Monschau - Leiter des Staatlichen Forstamtes Monschau geht in den Ruhestand

alemannia logo frei Teaser Freisteller

Leiter des Staatlichen Forstamtes Monschau geht in den Ruhestand

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
8994271.jpg
Die wilde Narzisse im Blick: Naturschutz war für Forstdirektor Gerhard Ahnert stets oberstes Gebot. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Im Wald kennt er sich aus, und wenn man ihn um seine Meinung zu forstwirtschaftlichen Themen befragt, dann ist er selten um eine präzise Antwort verlegen. Als ein Mann der klaren Worte haben seine Wegbegleiter Forstdirektor Gerhard Ahnert in den zurückliegenden Jahrzehnten kennengelernt.

Freitag aber heißt für den 65-Jährigen, den Schreibtisch aufzuräumen, denn der 28. November 2014 ist sein letzter Arbeitstag in der Verwaltung des Nationalparks Eifel. Ab 1. Dezember ist er Ruheständler.

Gerhard Ahnert, der in Höfen lebt, will aber auch im Ruhestand dem Nationalpark Eifel verbunden bleiben - als Waldführer und Botschafter der Idee des Nationalparks. Er erlebte als unmittelbar Beteiligter vor gut zehn Jahren aus nächster Nähe mit, wie die Idee eines Großschutzgebietes ab dem Jahr 2003 immer mehr Gestalt annahm, und ein Jahr später offiziell der Nationalpark Eifel ausgewiesen wurde.

Gerhard Ahnert arbeitete mit an der Entwicklung von Inhalten für das Schutzgebiet, und als Leiter des Fachgebietes Waldentwicklung und Wildtiermanagement setzte er in seiner 13-jährigen Tätigkeit Akzente für den Nationalpark Eifel. Die Idee des Nationalparks hatte Ende der 1990er Jahre rasant an Gestalt angenommen, nachdem feststand, dass das belgische Militär den Truppenübungsplatz Vogelsang räumen würde. Dann ging es alles sehr schnell. Nirgendwo in Deutschland sei bisher ein Nationalpark in diesem Tempo gegründet worden, erinnert sich Gerhard Ahnert. „Alle haben mitgezogen, die Bevölkerung, die Förster und die Kommunalpolitik.“

Gerhard Ahnert ist nach wie vor fest überzeugt von der Idee des Nationalparks, die auf lange Sicht angelegt ist. Daher sei er auch „stolz auf die Kahlschläge“, die nach langfristiger Vorbereitung im Süden des Nationalparks erfolgt seien. Diese waldbauliche Maßnahme vor rund einem Jahr hatte allerdings in Teilen der Öffentlichkeit für einen Aufschrei der Entrüstung gesorgt, und am Ende des Tages die Landesregierung gezwungen, die Kahlschlag-Vorschriften zu verschärfen.

Dabei müsse man wissen, beruhigt Ahnert die Gemüter, dass die Entfichtung von Bachtälern in der Eifel bereits eine lange Geschichte habe und die Voraussetzung dafür sei, dass sich die wilde Narzisse weiter ausbreiten könne. „Die zum Teil heftigen Reaktionen haben mich erstaunt“, sagt Ahnert, auch wenn es unter Strich „nur ganz wenige Menschen waren, die sich sehr laut gemeldet haben.“ Fachlich sei an der Kahlschlag-Maßnahme nichts auszusetzen. „Man muss einfach die örtlichen Besonderheiten sehen.“ Der weiteren Entwicklung des Nationalparks sei eine solche Entwicklung langfristig förderlich.

Ahnert weiß sehr wohl, dass seine Tätigkeit als Leiter des Fachgebietes Waldentwicklung gerade zu Beginn durchaus sichtbare Spuren in der Natur hinterlässt. Beim Nationalpark Eifel handele es sich jedoch um einen Entwicklungs-Nationalpark. Noch sei hier die „menschliche Überformung“ an vielen Stellen sichtbar. Das eigentliche Prinzip eines Nationalparks, „Natur Natur sein zu lassen“, könne man in der Eifel noch nicht umsetzen. Würde nach diesem Prinzip verfahren dann würden die an den Nationalpark angrenzenden Wirtschaftswälder, in der Regel Fichtenbestände, Schaden nehmen, „da der Borkenkäfer einfach nicht dazu zu bewegen ist, die Grenzen des Nationalparks einzuhalten.“ Daher sei es gerade im Süden des Nationalparks von großer Bedeutung, aktive Waldentwicklung zu betreiben, um die Nachbar-Forstämter nicht dauerhaft zu gefährden. Die Nachbarn zu schützen, sei bei Einrichtung des Nationalparks von der Landesregierung fest zugesagt worden.

In Zukunft solle die Buche den Kern des neu entwickelten Naturwaldes bilden. Gerhard Ahnert: „Die Laubbäume werden das Gebiet zurückerobern.“ Schon nach zehn Jahren sei man aber bereits soweit, dass auf 56 Prozent der Nationalparkfläche keinerlei Maßnahmen im Wald mehr stattfinden würden. Eine Ausnahme bilde allerdings noch die Regulierung der großen Wildtiere.

Die Rücksichtnahme der Nachbarn auf den Nationalpark Eifel, sieht Gerhard Ahnert allerdings nicht immer als gegeben. Auch wenn er als Monschauer Bürger die finanziellen Zwänge der Stadt Monschau durchaus nachvollziehen könne, sehe er durch die „starke Nähe“ der geplanten Windkraftanlagen im Höfener Wald den Lebensraum Nationalpark beeinträchtigt. Wer sich eine Vorstellung vom Umfang der neuen Anlagen machen möge, dem rät Ahnert zu einem Besuch im Windpark Schöneseiffen, wo gerade die vorhandenen Windräder gegen neue Anlagen ausgetauscht würden.

Die Region weiterhin kritisch und aufmerksam im Blick zu behalten, wird Gerhard Ahnert also auch in Zukunft nicht versäumen - daran ändert auch der Ruhestand nichts.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert