Kein Kind muss Weihnachten allein bleiben

Von: Andreas Gabbert
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Jasmin ist vorbereitet: Die Geschenke sind verpackt und eine Gedicht hat sie für das Weihnachtsfest auch noch vorbereitet. Die Zehnjährige lebt mit ihren beiden Schwestern und fünf anderen Kindern in der Außenwohngruppe des Stolberger Agnesheims in Monschau. Foto: A. Gabbert

Monschau. Die Geschenke hat Jasmin liebevoll eingepackt und dann gleich unter ihrem Bett versteckt, ein Gedicht hat sie auch schon vorbereitet. Die Zehnjährige erzählt begeistert von den Weihnachtsvorbereitungen in der Außenwohngruppe des Stolberger Agnesheims in Monschau, wo sie mit ihren beiden älteren Schwestern und fünf anderen Mädchen und Jungen im Alter zwischen zehn und 17 Jahren lebt. Jasmin ist die Jüngste von ihnen.

Das Weihnachtsfest wird sie wie die meisten anderen Kindern in der Außenwohngruppe wieder ohne ihre Eltern verbringen. Über die Gründe wird jetzt aber nicht gesprochen, das Mädchen soll nicht an seine Vergangenheit erinnert werden.

„Nach dem Frühstück machen wir normalerweise einen Spaziergang, dieses Jahr gehen wir aber Schlittschuhlaufen, während Torsten und Marc (zwei von fünf Betreuern in der Außenwohngruppe) alles vorbereiten und den Tisch decken“, erklärt Jasmin mit leuchtenden Augen. Zum fünften Mal feiert sie jetzt Weihnachten in dem Kinderheim. Gefeiert wird im Agnesheim schon am 23. Dezember, damit die Kinder am Heiligabend zu Verwandten und die Betreuer zu ihren Familien können.

 

Großer Tisch zu klein

Nach dem Schlittschuhlaufen haben die Kinder noch einen Termin beim Friseur in Imgenbroich. Die Inhaberin hatte vor einigen Wochen im Agnesheim angerufen und vorgeschlagen, dass die Kinder Wunschzettel schreiben, die dann von den Kunden eingelöst werden.

Wenn die Kinder dann nach Hause kommen, wird ein Gruppenfoto gemeinsam mit allen Betreuern gemacht.

In dem gemütlich eingerichteten Wohnzimmer des Einfamilienhauses an der Laufenstraße steht ein großer Adventskranz auf dem Tisch, selbst gebastelte Sterne aus Papier schmücken die Fenster und Plätzchen stehen auf dem großen Tisch. Zudem wird noch ein weiterer gestellt, damit auch alle an die Tafel passen. In diesem Jahr gibt es zwei verschiedene Fleischsorten, Gemüse, Kroketten, Gratin und viele andere leckere Sachen.

Geschenke sind zweitrangig

Natürlich dürfen auch die Geschenke für die Kinder nicht fehlen. Vor wenigen Stunden haben sie sich noch im Büro der Betreuer gestapelt, jetzt liegen sie nett hergerichtet unter dem Weihnachtsbaum, den die Kinder geschmückt haben. „Die Jugendämter zahlen für die Geschenke der Kinder eine Pauschale, hinzu kommen die Spenden einiger Hilfsprojekte“, sagt der Leiter der Außenwohngruppe, Torsten Friedrich-Thomé. Untereinander wichteln die Kinder und die Betreuer.

Die Kinder haben auch selbst etwas gespendet. Sie haben bei der Weihnachtskistenaktion der Tafel, unserer Zeitung und dem WDR mitgemacht und zusammen eine Kiste mit Malblöcken, Stiften Dominosteinen, Tee, Nudeln, Kaffee und anderen nützliche Dingen gepackt.

Während die Betreuer das Essen abräumen (sonst machen das die Kinder selbst) macht es sich Jasmin auf ihrem Lieblingsplatz bequem, dem großen gemütlichen Sitzsack gleich neben der Couch, auf der die anderen sitzen. Nun ist Zeit, die Geschenke zu begutachten und zu spielen.

Die Geschenke sind für Jasmin aber nur zweitrangig. „Das Schönste ist, dass wir mit allen Betreuern zusammen essen“, sagt sie und strahlt dabei über das ganze Gesicht.

Besonders freut sie sich auch schon auf den Heiligen Abend, dann fährt sie mit ihren Schwestern zu ihrer Tante. Fast alle gehen heute zu Verwandten – zur Patentante oder zur Oma. Nur eines der Kinder bleibt heute in der Außenwohngruppe, aber nicht allein. Ausnahmsweise darf die Mutter über Nacht zu Besuch kommen und eine Betreuerin wird auch noch dabei sein.

Die älteste Bewohnerin der Außengruppe wird über Weihnachten ausziehen. Sie hat inzwischen einen Ausbildungsplatz und eine eigene Wohnung gefunden. Ihren Platz wird am zweiten Weihnachtstag ein sechsjähriger Junge aus dem Haupthaus in Stolberg einnehmen. Dann wird Jasmin nicht mehr die Jüngste sein.

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