bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Klare Ansage an die Roetgener Kommunalpolitiker

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
bourceau_bu
Silvia Bourceau, Fraktionsvorsitzende der UWG Roetgen. Foto: H. Giesen

Roetgen. „Wir sind keine Politiker. Wir sind eine Wählergemeinschaft. Ich bezeichne mich nicht als Politikerin. Ich bin als Ratsmitglied Vertreterin von Bürgerinteressen.”

Dieser Seitenhieb aufs politische Establishment in Roetgen war deutlich und verdeutlicht zugleich, wo es für die UWG und ihre Fraktionsvorsitzende Silvia Bourceau langgehen soll. Es geht um den Bürgerwillen.

Hätte sich vor allem die CDU in der Vergangenheit mehr am Bürgerwillen orientiert, gäbe es die UWG womöglich gar nicht. Doch das politische Gehabe der Jamaika-Koalition sei dermaßen unerträglich geworden, dass sich Roetgener Bürger entschlossen, dem parlamentarisch entgegenzutreten.

Die UWG kann mit 20,5 Prozent der Stimmen jetzt nicht nur entgegentreten, sie kann Einhalt gebieten - und sie muss beweisen, dass sie es besser macht als die von ihr Kritisierten.

Davor ist Silvia Bourceau nicht bange: „Wir werden in Roetgen das Rad nicht neu erfinden. Aber wir werden nahe an den Menschen bleiben, die Wünsche der Bürger erfragen und versuchen, sie im Rahmen unserer Möglichkeiten umzusetzen.”

Dabei weiß Silvia Bourceau nur zu gut, dass auch hin und wieder Entscheidungen zu treffen sind, die manchen Bürgern nicht schmecken werden. „Wir wollen den Leuten immer wieder vermitteln, warum wir so entschieden haben. Der Bürger ist klug genug, um das zu verstehen.” Neben der Transparenz soll dabei die Teamarbeit der große Pluspunkt bei den Unabhängigen sein.

Dass Silvia Bourceau zur Fraktionsvorsitzenden gewählt worden ist, kommt nicht von ungefähr: Sie hat eines der beiden Direktmandate der UWG geholt, hat in Prozenten die meisten Stimmen bekommen und ist die einzige Frau in ihrer Fraktion Wenn nicht jetzt, wann dann? Respekt hat die vierfache Mutter (Kinder zwischen zehn Jahren und fünfeinhalb Monaten alt) vor ihrer neuen Aufgabe, „aber keine Angst”.

Mit der Politik in Berührung gekommen ist die 39-jährige Versicherungskauffrau im Jahr 2003, als eine Gruppe der Kita geschlossen werden sollte und sie sich als betroffene Mutter an den Protesten beteiligte.

Die Kinder wurden älter und das Thema Schule stand an. Seitdem weiß Silvia Bourceau, wovon sie redet, hat ungezählte Sitzungen im Rathaus besucht - und dabei, quasi nebenbei, vieles über andere politische Themen in der Gemeinde mitbekommen.

Abschaffen will die UWG so schnell wie möglich die bürokratischen Hemmnisse bei der Bürgerfragestunde. Bürger sollen sich künftig nicht mehr nur an den Bürgermeister, sondern auch an alle Fraktionsvorsitzenden wenden können.

In der Sache „gegessen” ist das Thema Schulerweiterung auch für die UWG. Silvia Bourceau: „Wir sind nicht so blauäugig anzunehmen, dass wir noch irgendetwas ändern können. Aber wir wollen die Funktionalität der Schule sichern.”

Will heißen: Die Schule soll nicht nur optisch ein Schmuckstück werden, sie soll auch vernünftig genutzt werden. Zum Beispiel der Bürgersaal, den Bourceau mit einer Tiefgarage vergleicht: „Es passt nicht zusammen, dass im Saal abends Lachshäppchen gereicht werden und der Saal am Morgen danach als Pausenhalle bei Regen dient.”

Deshalb will die UWG versuchen, Politik, Vereine und Kulturschaffende an einen Tisch zu bringen, um ein Nutzungskonzept auf die Beine zu stellen. Silvia Bourceau: „So etwas macht man normalerweise, bevor man anfängt zu bauen.”

Doch eine weitaus größere Sorge treibt die Fraktionschefin um und verbindet sie mit Bürgermeister Manfred Eis.

Bourceau: „Ich habe die Befürchtung, dass die sechs Millionen Euro Gesamtkosten nicht ausreichen. Weil der Betrag aber gedeckelt ist und nicht erhöht werden kann, muss auf etwas verzichtet werden. Ich gehe davon aus, dass nicht genügend Geld übrig bleibt, um das vorhandene Schulgebäude zu sanieren.”

Was die UWG möglichst rasch wieder aufs politische Tapet bringen will, ist ein Aldi-Markt für den Ort. Vorschlägen, man möge stattdessen lieber Textil und Elektronik ansiedeln, kann Silvia Bourceau nichts abgewinnen: „H & M oder Media-Markt stehen nicht in den Startlöchern, um nach Roetgen zu kommen.”

Ein Aldi-Markt, seit Jahren ein Reizthema im Rat, böte hingegen die Chance, Kaufkraft im Ort zu binden und Einnahmen aus der Gewerbesteuer im Gemeindesäckel klingeln zu lassen. Bourceau: „Wer zum Einkauf nach Simmerath, Imgenbroich oder Walheim fährt, der kauft dort alles ein. Wer in Roetgen zu Aldi geht, der geht auch anschließend zum Blumenladen und zum Schreibwarengeschäft um die Ecke. Der Einzelhandel würde von einem solchen Markt profitieren.”

Arbeit für die Jugend

Schluss sein soll in Roetgen in Zukunft mit „Verboten und Aussperrungen” für Jugendliche. Wer gute Ideen habe, wie die Jugendarbeit in der Gemeinde neu zu entwickeln sei, der sei bei der UWG willkommen. Dass Jugendarbeit funktionieren könne, zeige das Beispiel Simmerath mit seinem Jugendcafé.

Es gibt also viel zu tun für das neue Quintett im Gemeinderat, das „gradlinig und im Team” die Sorgen und Wünsche der Roetgener Bürger aufgreifen will. Silvia Bourceau: „Wir haben den Eindruck, dass die bisherigen Ratsparteien ihre Basis, den Bürger, verloren haben. Ich hoffe, dass wir niemals einen so abgehobenen Eindruck machen. Wir dürfen die enge Bindung zu unserer Basis nicht verlieren.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert