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Kesternichs Sankt Martin geht in Rente

Von: ani
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Von Kindern und Tüten mit Weckmännern umgeben: Ludwig Wirtz (73) aus Kesternich schlüpfte zum letzten Mal in die Rolle des St. Martin und wurde anschließend im Pfarrheim unter anderem von Pfarrer Stoffels und dem Ortskartellvorsitzenden Georg Stollenwerk (li.) verabschiedet. Foto: A. Hoffmann

Kesternich. Wer am Freitagabend auf der B 266 in Richtung Kesternich unterwegs war, sah schon kurz hinter Strauch auf der Kesternicher Höhe einen mächtigen Feuerschein, der sich beeindruckend gegen den dunklen Abendhimmel abhob.

Kesternich feierte das alljährliche St. Martinsfest, wozu sich ein großer Zug von Kindern und Erwachsenen mit Laternen und „Rabimmel, rabammel, rabumm“ in Begleitung von Feuerwehr und dem Musikverein Diana mit Ludwig Wirtz an der Spitze aufgemacht hatte.

Für den 73-jährigen Kesternicher war es in ununterbrochener Reihenfolge die 34. Teilnahme am Umzug zu Ehren des populären Heiligen der katholischen Kirche, wobei Wirtz dabei stets in besonderer Funktion und hoch zu Ross unterwegs war. Seit 1980 schlüpfte er mit großer Freude in die Rolle des St. Martin und sorgte für unzählige strahlende Kinderaugen.

Jetzt aber ist damit Schluss, Ludwig Wirtz zog den Martinsmantel zum diesjährigen Kesternicher Zug letztmalig an. Die Rolle des Martin von Tours wird im nächsten Jahr in Kesternich jemand anders übernehmen müssen.

Nach dem Abbrennen des Feuers war es zurück ins Dorf gegangen, wo Pastor Michael Stoffels in der Pfarrkirche St. Peter und Paul die gesamte Zuggemeinde und natürlich den mit dichtem weißen Haar und langem Bart versehenen St. Martin begrüßte. Nach einem kurzen Wortgottesdienst, bei dem die altbekannten Martinslieder gesungen wurden, stand für diesen dann Akkordarbeit an.

Die von den Kindern heiß begehrten Tüten mit Weckmännern und allerlei Leckereien wurden von Ludwig Wirtz mit Hingabe und Geduld an die „Pänz“ übergeben. Trotz des üblichen Gedrängels ließ sich der altgediente Kesternicher St. Martin dabei nicht aus der Ruhe bringen und hatte manch freundliches Wort für die teils ehrfurchtsvoll anstehenden Kinder übrig.

Der Ortskartellvorsitzende Georg Stollenwerk hatte anschließend für den lang gedienten Kesternicher Sankt Martins im Pfarrheim einen kleinen Abschiedstermin organisiert.

Pastor Michael Stoffels, der Wirtz für seinen jahrelangen Einsatz dankte, erinnerte sich in seiner Laudatio an ein „erschreckendes“ Erlebnis aus seiner Kindheit. „Irgendwann erklärte uns zum allgemeinen Entsetzen unser Lehrer, dass es gar keinen St. Martin gibt“. Damals sei man sich dann aber schnell einig gewesen, dass der Lehrer gelogen habe.

Zur allgemeinen Überraschung stimmte Pastor Stoffels dann noch in original Eifeler Mundart ein altes Martinslied an, wozu Ludwig Wirtz anmerkte: „Jetzt bin ich schon so lange dabei, aber das habe ich noch nie gehört“.

Ärger mit dem Pferd

Natürlich dankte auch Ortsvorsteher Ulrich Offermann Ludwig Wirtz für sein Engagement. „Dieses Jubiläum ist sicher so etwas ähnliches wie eine Goldhochzeit“, meinte der Ortsvorsteher, der zudem erklärte, dass er der Vorgänger von Wirtz in der Rolle des St. Martins gewesen sei. Das sei allerdings schon lange her und eine einmalige Angelegenheit gewesen. Hierzu erinnerte sich der Ortsvorsteher auch heute noch mit Grauen an seinen Kampf mit einem aufbäumenden Pferd, so dass er nach dem Umzug sogleich erklärt hätte: „Für nächstes Jahr müsst ihr euch einen anderen suchen!“

Das war dann Ludwig Wirtz, der zu seinen Erfahrungen mit dem besten Freund des Menschen festhielt: „Jedes Pferd ist anders. Da können aus einem PS mal ganz schnell zehn PS werden...“

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