Städteregion - Kriminalität in der Städteregion gesunken

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Kriminalität in der Städteregion gesunken

Von: Jutta Geese
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Positive Signale von der Polizei: Insgesamt ist die Zahl der Straftaten rückläufig. Auch bei den Wohnungseinbrüchen, die zuletzt in der Region sehr hoch waren, gibt es Entspannung. Foto: imago/Jochen Tack
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Polizeipräsident Dirk Weinspach sieht eine positive Entwicklung im abgelaufenen Jahr. Foto: Harald Kroemer

Städteregion. Es sind gute Zahlen, die Polizeipräsident Dirk Weinspach am Mittwoch zur Kriminalitätsentwicklung in der Städteregion präsentieren konnte: „In vielen Bereichen sind es die besten Zahlen im Zehn-Jahres-Vergleich.“

Will heißen: Die Zahl der Straftaten ist von Baesweiler über Aachen bis in die Eifel hinein deutlich gesunken, im vergangenen Jahr um 4464 Fälle oder 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr – nur in Monschau ist ein leichter Anstieg von 25 Taten oder sechs Prozent zu verzeichnen.

4464 Fälle weniger, das bedeutet laut Weinspach „4464 Opfer weniger, die traumatische Erlebnisse haben“. Erfreulich auch: Fast überall sind mehr Strattaten von der Polizei aufgeklärt worden. Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in der Städteregion 49.142 Straftaten, weniger gab es in den letzten zehn Jahren nur einmal, im Jahr 2010 mit 48.985 Straftaten.

Besonders erfreulich findet es Weinspach, dass in den Bereichen, die sich auf das Sicherheitsgefühl der Menschen auswirken, deutliche Verbesserungen erreicht worden sind. Dazu gehören etwa Wohnungseinbrüche. „Da haben wir den niedrigsten Wert seit zehn Jahren“, berichtete der Polizeipräsident. Um 19 Prozent oder 344 Taten ist die Zahl der Einbrüche zurückgegangen. Und bei den 1455 angezeigten Fällen blieb es 625 Mal beim versuchten Einbruch. 258 Delikte konnten aufgeklärt werden.

Auf den deutlichen Rückgang der Wohnungseinbrüche ist Weinspach „einigermaßen stolz“, wie er am Mittwoch sagte. Offenbar zeigten die Maßnahmen, die die Polizei ergriffen habe , Wirkung. Weinspach nannte insbesondere die Aufklärungskampagne „Riegel vor“, aber auch Erfolge aufgrund intensiver Ermittlungen nach Hinweisen aus der Bevölkerung. So konnte im April vergangenen Jahren nach Hinweisen von aufmerksamen Bürgern in Aachen-Forst eine Einbruchsserie mit 95 Fällen beendet werden.

Auch die Straßenkriminalität trägt laut Weinspach sehr zum subjektiven Sicherheits- beziehungsweise Unsicherheitsgefühl der Menschen bei. Und auch hier verzeichnet die Aachener Polizeibehörde einen deutlichen Rückgang um 2123 Delikte oder 14,7 Prozent auf insgesamt 12 312 Fälle. Das ist die niedrigste Zahl seit zehn Jahren.

Stark zurückgegangen sind städteregionsweit beispielsweise Diebstähle von Autos (um 345 auf 593 Fälle) und Diebstähle aus Autos (um 654 auf 3553 Fälle ) und die Zahl der Fahrraddiebstähle (um 634 auf 1671 Fälle). Kleiner Wermutstropfen: Zwar konnte die Aufklärungsquote bei Autodiebstählen fast verdoppelt werden, auf jetzt 21,3 Prozent. Bei den Fahrraddiebstählen – Schwerpunkt ist Aachen mit allein 1402 Fällen – beträgt die Aufklärungsquote sogar nur 7,1 Prozent.

Nur um fünf Prozent oder 96 Fälle sank die Zahl der Gewaltkriminalität. Aber, sagt Polizeipräsident Weinspach: „Das sind 96 Opfer weniger als 2016. Und was für die Bürger beruhigend sein wird, ist die Aufklärungsquote von 75,4 Prozent.“ Im Jahr zuvor wurden nur 70,9 Prozent der Gewaltdelikte aufgeklärt. Bei (versuchtem) Mord und Totschlag (26 Fälle, davon 17 in der Stadt Aachen) liegt die Aufklärungsquote bei 90 Prozent, bei (versuchten) Vergewaltigungen (103 Fälle) beträgt sie 84,5 Prozent.

Insgesamt registrierte die Polizei 1824 Gewaltdelikte, so wenig wie in den vergangenen zehn Jahren nicht. Den größten Anteil haben Fälle von gefährlicher Körperverletzung (1249), hier gab es auch einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 35 Fälle. Die Aufklärungsquote lag bei 81,43 Prozent.

Den stärksten Rückgang gab es bei den Raubdelikten, die Zahl sank um 164 Fälle oder 27,2 Prozent auf 439. Straßenraub steht mit 228 Fällen in der Kriminalitätsstatistik (- 85 Fälle). 4060 Fälle von Körperverletzung wurden im vergangenen Jahr angezeigt, 211 weniger als im Jahr zuvor.

Sorgen bereitet Weinspach und seiner Behörde der Anstieg bei den Sexualdelikten um 58 auf 424 Fälle. Der Anstieg habe sicher mit einem geänderten Anzeigeverhalten im Zuge der „#meToo“-Debatte und im Nachklang zu den Kölner Silvester-Ereignissen sowie mit geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen zu tun. „Trotzdem ist die Zahl zu hoch“, sagte Weinspach am Mittwoch, „hier gilt es gegenzusteuern.“

Sorge bereitet ihm auch der Anstieg um 5,1 Prozent bei den Betrugsdelikten, insbesondere gegenüber älteren Menschen. Dabei steht nicht nur der „Enkel-Trick“ im Fokus, sondern immer häufiger auch eine Betrugsmasche, bei der sich die Täter als Polizeibeamte ausgeben. „Hier wird das Vertrauen der Bürger in die Polizei ausgenutzt“, sagte Thorsten Müller, Leiter einer Polizeiinspektion. „In einem Fall betrug der Schaden 355.000 Euro.“

Neue Stellen

Insgesamt bezifferte er den Schaden in solchen Fällen auf eine Million Euro. Sorge bereitet dem Polizeipräsidenten auch die hohe Zahl der Taschendiebstähle (1684 insgesamt in der Städteregion), insbesondere in der Stadt Aachen (1443). Hier seien auch die Bürger gefordert, die Polizei setze ähnlich wie bei der erfolgreichen Kampagne „Riegel vor“ auf Bürgerinformation unter dem Motto „Augen auf, Taschen zu“.

Der Rückgang der Straftaten insgesamt und die höhere Aufklärungsquote hat nach Auffassung von Weinspach viel zu tun mit der guten Kooperation zwischen Polizei, Justiz und anderen für die Sicherheit zuständigen Behörden. So gab es im vergangenen Jahr 200 „beschleunigte Verfahren“ gegen Straftäter (Vorjahr: 6), bei denen zum Teil empfindliche Strafen verhängt wurden.

Dass „Strafe auf dem Fuß folgt“ und es nicht erst Monate nach einer Straftat zu einer Verhandlung komme, wirke sicherlich auf den ein oder anderen abschreckend, sagte Weinspach. Auch die hohe Motivation und Einsatzbereitschaft seiner Beamten, die alle „im Grenzbereich“ oder darüber hinaus arbeiten“ führte er als Erfolgsgarant an. „Das ist unser großes Pfund.“

Aber, mahnte er: „Das kann nicht ewig so weitergehen.“ Er hofft auf ein wenig Entlastung für die Polizeibeamten durch die Einstellung von weiteren Verwaltungskräften zusätzlich zu den 23 von der alten Landesregierung bewilligten. Die Landesregierung habe 13 Stellen für seine Behörde bewilligt, die Ausschreibung erfolge bald.

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