Kulturfestival 2011: Kampf gegen Windmühlen am Rathaus

Von: P. St.
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Einen spektakulären und phant
Einen spektakulären und phantasievollen Auftakt des Kulturfestivals der Städteregion lieferte das Straßenthaeter „Gajes” mit seiner speziellen Interpretation von „Don Quixotte” vor dem Rathaus in Simmerath. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. „Baut hier ein Zirkus auf?”, fragten sich viele Simmerather, als am Vortag von Christi Himmelfahrt fahrendes Volk auf dem Platz dem vor dem Musikpavillon aufschlug.

In der Tat waren es Artisten, Künstler, Sänger und Dompteure, die sich im Schatten des Rathauses für ein großes Spektakel einrichteten.

Spätestens als dann eine Windmühle aufgebaut wurde, dämmerte es den Schaulustigen, denn wer kennt nicht Geschichte von Don Quichotte, dem Ritter von der traurigen Gestalt, der einer Sinnentäuschung erliegend gegen Windmühlen kämpft?

„Es gibt keine erste Reihe”

Eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur in einer ungewohnten Form der Darbietung bildete am Donnerstagabend in Simmerath den Auftakt zum Kulturfestival 2011 der Städteregion. Das Theater „Gajes” aus den Niederlanden hat den 400 Jahre alten und unsterblichen Roman von Miguel de Cervantes als Grundlage genommen, um die Geschichte von „Don Quixotte” (so ist die alte Schreibweise) ins 21.Jahrhundert zu transformieren.

Bei am Abend plötzlich absinkenden Temperaturen fanden sich sich rund 300 Besucher bei freiem Eintritt ein, die aufgrund der teils fremdartigen Requisiten wohl nicht so recht wussten, was in den kommenden 60 Minuten wohl erwarten würde.

„Es gibt keine erste Reihe, Ihr seid alle mittendrin”, stimmte die Truppe auf den weiteren Verlauf des Abends ein. Und auch Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns war bereit, sich überraschen zu lassen: „Wir dürfen uns auf einiges gefasst machen”, meinte er zur Begrüßung.

Gleich zu Beginn wirbelten einige Stelzengänger die Schaulustigen auf und starteten spektakulär das aktionsreiche Geschehen, denn die Zuschauer spielen beim Straßentheater Gajes, das in Polen schon vor 30.000 Zuschauer spielten und 2009 beim Straßentheaterfestival in Holzminden den begehrten Publikumspreis gewann, eine wichtige Rolle.

Gajes macht Theater für alle Sinne, Es gibt keine Bühne und keinen Vorhang. Mitten unten den Zuschauer spielen die parodistischen Szenen auf das edle Rittertum. Da wird plötzlich ein riesiges, rostiges Pferdeskelett durch die Reihen gezogen oder eine Wäscheleine stürzt über den Köpfen des Besucher zusammen. Da gilt es, immer wachsam zu bleiben, denn vor teils skurrilen Szenenwechseln und überschäumendem Ideenreichtum ist man nie sicher. Schön zu sehen, dass man auf diesem Platz auch richtig kreativ sein kann.

Der Ort machte mit

Wer vor drei Jahren in Einruhr das Stück „Alice im Wunderland” von der gleichen Truppe gesehen hatte, durfte sich erneut auf eine kurzweilige Reise ins Reich der Phantasie freuen. Die teilweise chaotisch wirkenden Szenen waren ebenso fein abgestimmt wie auch der pointierte Humor. Die Figur des tragikomischen Ritter Quixotte bietet vielfach Gelegenheit, menschliche Unzulänglichkeiten und und verpasste Romantik zu skizzieren.

Die Geschichte des Möchtegern-Ritters, der immer wieder scheitert, aber nie aufgibt, begeisterte die Zuschauer, die nicht mit Beifall für die mitreißende Darbietung sparten.

Diesem Dank schloss sich auch der Bürgermeister an, der der Städteregion Aachen sowie der künstlerischen Leiterin des Festivals. Dr. Nina Mika-Helfmeier, für deren Engagement dankte. Noch bis Mitte September werden im Rahmen des Kulturfestivals 13 Veranstaltungen in zehn Kommunen stattfinden.

Besonderer Dank für das Gelingen der Veranstaltung in Simmerath gebührte aber auch dem Ortskartell, dass sich intensiv um die Ausstattung des Platzes, die Vorbereitung und die Gesamt-Organisation gekümmert hatte. Mit im Boot waren neun Jugendliche des Vereins „Jugend aktiv”, die als Helfer und Statisten bei der Aufführung und zuvor bei den Proben im Einsatz waren.

Bestens aufgehoben fühlte sich auch die Theatercrew, die familiäre Atmosphäre und die freundliche Aufnahme in Simmerath wohl zu schätzen wusste.

Das Kulturfestival 2011 der Städteregion wird am Wochenende in Imgenbroich fortgesetzt. Am Sonntag, 5. Juni, heißt es ab 21 Uhr Klassik in der Kirche”. Begleistet von der Pianistin Tatiana Kudinova singt die Sopranistin Maria Mironova in der Pfarrkirche St. Josef bekannte Opernarien und Lieder. Zudem wird Mario Triska, bekannt durch seine Interpretationen von Zigeunermsuik eine Auswahl seines Repertoires spielen.

Gleichzeitig wird der Lichtkünstler Jörg Rost das Kirchenschiff in ein neues Licht tauchen und durch wechselnde Farben für ungewohnte Blickwinkel sorgen. Architektonische Details werden dabei herausgehoben. Zum Abschluss des musikalischen Abends, der auch das Dorfjubiläum beendet, gibt es dann noch ein Feuerwerk.

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