. Für die Anwohner rund um den Bushof hat die Mainacht inzwischen unerträgliche Formen angenommen. Wie zu hören war, sind sogar schon Anwohner für diese Nacht ins Hotel umgezogen, andere mussten sich beschimpfen lassen, von den zahlreichen Hinterlassenschaft auf den Grundstücken ganz zu schweigen.

Die Bereitstellung eines Toilettenhäuschens im vergangenen Jahr (Leihgebühr 230 Euro) brachte ebenso kaum eine Verbesserung wie auch das Aufstellen von Bauzäunen.

Für die Anwohner ist nun das Maß voll und sie fordern mit Nachdruck eine Sperrung des Bushofes in der Mainacht.

Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns zeigt volles Verständnis für die Wünsche der Anwohner. „Die Situation ist in der Tat nicht mehr zumutbar.” Die Gemeinde unterstütze die Brauchtumspflege, „aber die Mainacht am Bushof hat nichts mehr mit Brauchtum zu tun.” Dennoch tendiere die Gemeinde dahin, „es in diesem Jahr noch einmal zu versuchen.” Hermanns kündigte allerdings eine verschärfte Präsenz von Polizei und Kräften des Ordnungsamtes an. Sechs Mitarbeiter des Ordnungsamtes sowie Polizeikräfte würden den ganzen Abend „permanent vor Ort” sein. Sie sollen auf die Einhaltung der Nachtruhe achten und gegebenenfalls die Musikanlagen stilllegen. Der Bereich für die Traktoren wird eingegrenzt, es werden Absperrgitter zu den Grundstücken errichtet, wie auch standfeste Toiletten, nachdem das Toilettenhäuschen im vergangenen Jahr umgestoßen wurde.

Zudem wird die Verwaltung über die Landwirtschaftskammer bzw. die Kreisbauernschaft die Halter von landwirtschaftlichen Zugmaschinen auf den zweckfremden Betrieb der Traktoren in der Mainacht und die damit verbundenen Gefahren hinweisen. Dieser Regelung erteilte auch der Ausschuss einstimmig seine Zustimmung.

Zu einer Schließung des Bushofes wollte sich die Verwaltung noch nicht durchringen, auch vor dem Hintergrund, dass dann eine Verlagerung der Aktivitäten stattfinden würde.

Geloog distanziert sich

„Wir sollten noch einen Versuch starten”, meinte auch Christoph Poschen (CDU), um ein Ausweichen auf Privatgelände zu verhindern.

Simmeraths Ortsvorsteher Stefan Haas legte Wert auf die Unterscheidung, das Treffen auf dem Bushof nicht mit der Maifeier des Geloogs am Musikpavillon in Zusammenhang zu stellen. Das Geloog als Veranstalter distanziere sich „von der Loveparade auf dem Bushof, wo es um eine Traktorschau und die höchste Phonzahl geht.”

Als „rechtlich nicht haltbar” bezeichnete Bürgermeister Hermanns den Vorschlag von Egon Kriens (UWG), die Traktorfahrer und Kennzeichen zu erfassen, um Kosten für eventuell entstehende Schäden auf dem Bushof-Gelände kollektiv umzulegen, während sich für Stefan Weber (UWG) die Frage stellte, was die Gemeinde überhaupt noch veranlasse den Platz zur Verfügung zu stellen, wenn es sich ohnehin um keine Brauchtumsveranstaltung mehr handele.
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