Rollesbroich - Krieg in Rollesbroich: H. Jürgen Siebertz stellt sein neues Buch vor

Krieg in Rollesbroich: H. Jürgen Siebertz stellt sein neues Buch vor

Von: ho
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Da waren sie alle stolz und hochzufrieden. Buchautor H. Jürgen Siebertz (4.v.re.) mit Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns (re.) und den Mitgliedern des Arbeitskreises Heimatgeschichte bei der Präsentation des Buches „Der Krieg in Rollesbroich und die Jahre danach“. Foto: Hoffmann

Rollesbroich. Der Totalschaden am eigenen Pkw wird heute schon mitunter als Schicksalsschlag bezeichnet. In Vergessenheit geraten ist heute vielfach, dass auch die Menschen in unserer Region in den Wirren des 2. Weltkrieges mit wesentlich größeren Verlusten und Leid zu kämpfen hatten, als sie über Nacht Haus und Hof mit allen Utensilien verlassen mussten, um sich mit dem Allernötigsten versehen im Rahmen der Evakuierung einige hundert Kilometer entfernt niederzulassen.

Hieran erinnerte im Rollesbroicher Pfarrheim einleitend der Autor und Heimatforscher H. Jürgen Siebertz die über 80 Besucher, die sich dort zur Vorstellung seines neuen Buches „Der Krieg in Rollesbroich und die Jahre danach“ eingefunden hatten.

In der 270 Seiten starken Dokumentation mit über 250 Fotos, die zum Teil noch nie veröffentlicht wurden, wird die Eroberung der Ortschaft Rollesbroich durch die 78. US-Infanteriedivision am 14. Dezember 1944 geschildert. Darüber hinaus enthält das Buch eine umfassende Darstellung der Flucht und Evakuierung der Rollesbroicher Bevölkerung und deren Rückkehr in ein zerstörtes Dorf sowie die Namen und Schicksale der vielen Gefallenen, Vermissten und Minentoten.

Erstmals wurde das Kampfgeschehen in Rollesbroich, zum Teil im Stundentakt, und die Erkämpfung des oberen Kalltalabschnittes so detailliert geschildert. „Dies war nur möglich“, so Siebertz, „weil amerikanische Archive hier entsprechenden Zugang erlaubten.“

Erich Wilden vom Arbeitskreis Heimatgeschichte konnte zu Beginn der Präsentation auch Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, Ortsvorsteher Marc Topp und den ehemaligen Gemeindedirektor Leo Jansen begrüßen. Wilden erinnerte sich an die Erzählungen seines Großvaters, wonach dieser bei seiner Rückkehr im Frühjahr 1945 nur noch ein völlig zerstörtes Haus vorgefunden habe. Mit den Worten „Die Vergangenheit ist nicht vorbei – sie ist ein Teil unseres Lebens“ dankte er Jürgen Siebertz für sein Engagement in Sachen Rollesbroicher Heimatgeschichte.

Dem schloss sich Bürgermeister Hermanns an, der die Bedeutung der Dokumentation noch einmal herausstellte: „Das ist meines Wissens das erste gebundene Buch, das es über Rollesbroich gibt.“ Hermanns, selbst in Rollesbroich wohnhaft und der Heimatgeschichte verbunden, vergaß auch nicht, einige Akteure zu erwähnen, die sich früher auf diesem Sektor verdient gemacht hatten. Erich Lennartz, Hedwig Rüttgers und Konstantin Röder wurden von ihm stellvertretend auch für andere genannt. Der Autor versicherte, dass die Recherchen zu seinem Buch nicht eine Sekunde langweilig waren, da das Geschehen der Jahre 1944/45 dramatisch und spannend zugleich war.

Verbliebene Bewohner

Im September 1944 mussten sich die in Rollesbroich verbliebenen Bewohner (Frauen, Kinder, Alte und Schwache) im Rahmen der Evakuierung mit wenigen Habseligkeiten auf einen beschwerlichen Weg machen. Dabei mussten sie immer vor Tieffliegern auf der Hut sein, die sie und ihre Kinder beschossen.

Auf ihrem Weg wurde an jedem Abend in den Dörfern für eine Übernachtungsmöglichkeit nachgefragt und um etwas Brot und Milch gebettelt. Rollesbroich war zu dem Zeitpunkt ein Geisterdorf, wo zurückgelassene Tiere nach und nach verendeten und das die Amerikaner dann zeitgleich mit Witzerath und Simmerath am 14. Dezember 1944 eroberten. Die geflüchteten Rollesbroicher waren zwischenzeitlich auf mehrere Dörfer im Großraum Göttingen verteilt. Erst im Frühjahr 1945 durften die ersten Einwohner zurückkehren.

Das war für sie laut Siebertz die „Stunde Null“, nach der man mit unbändigem Willen, zurückgelassenem Büchsenbrot und Corned Beef der US-Soldaten und mit dem sonstig wenig Gebliebenen den Neuanfang begann.

Das Buch, welches vom Rollesbroicher Arbeitskreis Heimatgeschichte herausgegeben wird, kostet 19,80 Euro und ist in allen Buchhandlungen, im Nahkauf Rollesbroich, dem Kaufhaus Victor in Imgenborich, bei Veroni Wilden und Renate Nießen aus Rollesbroich und natürlich bei Jürgen Siebertz erhältlich.

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