Aachen - Kurpark Classix ein Erfolg - trotz Regen

Kurpark Classix ein Erfolg - trotz Regen

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Märchenhafte Mädchenstimme:
Märchenhafte Mädchenstimme: Annett Louisan und das Sinfonieorchester Aachen faszinierten das Publikum im Kurpark mit frechen Chansons und sanften Tönen in farbenprächtiger Kulisse. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Von wegen tröpfeln: Trotz Regens strömten die Zuschauer. Punkt 21.45 Uhr krönt das krachende Feuerwerk am Sonntagabend die „Kurpark Classix”. Und auf der Bühne darunter funkeln Kazem Abdullahs Augen zu Händels Feuerwerksmusik.

Er winkt, er lacht, er applaudiert seinem Sinfonieorchester, das gerade die „Last Night” mit Werken von Dvorák, Tschaikowsky und Brahms zum brillanten Höhepunkt der Konzertserie veredelt hat. 2730 Zuschauer klatschen frenetisch. 10 550 sind es nach vier Konzerten seit Freitagabend. Der neue Generalmusikdirektor ist in Aachen alles andere als „baden gegangen”. Sein Sprung ins kalte Wasser unter freiem Himmel verdient Traumnoten. Bloß: So frei wie in den vergangenen Jahren zeigte sich der Himmel diesmal seltener.
ArtikelWolkenbrüche bekamen vor allem die Besucher der „Night at the Opera” am Freitagabend und der „Classix for Kids”-Show mit TV-Moderator Malte Arkona zu spüren. Nicht wenige Eltern und Kinder hatten sich das „prickelnde” Open-Air-Vergnügen Sonntagvormittag mit einer sinfonischen Reise um die Welt sicher etwas trockener vorgestellt. Egal. „Nisch schlimm”, gab sich etwa der kleine Tobi ganz gelassen, als er neben der Haupttribüne kurz aus seinem Zelt lugte. „Ich hab genug zum Spielen dabei.” Na dann. Die Eltern des Fünfjährigen hatten sicherheitshalber gleich die komplette Camping-Ausrüstung von Domburg in den Kurpark gekarrt. „Malte macht Urlaub” hieß schließlich das Konzert. Und dank komödiantischer Finesse und urkomischer Spontaneität des charmant beschirmten Moderators Arkona verging die Zeit - trotz einiger Spiellängen und etwas uninspirierter Konzeption - wie im Fluge. Stücke wie der Zillertaler Hochzeitsmarsch, „An der Nordseeküste”, „Moskau, Moskau”, die Filmmusik zum „Fluch der Karibik” und südamerikanische Samba-Rhythmen führten die 2221 meist jungen Klassik-Fans nach 70 Minuten zum Mitsing-Finale: die Europahymne „Ode an die Freude”. Da durfte dann auch der sympathische Kinderchor des Theaters endlich mal einstimmen.

Der Spaß war niemandem im Dauerregen vergangen. Tosender Applaus übertönte Regenrauschen. Weswegen Veranstalter Christian Mourad dem Nachwuchs zumindest verbal die „Wettertapferkeitsmedaille” an Regencapes und Ponchos heftete.

Überhaupt: Die Garderobe war bei jedem Konzert Thema. Annett Louisan etwa verzauberte ihr Publikum am Samstagabend nicht nur mit frechen Liedern, sondern ebensolchen Kleidchen. „Ich will doch nur spielen”, der größte Hit der kleinen Sängerin (1,52 Meter), riss die 2800 Fans zur Standing Ovation hin. Doch auf das Spiel mit dem Sinfonieorchester setzte die Sängerin mit der märchenhaften Mädchenstimme noch einen drauf: Sie schrieb bis kurz vor Mitternacht Autogramme, signierte ungezählte CDs - und hauchte immer wieder: „Es war ein großartiges Erlebnis mit diesem fantastischen Sinfonieorchester auftreten zu dürfen. Das hätte ich mir früher niemals träumen lassen.”

Gedanken über die passende Kleidung hätte sich zumindest das Publikum getrost sparen können. Im Trend lagen Regenmantel statt Smoking und Kapuzenumhang statt Ballkleid. Was weder den Appetit auf kulturellen Hochgenuss noch kulinarische Köstlichkeiten schmälerte. Neben Bier, Wein und Schampus kredenzte Hans-Joachim Stuntz mit seinem 40-köpfigen Team Currywurst, Vanille-Mascarpone mit Erdbeeren; und für die VIPs Ente, Gambas und Lammkreationen. Alles vom Feinsten. Wie die „Last Night”. GMD Kazem Abdullah ließ den Taktstock fliegen, Star-Violinist Nemanja Radulovic meisterte - mit wehenden Haaren, im Rüschenfrack und knallenger Lederjeans - die rasante Partitur, die Tschaikowsky 1878 nach einem Nervenzusammenbruch geschrieben hatte. Als das Feuerwerk am Sonntag um 22 Uhr verhallte, wollte der Applaus kaum enden. Übrigens auch von Abdullahs Vorgänger Marcus Bosch, der das Konzert als Zaungast genoss.

Und als die Zuschauer am Sonntagabend langsam das Festspielgelände im Kurpark verließen, gaben andere schon wieder Vollgas. Technik-Crew und Bühnenarbeiter geben nun den Takt vor. 40 Tonnen Stahl der zwölf Meter hohen Bühne, 1350 Sitzplätze inklusive Tribüne, riesige Boxentürme und tausende Kleinteile müssen in 16 Sattelzüge verpackt werden. Mourad verspricht, dass der Kurpark am Mittwoch nach den „Classix” genauso aussieht wie vorher.

Bis zum 30. August 2013. Dann folgt die Punktlandung zur siebten „Kurpark Classix”. Höhepunkte gibt es schon früher: Etwa die „Carmen”-Premiere mit Abdullah am 16. September im Theater; oder die ersten Sinfoniekonzerte mit dem neuen GMD am 14. und 15. Oktober. Dann lässt ers wieder „krachen”, garantiert.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert