Monschau - Kaum einer wirft Müll in Nachbars Tonne

Kaum einer wirft Müll in Nachbars Tonne

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Seit Mai wird der Monschauer Müll gewogen. Verwaltung ist mit dem neuen System zufrieden. Foto: H. Schepp

Monschau. Seit einem halben Jahr, wird in den Ortschaften der Gemeinde Monschau der Müll gewogen, zum 1. Mai 2009 wurde das Ident- und Wiegesystem eingeführt. „Verursachergerechtigkeit” lautete das Stichwort.

Wer weniger Restmüll produziert, zahlt weniger, wer viel Müll produziert, zahlt mehr. Jede Mülltonne bekam einen Transponder, der eine eindeutige Zuordnung zum jeweiligen Haushalt ermöglicht und dann wurde gewogen. Die Daten werden an einen Bordcomputer übermittelt und dann an die Stadt weitergegeben. Auf dieser Basis wird dann eine verursacherbezogene Gebührenrechnung erstellt.

Technik funktioniert

„Technisch funktioniere das System einwandfrei”, erklärt Bürgermeisterin Margareta Ritter. Das Belohnungsprinzip wirke, die Hausmüllmengen seien um 47 Prozent zurückgegangen.

Und das nicht etwa, weil die Menschen jetzt mehr Müll in den Wald fahren. „Eine Zunahme von Schwarzmüll haben wir nicht festgestellt”, betont Ritter. Und auch im gelben Sack, dessen Inhalt kontrolliert wird, wurde kein versteckter Hausmüll gefunden. „Ich glaube eher, dass die Verpackungen, die in den gelben Sack hineingehören, jetzt auch dort hineingetan werden”, sagt Ritter. Auch die Eigenkompostierung hat in den vergangenen Monaten einen Aufschwung erfahren. Es sind viele Anträge bei der Stadt eingegangen. In der Diskussion um die neue Tonne tag sich das nette Wort.

In den Debatten um das neue Müllsystem kam das Wort „Fremdeinwurf” ans Tageslicht. Ein behördendeutscher Ausdruck für die Tatsache, dass nachts finstere Gestalten einfach ihre Müllsäcke in anderleuts Tonne stopfen. Doch die befürchteten Machenschaften sind ausgeblieben. Das hat Ritter auch in ihren Gesprächen mit den Bürgern festgestellt. Zwar gäbe es hier und dort kleine Zwischenfälle, allerdings war wohl auch der ein oder andere Nachbarschaftsstreich darunter. Alles eher im Bereich des amüsanten, denn des kriminellen. Und die „Täter waren schnell gefasst.

Skeptische Bürger können ihre Mülltonne dennoch mit einem Schloss verriegeln. Das ist aber nicht sonderlich gefragt. Etwa 200 Haushalte haben ein solches Schloss, seit Mai sind es nicht mehr geworden. Wohl ein Zeichen dafür, dass die Nachbarn einander vertrauen.

Und auch in der Altstadt seien es eher „theoretische als praktische Probleme” gewesen. Nur an wenige Häuser kommt das Müllauto nicht ran und auch die Befürchtung, die großen Tonnen würden nicht in die kleinen Häuser passen, sind laut Margareta Ritter Vergangenheit.

Geld zurück

Auf der Basis von Berechnungen hatten die Haushalte zuzüglich zu den 4,85 Euro Grundgebühr eine Pauschale zu zahlen. Der starke Rückgang in den Müllmengen lasse - so sieht es die Verwaltung - darauf schließen, dass sich die Haushalte, die sauber getrennt und nicht aus Bequemlichkeit alles in die graue Tonne werfen, über Rückerstattungen freuen dürfen, denn pro Kilogramm Müll zahlen sie 28 Cent. Aufgrund der Zahlen in diesem Jahr, werden dann die neuen Gebühren berechnet. Die werden dann im Dezember bekannt gegeben. Dürften aber, wie die Rückerstattungen vermuten lassen, niedriger werden als in diesem Jahr.

Geld zurück

Für Familien mit kleinen Kindern oder die Angehörigen von pflegebedürftigen Personen gibt es die „Pampers-Regelung”. Für einen Euro können extra Beutel für Pampers angeschafft werden, die dann nicht extra gewogen werden müssen. Die Stadt subventioniert diese Entsorgung mit 1,10 Euro, eine freiwillige Ausgabe. Der Beutel wird stark nachgefragt, sagt Ritter.

Die Altpapier-Sammlung übernehmen in der Gemeinde die Vereine, die Stadt zahlt ihnen dafür einen Preis von 21,50 Euro pro Tonnen. Die Vereine fahren es zu Entsorgung Förster, der es verkauft. Für den Transport bekommmt das Unternehmen Geld von der Stadt. Sind die Einnahmen dank des Papierpeises hoch, trägt auch die Stadt einen Nutzen davon und bekommt Geld vom Entsorgungsunternehmen.

Mit diesem Überschuss könnte dann zum Beispiel die Subvention für die Windelsäcke finanziert werden. Doch der Preis für Papier ist vor einiger Zeit schwer abgerutscht. „Die Vereine sollten für ihre Mühen aber nicht weniger Geld bekommen”, betont Ritter. Nett, aber kein lukratives Geschäft für die Stadtkasse. Da der Papierpreis sich wieder stabilisiert wird die Geschichte für die Stadt wohl plus minus Null ausgehen.

Jetzt bleibt abzuwarten, wie das Wiegesystem im Winter funktioniert, wenn matschiger Schnee das Gewicht der Tonnen erhöht. Wo bliebe denn da die Verursachergerechtigkeit?, fragen sich die Zahlenden. Ob die Müllabfuhr dann erst den Besen schwingt?
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