Konzener Krippe: Sternenhimmel gibt es nicht mehr

Von: Julia Bäumler
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Auf das Eifelhaus in der Konzener Krippe müssen die Besucher jedoch nicht verzichten. Mitsamt Wasserrad steht es nach wie vor an alter Stelle mitten in grüner Natur direkt aus dem Wald.
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Suchende Blicke schweifen über den linken Teil der einstigen Krippe: Anstatt des großen Steines stehen dort nun nur noch ein paar leere Stühle. Auch der Sternenhimmel ist verschwunden. Das Krippenteam erklärt, dass es die viele Arbeit nicht mehr bewältigen kann. Foto: Archiv/P.Stollenwerk

Konzen. Für viele Familien, nicht nur aus der Eifel, ist es zur Tradition geworden, in der Weihnachtszeit die prachtvolle Krippe in Konzen zu besuchen. Mitsamt ihren reichlichen Ausschmückungen, ihren schönen Krippenfiguren, aber mit Sicherheit auch mit ihrem einzigartigen Sternenhimmel, ist sie ein echter Magnetpunkt für Besucher.

Und so machten sich auch in diesem Jahr Familien aus der Eifel, aus Aachen und sogar aus Luxemburg auf den Weg zur Krippe. Viele waren von weit her angereist um die Konzener Krippe zu bestaunen.

Doch in diesem Jahr enttäuschte die überregional weit bekannte Krippe die Massen. Der komplette linke Teil der Krippe mitsamt des großen Steins und dem Wasserlauf ist völlig verschwunden, und schon beim Betreten der Krippe, fällt auf, dass der große Sternenhimmel fehlt.

Die Zuschauer sind zutiefst enttäuscht, was sich besonders dem Gästebuch entnehmen lässt. „Wo ist die wunderschöne Krippe geblieben? Ich war total erschrocken über die „sparsame“ Krippe. Ich hoffe, nächstes Jahr wieder den alten Aufbau vorzufinden – seit 40 Jahren gehört der Gang zur Konzener Krippe zur Weihnachtszeit.“, schreibt Monika G..

Die Einträge scheinen sich alle zu ähneln oder zu ergänzen, denn fast jeder trauert der „alten Krippe“ hinterher. Eine Gruppe, welche seit langem zu den Besuchern der Krippe zählt ist ebenfalls betrübt über den Anblick: „Liebes Krippenteam, wir kommen mit unserer Gruppe seit 20 Jahren zu dieser Krippe und sind dieses Jahr sehr traurig die Krippe in diesem Zustand zu sehen. Sie muss unbedingt erhalten bleiben – in alter Form!!“

Doch dass diese Bitten wirklich Erfolg haben, bleibt unwahrscheinlich. Gertrud Reinartz, die seit zwölf Jahren Mitglied des Krippenteams ist, verrät den Hintergrund der verkleinerten Krippe. Der beliebte Sternenhimmel sei seit über 50 Jahren im Einsatz gewesen und nach sämtlichen Flicken und Nähen schließlich total verschlissen, erklärt sie.

Sie erinnert sich daran wie sie eines Nachmittags 180 neue Schlaufen für den Himmel nähen musste, da die bisherigen nicht mehr zu gebrauchen waren. Hinzu kommt, das vor zwei Jahren ein anderthalb Meter langer Riss in dem Tuch gefunden wurde, gerade als dieses an der Decke befestigt wurde, und jemand auf die sechs Meter hohe Leiter steigen musste um dort freihändig den Riss zu nähen. Das sei einfach zu gefährlich, und die zusätzliche Arbeit sei ebenfalls nicht mehr zu bewältigen.

Gertrud Reinartz erinnert sich noch gut daran, wie im vergangenem Jahr ein Mann nach dem mühsamen Aufhängen des Himmels sehr erschöpft zu ihr kam. „Da hab‘ ich gearbeitet, dass mach ich mein Leben nicht mehr.“ Und somit hatte der Himmel im vergangen Jahr seinen letzten großen Auftritt in der Konzener Kirche.

Die fehlende linke Seite der Krippe sei ebenfalls nicht mehr aufzustellen gewesen. Der große Stein sei unheimlich schwer und mit nur zehn beteiligten Krippenbauern m Alter von 75-80 Jahren einfach nicht mehr aufzustellen. Was fehlt, ist Unterstützung von unten. „Wir bräuchten vier bis fünf starke Männer aus der Gemeinde, die bereit sind den Stein aufzustellen“, erklärt Reinartz.

Es gibt also noch Hoffnung, nur den Himmel, den gibts nicht mehr.

Die Krippe, die vor 51 Jahren von Pastor Franz Jansen ins Leben gerufen wurde und von seiner Haushälterin Barbara Schillings tatkräftig unterstützt wurde, konnte aufgrund Spenden aufgebaut werden. Den Sternenhimmel entwarf Pastor Franz Jansen selbst mit der Besonderheit, dass dieser das Sternenbild der heiligen Nacht über Betlehem darstellte. Durch viele Reparaturen an dem Himmel seien immer wieder einige der aufgeklebten Sterne verloren gegangen und fest stehe, dass der Sternenhimmel einfach nicht mehr restauriert werden könne und auch ein neuer Himmel nicht mehr hergestellt würde.

Krippe kann wieder entstehen

Doch Gertrud Reinartz scheint trotz der vielen Kritik motiviert zu bleiben, denn mit etwas Hilfe könne das alte Bild der Krippe wieder entstehen. Und auch wenn viele Leute die Mühe nicht sehen, die hinter der Krippe steckt, ist sie stolz auf das was geleistet wurde.

Immerhin dauert der Aufbau eine Woche lang. Mit Unterstützung des Försters Jost kann die Krippe auch in diesem Jahr wieder so schön grün sein, freut sich Reinartz. Und auch das Eifelhaus und das Wasserrad seien eine Bereicherung und eine Besonderheit. Doch das scheinen die Leute nicht zu sehen, ihnen fehlt nur der Sternenhimmel.

Wie die Krippe im nächsten Jahr aussehen wird und ob sie überhaupt noch erhalten bleiben kann, stehe aufgrund der geplanten Umbauarbeiten der Kirche in den Sternen, da ein Drittel der Konzener Kirche demnächst abgerissen werden soll.

„Vielleicht ist im nächsten Jahr anstatt einer Krippe nur noch eine Baustelle in der Kirche“, bedauert Gertrud Reinartz.

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