Einruhr - Lärmgeplagte Anwohner sagen Motorradrasern den Kampf an

Lärmgeplagte Anwohner sagen Motorradrasern den Kampf an

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Kein Durchkommen: Motorradfahrer waren am Samstag auf dem Parkplatz an der Bundesstraße 266 unterhalb von Schöne Aussicht nicht willkommen. Lärmgeplagte Anwohner hatten die Fläche für ihre Protestaktion in Beschlag genommen. Foto: P. Stollenwerk
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Mit Protestbannern machten die Anwohner deutlich, dass sie die Belastungen durch Motorradlärm und Raserei nicht länger schweigend ertragen wollen. Foto: P. Stollenwerk

Einruhr. „Motorradfahrer ja – Raser nein!“ Diese eindeutige Botschaft konnte man am Samstag auf dem Parkplatz „Schöne Aussicht“ oberhalb von Einruhr lesen. Auf einem anderen Transparent hieß es: „Heute Ruhetag!“

Rund 20 lärmgeplagte Bürger aus Einruhr und Dedenborn hatten sich auf dem bei Motorradfahrern heiß begehrten Parkplatz in der Kurve der Bundesstraße 266 eingefunden. Hunderte von Motorradfahrern staunten nicht schlecht, als sie feststellen mussten, dass der Parkplatz unter schattigen Bäumen wegen Überfüllung an diesem Tag nicht benutzt werden konnte. Die Fläche war komplett belegt mit den Fahrzeugen der Anwohner und ein längsseitig geparkter Lkw mit Anhänger machte unmissverständlich klar, dass rücksichtslose Motorradfahrer nicht erwünscht sind. Viele vorbeifahrende Autofahrer reckten den Daumen nach oben.

Die Blockade- und Protestaktion war ordnungsgemäß angemeldet worden und wurde vor Ort von der Polizei begleitet, die ihre beiden Streifenwagen ebenfalls am Parkplatz abgestellt hatte.

In der vergangenen Woche hatten sich die Bürger getroffen, um die Aktion vorzubereiten. „Die Anwohner möchten ein klares Zeichen setzen und deutlich machen, dass sie endgültig genug haben von Lärmbelästigung und Raserei“, sagt Christoph Poschen. Der Einruhrer Ortsvorsteher schloss sich ebenfalls der Aktion an. Raserei und Lärmbelästigung hätten in den zurückliegenden beiden Jahren markant zugenommen. Die anhaltende Problematik rasender und heizender Zweiradfahrer könne nicht länger geduldet werden.

„Im Bereich dieses Parkplatzes spielen sich unglaubliche Szenen ab“, berichtet Poschen. Hier habe sich eine regelrechte „Basisstation“ entwickelt. Es sei keine Seltenheit, dass sich hier auch an Abenden in der Woche oft bis zu 50 Motorradfahrer einfinden würden. Was mit „unglaublichen Szenen“ gemeint ist, schildert ein Anwohner („Die Situation geht inzwischen auf die Psyche“) aus eigener Anschauung. Bei den Treffen der Motorradfahrer auf dem Parkplatz werde für Verpflegung und technischen Service gesorgt.

Mehrmals sei es auch schon zu Unfällen in der Kurve gekommen. Mindestens zweimal habe er beobachtet, dass die von Unfallzeugen gerufene Polizei aber weder eine verletzte Person noch eine beschädigte Maschine angetroffen hätten. Das Zweirad sei im Pulk der geparkten Motorräder untergetaucht – und der Unfallfahrer in der Gruppe der Anwesenden. Auch Rennen würden gefahren. Manchmal rase innerhalb kürzester Zeit bis zu 20 Mal die gleiche Maschine am Parkplatz vorbei, die zuvor jeweils an der Abzweigung nach Dedenborn gewendet habe.

„Die Belästigung durch Motorräder ist gegenüber dem Vorjahr noch einmal deutlich gestiegen“, sind sich die Bürger einig. Inzwischen haben die Betroffenen auch eine Webseite (Eifel-Raser.de) eingerichtet, die als Netzwerk und Diskussionsforum dienen soll.

Nach rund sechs Stunden wurde der Parkplatz Schöne Aussicht dann wieder geräumt. Zuvor aber hatten sich die Anwohner noch zum nächsten Treffpunkt verabredet, denn sie sind fest entschlossen, dass weitere Aktionen folgen werden.

Die Politik in die Pflicht nehmen möchte auch ein anderer Anwohner, der sich gerade Kennzeichen von Motorrädern notiert und eine Strichliste führt, wie häufig die gleichen Maschinen den Parkplatz passieren. Er werde vor der Bundestagswahl alle Parteien mit dem Problemfeld konfrontieren und um Stellungnahme bitten, „weil Motorradlärm ein Thema ist, das mich bewegt und betrifft.“

Großer Druck auf Einruhr

Die Protestaktion fand auch die volle Zustimmung von Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, für den die Aktion auch deutlich macht, „wie groß der Druck auf Einruhr geworden ist.“ Der Handlungsbedarf sei größer als je zuvor. Er wolle sich dafür einsetzen, dass das Thema Motorradlärm auch auf überregionaler Ebene Gehör finde. „So kann es nicht weitergehen.“

Zur Frage einer möglichen Sperrung des Parkplatzes stehe er bereits mit dem Landesbetrieb Straßenbau in Kontakt.

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