„Lebensgefährliche“ Zufahrt am Vennbahnradweg?

Von: Gerald Eimer
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Die Zufahrt des Anstoßes: An der Kreuzung des Vennbahnradweges mit der Einfahrt zum neuen Gewerbegebiet Brand entzündet sich die Kritik am Premiumradweg. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein Premiumradweg soll der Vennbahnradweg sein, doch aus Sicht seiner Nutzer und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) kann davon auf dem Stadtgebiet keine Rede sein. Vor allem im Bezirk Brand müssen Radfahrer immer wieder dem Autoverkehr die Vorfahrt lassen.

Und mit der neuen Zufahrt zum Gewerbegebiet Brand ist nun sogar noch eine weitere Gefahrenstelle hinzugekommen. Regelrecht „lebensgefährlich“ sei es, wie den Radlern dort „ohne Vorwarnung die Vorfahrt genommen“ wird, beschwert sich etwa Ulrich Robel in einem Brief an die Stadt. Von einem „absoluten Unding“ spricht auch ADFC-Vorsitzende Monika Volkmer. „Solche Kreuzungen sind alles andere als Premium“, schimpft sie.

Echte Konfliktsituationen hat es bislang allem Anschein nach zwar noch nicht gegeben, doch das dürfte vor allem daran liegen, dass das Gewerbegebiet erst wächst. Auf dem Vennbahnweg herrscht hingegen schon jetzt reger Verkehr. Berufspendler, Schüler, Ausflügler und Touristen nutzen die autofreie Strecke nach Kräften. Beinahe aberwitzig wirkt es da, wie nachlässig die Zufahrt ins Gewerbegebiet gebaut wurde. „Wenn dort mehr Fahrzeuge fahren, wird es gefährlich“, ist Volkmer überzeugt.

Dies hat auch die Verwaltung eingesehen, die zwischenzeitlich Politiker und ADFC-Vertreter zu einem Ortstermin eingeladen hat, bei dem gleich mehrere Gefahrenpunkte näher in Augenschein genommen werden sollen. Ende Juni soll dann gemeinsam überlegt werden, wo nachgebessert werden kann. Dabei steht auch der Antrag der Grünen im Raum, den Radfahrern auf dem Vennbahnradweg weitgehend die Vorfahrt an Kreuzungspunkten – mit Ausnahme von Adalbertsteinweg und Trierer Straße – einzuräumen.

Zumindest außerhalb des Stadtgebiets scheint das kein großes Problem zu sein. In Roetgen etwa funktioniert das in den Nebenstraßen gut. In Aachen aber zeigt sich die Verwaltung zögerlich. Bestenfalls in Tempo-30-Zonen sei eine Vorfahrtregelung für Radfahrer denkbar. Zu beachten sei jedoch, dass dort üblicherweise die „Rechts vor Links“-Regel gelte. Zudem seien bauliche Änderungen („verkehrsberuhigende Anrampung“) nötig, um die Sicherheit an den Einmündungen zu gewährleisten.

Beim Bau der Zufahrt ins Gewerbegebiet Brand hat man all dies offenbar erst gar nicht in Erwägung gezogen. Eine Vorfahrtregelung für Radler komme dort nicht in Frage, heißt es von der Verwaltung. Das Risiko sei zu groß, dass mit Zunahme des Schwerlastverkehrs eben doch eines Tages ein Fahrer durchbraust. Die Folgen mag man sich gar nicht erst ausmalen.

So sind es zwei kleine und leicht zu übersehende Schilder, mit denen derzeit die Radler gewarnt werden. „Wenn man schon so viel Geld für ein Gewerbegebiet ausgibt, müsste eigentlich auch etwas für eine komfortablere Kreuzungslösung übrig sein“, meint die ADFC-Vorsitzende Volkmer. „So ist es eine Katastrophe.“ Eine Unterführung wäre aus ihrer Sicht das Optimum gewesen. Denkbar wären aber auch eine Signalanlage mit Induktionsschleife oder eben auch ein Stoppschild für Autofahrer, ergänzt ihre Stellvertreterin Helga Weyers. „Dass der Autoverkehr immer Vorrang hat, können wir nicht akzeptieren“, sagt sie. Dies widerspreche auch dem Sinn des Vennbahnradwegs.

Vor allem die Brander Bezirkspolitiker hätten sich bislang nicht besonders fahrradfreundlich gezeigt, kritisiert sie. Ihnen sei vielfach nicht mal bewusst, wie intensiv der Radweg auch von Berufstätigen genutzt wird, die etwa ihren Arbeitsplatz im Gewerbegebiet Eilendorf-Süd per Rad ansteuern.

Nun ruhen alle Hoffnungen auf den Ortstermin, von dem man sich neue Erkenntnisse erhofft. Bislang deutet jedoch alles darauf hin, dass der vielbeworbene Vennbahnradweg am Ende lediglich um eine Bodenpinselei reicher sein wird: Mit der Markierung „Vorfahrt gewähren“ will die Verwaltung Radfahrer zu mehr Vorsicht anhalten.

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