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Konsum-Genossenschaft warnt: „Mindestlohn gefährdet Dorfläden“

Von: M. S.
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In eine ungewisse Zukunft blicken die Mitarbeiterinnen der Konsumgenossenschaft Eicherscheid. Die bundesdeutsche Einführung eines Mindestlohnes gefährdet akut die Existenz der Supermärkte in Eicherscheid, Rott und Rollesbroich. Foto: Manfred Schmitz

Eicherscheid. Zuerst die gute Nachricht, der berühmte Silberstreif am Horizont: Die negative Geschäfts-Entwicklung der „Konsum-Genossenschaft Eicherscheid e.G. Simmerath“ und ihre wirtschaftliche Talfahrt der Vorjahre konnte gestoppt werden. Das Berichtsjahr 2013 endete mit spürbarem Umsatzplus und einem Reingewinn von rund 1800 Euro. Doch die Freude über endlich erzielten unternehmerischen Erfolg erhielt prompt einen herben Dämpfer.

Denn die große Besorgnis erregende Nachricht lautete: Die vom Gesetzgeber derzeit mit Hochdruck und Wirkung ab 2015 vorbereitete Einführung des Mindestlohnes in Deutschland gefährdet, warnt Konsum–Vorstandsvorsitzender Hermann Gostek, „unsere drei Dorfläden ganz massiv, wir müssen mit Inkrafttreten der neuen fiskalischen Bestimmungen mit zusätzlichen und nicht verkraftbaren Personalkosten von jährlich 42.000 Euro rechnen. Die Schließung unserer Geschäfte in Eicherscheid, Rott und Rollesbroich droht und würde deren Aufgabe als bürgerfreundliche Nahversorger unlösbar machen.“

Vor rund 50 genossenschaftlichen Mitgliedern, Funktionsträgern und Gästen, die zur Generalversammlung in der Eicherscheider „Tenne“ erschienen waren, freute sich Aufsichtsratsvorsitzende Gabi Schütt zwar über den registrierten positiven Trend von Umsatz und Ertrag, aber: „Aufgrund gesetzlicher Pläne ist unsere Existenz aufs Neue und von uns nicht beeinflussbaren Faktoren in Frage gestellt, wir kämpfen nun ums Überleben!“

Die Sprecherin des neunköpfigen Kontrollorgans zeigte sich mit der Arbeit der Vorstandsmitglieder Hermann Gostek und Peter Huppertz „vollauf zufrieden, der Aufsichtsrat hat keinerlei Beanstandungen an beider Tätigkeit“. Schütt bezifferte die Zahl der Genossen auf momentan 670 (neun mehr als im Vorjahr). Diese Gesellschafter zeichneten Geschäftsanteile in Höhe von 1599 Euro. Die Vorsitzende vergaß nicht den „Dank an unsere freundlich–kompetenten Mitarbeiterinnen, die sich täglich vorbildlich um das Wohl unserer Kundschaft kümmern“, und appellierte an die Eicherscheider Dorfbevölkerung: „Tätigt eure Einkäufe für den täglichen Bedarf im Nahkauf, es geht um sein Überleben!“

Im Vorstandbericht listete Hermann Gostek Zahlen, Daten und Fakten der drei kooperierenden Läden auf. Danach betrug der Bruttoumsatz in Eicherscheid fast 517.000 Euro (das entspricht einem Plus von fast 5000 Euro). Rollesbroich schwächelt, ist das Sorgenkind der Märkte. Der Laden kam auf etwa 304.000 Euro Absatz (Minus von 637 Euro). Die Verantwortlichen in Rott erzielten fast 470.000 Euro, ein Plus von 40 Euro. Summa Summarum, konstatierte Gostek, wurde 2013 in allen Geschäften für knapp 1,3 Millionen Euro verkauft. Die Eicherscheider Photovoltaik-Anlage spülte im Berichtsjahr 6500 Euro in die Konsumkasse.

Die Zahl der im abgelaufenen Geschäftsjahr durchschnittlich Beschäftigten belief sich auf fünf Voll– und Teilzeitbeschäftigte sowie auf 29 Aushilfen. Der Wareneinsatz verbesserte sich im Berichtszeitraum um 1,4 Prozent und erreichte an die 77 Prozent, verglichen mit 2012. Der Nettoumsatz lag bei 1, 2 Millionen Euro und damit um 4230 Euro höher als im Rechnungsjahr 2012.

Im Bilanzjahr danach stiegen die Personalkosten auf mehr als 203.600 Euro und damit prozentual in Relation zum Umsatz von 16,8 auf 17,3 Prozent. Der Jahresgewinn, erläuterte Gostek, habe den in der Bilanz ausgewiesenen Fehlbetrag erfreulich auf gut 23.000 Euro reduziert. Solange dieses finanzielle Manko bestehe, könnten gekündigte Geschäftsanteile nicht ausgezahlt werden. Die Zahlungsfähigkeit der Genossenschaft sei nur bedingt gegeben.

Wege aus der Krise diskutiert

Vorstand und Aufsichtsrat riefen ihre Zuhörer mit eindringlichen Worten auf, „sich für den Erhalt der Standorte unserer Läden zu engagieren, und sei es durch Gründung einer Bürgerinitiative. Nach neuen Ertragswegen werde gesucht, Ideen seien gefragt, wenn sich auch nach der Hiobsbotschaft vom Mindestlohn zunächst Ratlosigkeit in der Tenne breit machte. Der Ruf nach Gründung eines Fördervereins wurde laut, ehrenamtlicher Einsatz Freiwilliger thematisiert, und die Kommunalpolitik um solidarische Hilfe ersucht. Fazit: „Wenn unsere Konsummärkte sterben, ist ein wertvolles Stück Dorfleben und Kultur unwiderruflich dahin!“

Ehe sich im Saal eine lebhafte Diskussion um Wege aus der Krise entfachte, galt es, drei Aufsichtsratsposten neu zu besetzen. Erich Förster und Marc Topp wurden wiedergewählt, Peter Treutwein dagegen schied nach sechsjähriger Verantwortung „aus persönlichen Gründen“ auf eigenen Wunsch aus dem Kontrollgremium.

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