KuK Monschau: Kunst im Angesicht eines bevorstehenden Krieges

Von: avl
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Das Kompetenzteam, das die hervorragende Ausstellung realisierte (hinten, v.l.n.r): Hans Gerd Lauscher, Hilde Scheidt, Kaspar Vallot, Helmut Etschenberg, Dr. Toni Offermann, Bernd Held und (sitzend, v.l.n.r.) Dr. Nina Mika-Helfmeier und Elisabeth Paul. Foto: Adalbert van Londen

Monschau. Die zweite Ausstellung des Kunst- und Kulturzentrums (KuK) in Monschau im Jahre 2014 dokumentiert in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein des Monschauer Landes sowie dem Kunsthistoriker Ulrich Röthke den Beginn des 1. Weltkrieges anhand der Monschau-Exkursion des Stuttgarter Akademieprofessors Adolf Hölzel mit ca. 30 seiner Studenten im Jahre 1912.

Die zu diesem Zeitpunkt entstandenen Werke spiegeln die Stimmung in der Bevölkerung zu jener Zeit wieder. Das Interesse an der Eröffnungsveranstaltung war groß. Auf zwei Etagen werden Zeitdokumente in Schrift und Bild und 70 Exponate desHölzel-Kreises - häufig auch mit Bezug zu Monschau - präsentiert.

„Mit dem Geschichtsverein Monschauer Land, dem Kunsthistoriker Ulrich Röthke, dem Grafiker Bernd Held, der die begleitende Broschüre erstellte und Jeffrey Mijling, dem guten Geist des Hauses, der die Ausstellung in den Räumlichkeiten des KuK umsetzte und privaten Sammlern, waren wir ein erfolgreiches Kompetenzteam, das die vielschichtigen und komplexen Inhalte spannend verdeutlicht und hoffentlich viele Menschen für das Thema interessieren kann“, so Dr. Nina Mika-Helfmeier, die Leiterin des KuK und Initiatorin der Ausstellung bei der Begrüßung.

„2014 jähren sich viele wichtige Daten. Einige sind Anlässe zum Feiern, andere machen nachdenklich. Letzteres trifft sicherlich auf den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu, der genau 100 Jahre zurückliegt. In solch einem Kontext neigt der Mensch rückblickend, aber auch gegenwärtig dazu, den Ersten Weltkrieg als ein großes geschichtliches und schreckliches Ereignis zu betrachten.

Aber was ist mit dem Einzelnen, heute wie damals? Darum bin ich sehr froh, dass wir eine Ausstellung zeigen, die auf genau diese Aspekte, auf persönliche Perspektiven eingeht und dabei sogar Motive präsentiert, die in unserer Region entstanden sind und sich auf unsere Region beziehen“, so Städteregionsrat Helmut Etschenberg über die aktuelle Ausstellung. Man solle aus der Vergangenheit lernen und Nein zum Krieg sagen, „denn in den Schützengräben herrscht keine Idylle und ein Krieg bringt niemals Gutes.“

Interessantes wusste Toni Offermann vom Geschichtsverein des Monschauer Landes aus jener Zeit zu berichten. „Die Stadt Monschau ist nicht als Idylle entstanden, sie wurde dazu gemacht“. 1801 schrieb der damals in einer Monschauer Tuchfirma angestellte Johann Conrad Seyler seinem Bruder Benedikt: „Montjoye ist ein kleiner Ort, von ca. 300 Häuser, wovon die meisten sehr schlecht gebaut sind, bloß einige Häuser der Kaufleute zeichnen sich aus.

Gut 50 Jahre später schreib derselbe Seyler, wie pittoresk und anheimelnd ein Aufenthalt in Monschau sei. Der Wandel in der Wertschätzung entstand durch eine Vielzahl von Arbeitsbesuche von Malern und Zeichnern .

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts vollzog sich demnach ein Wandel in der Wahrnehmung des Ortes, dem Hans Gerd Lauscher vom Geschichtsverein vor wenigen Jahren in einem Aufsatz nachgegangen ist. In der topographisch bedingten, rein zweckmäßig begründeten Bauweise des Städtchens im engen Rurtal sahen Fremde plötzlich einen malerisch empfundenen Formenreichtum der Architektur, interpretierten die Fachwerkhäuser in den schmalen Gassen ästhetisch und sentimental, aus romantisch verklärender Perspektive. „Aus dem ursprünglich überfüllten, ungesunden, schlecht gebauten und übel gelegenen Montjoye wurde nun das Spitzweg-Idyll, das traumhafte Monschau, das Bilderbuch aus Fachwerk und Stein, die Postkartenidylle, das Klein-Venedig, Nizza der Eifel, die Eifelperle mit nervenstärkender Berg- und Waldluft – ohne dass sich inzwischen baulich irgendetwas wesentlich verändert hatte.“

Wie persönliche Dokumente belegen, empfanden die Exkursionsteilnehmer um den Akademieprofessor Adolf Hölzel im Jahre 1912, ihren Aufenthalt in Monschau als überaus produktiv, bereichernd und als eine Zeit fast idealer Gemeinschaft. Sowohl von Hölzel selbst als auch von seinen Schülern haben sich wichtige Werke aus jener Zeit erhalten“, wusste Kunsthistoriker Ulrich Röthke zu berichten.

Der erste Teil der im KuK gezeigten Werke dokumentiert genau diese produktive Zeit. Gezeigt werden Werke von Adolf Hölzel, Hermann Stenner, Heinrich Eberhard, Josef Eberz und anderen. Dabei lassen sich zum einen Monschau-Motive finden und zum anderen auch religiöse Darstellungen.

Zwei Jahre nach der Eifelfahrt der Gruppe brach der 1. Weltkrieg aus. Die meisten der männlichen Künstler fanden sich an der Front wieder und sahen sich mit der grauenvollen Realität des Krieges konfrontiert. Einige, wie der hoch talentierte Hermann Stenner, fielen gleich in den ersten Kriegsmonaten.

Diejenigen, die den Krieg überlebten, setzten sich in unterschiedlicher Art und Weise mit den existenziell bedrohten Geschehnissen auseinander.

Die Künstler und der Krieg

Die Stellungnahmen dieser Künstler zum Krieg werden im zweiten Teil der Ausstellung gezeigt. Das Buch „Krieg und Kunst“ von Hans Hildebrandt bildet die Grundlage für den dritten Ausstellungsteil. Er hatte die Exkursion persönlich begleitet. Anhand zahlreicher im KuK gezeigter Dokumente ist erkennbar, dass er nicht - wie viele seiner Zeitgenossen und Künstlerfreunde – in chauvinistische Töne verfiel und die gesamte Moderne wie den Expressionismus, Futurismus und die neuere französische Kunst in Bausch und Bogen verdammte.

Wie die Künstler mit den erschütternden Ereignissen des Weltkrieges umgingen und diese künstlerisch verarbeiteten, ist bisher weder in der kunsthistorischen Forschung noch in einer Ausstellung thematisiert worden. Diese Lücke wird nun im Rahmen der Möglichkeiten im KuK geschlossen.

Die Ausstellung „Von der Idylle in den Schützengräben“ ist noch bis Freitag, 5. Mai in den Räumlichkeiten des KuK, Austraße 9, in Monschau zu sehen. Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags zwischen 14 und 17 Uhr sowie an Wochenenden von 11-17 Uhr. Weitere Informationen unter: www.kuk-monschau.de.

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