Konzen - Karl-Heinz Stoffels: Priester, um für die Menschen da zu sein

Karl-Heinz Stoffels: Priester, um für die Menschen da zu sein

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Pfarrer Karl-Heinz Stoffels wird am Samstagabend als neuer Pfarrer der Konzener Kirchengemeinde eingeführt. Foto: Sarah Maria Berners

Konzen. Am Samstagabend wird <b>Karl-Heinz Stoffels (43)</b> als neuer Pfarrer der Gemeinde Konzen eingeführt. <b>Sarah Maria Berners</b> sprach vor der Feier mit dem Priester, der nun vier Gemeinden betreut, über die Personalsituation in der Kirche, die Konsequenzen für einen Pfarrer und die Schwierigkeiten, die Menschen noch für die Kirche und den Glauben zu begeistern.

Vor einer Generation hatte noch jedes Dorf seinen Pfarrer, in Monschau wird es mit Ihnen jetzt einen Pfarrer für vier Orte geben. Wie viele werden es künftig sein?

Stoffels: Der Priestermangel ist ein Problem der gesamten westlichen Welt und so auch in der Nordeifel. Wenn Pfarrer Schnitzler Ende des Jahres pensioniert wird, brauchen Kalterherberg, Rohren und Höfen einen neuen Pfarrer. Aber zuerst müssen die Pfarrgemeinderäte entscheiden, ob sie mich überhaupt haben wollen.

Ist die Auswahl denn groß?

Stoffels (lacht): Es gibt nicht viele Alternativen.

Hatten Sie sich Ihr Priesteramt so vorgestellt?

Stoffels: Als ich 1986 mein Abitur machte und mich dann entschied, Priester zu werden, hatte noch jedes Dorf einen Pfarrer. Dass das nicht immer so bleibt, wusste ich. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es mal nur einen Pfarrer für so viele Gemeinden geben wird.

Warum entscheiden sich so wenige für das Priesteramt?

Stoffels: Früher haben viele Menschen durch den Eintritt in einen Orden oder das Priesteramt eine Verwirklichung ihres Lebens erfahren. Heute gibt es viele andere Möglichkeiten. Außerdem denke ich, dass der Mangel stark mit dem Zölibat zusammenhängt. Aber der Zölibat macht natürlich auch frei. Wer Familie hat, kann nicht immer da eingesetzt werden, wo er gebraucht wird, sondern ist gebunden.

Welche Rolle werden Laien und Diakone künftig spielen?

Stoffels: Auch bei den Gemeindereferentinnen und Diakonen gibt es leider zu wenig Nachwuchs.

Würde es helfen, wenn sich die Kirche für Frauen öffnen würde?

Stoffels: Ich glaube, nicht. Natürlich sagen einige Frauen, dass sie gerne Priesterin würden, wenn sie könnten. Das ist leicht zu sagen, solange man nicht darf. Ich glaube, dass auch hier der Zölibat einen erheblichen Einfluss hätte.

Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus?

Stoffels: Ich bin ein Frühaufsteher und habe morgens etwas Zeit für mich, in der ich auch bete. Danach fahre ich in die Pfarrbürozentrale in Imgenbroich. Ich mache Krankenbesuche, Brautgespräche, nehme die Beichte ab, führe viele Telefonate und bereite Gottesdienste vor. Nachmittags lege ich mir keine Termine zwischen 14 und 16 Uhr, damit dort Raum für Beerdigungen ist.

Kommen seelsorgerische Aufgaben manchmal zu kurz?

Stoffels: Leider ja. Wenn jemand anruft und ein Problem hat, dann versuche ich, so schnell wie möglich da zu sein. Das ist mir sehr wichtig und darum bin ich schließlich auch Priester geworden. Ich möchte die Botschaft Jesu verkünden und auch Jesus war immer für die Menschen da. Aber die Leute haben auch Verständnis. Sie wissen, dass ich viele Pfarren betreue.

Mit welchen Einschränkungen müssen Gemeinden rechnen, wenn ein Pfarrer für vier oder mehr Orte zuständig ist?

Stoffels: Ich kann nicht so viele Gottesdienste halten, wie ein Pfarrer, der nur eine Gemeinde betreut. Mir ist aber wichtig, dass jede Gemeinde einen eigenen Sonntagsgottesdienst hat. Die Anzahl der Gottesdienste hängt natürlich auch davon ab, wie viele Subsidiare bereit sind, noch Messen zu halten. Aber ich muss auch dafür Sorge tragen, dass sich die Subsidiare nicht überfordern. In diesem Jahr verändert sich sehr viel, es ist quasi ein „Probejahr”. Nächstes Jahr wird sich dann entscheiden, wie wir die Gottesdienste dauerhaft organisieren.

Wie viele Messen halten sie pro Woche?

Stoffels: Es gibt derzeit jeweils zwei Werktagsgottesdienste in den Gemeinden und dann jeweils einen Sonntagsgottesdienst, dann noch eine Messe in Imgenbroich für den Gemeindeverbund und jeden Tag eine Messe im Altenheim.

Das sind 17 Messen. Wie schaffen Sie das?

Stoffels: Für die Werktagsgottesdienste ist keine aufwändige Vorbereitung nötig. Für die Sonntagsgottesdienste muss ich schon einige Vorbereitungszeit einplanen, schließlich will ich den Menschen ja auch etwas mit auf den Weg geben. Sehr viel Arbeit wird es, wenn in dem einen Ort das Feuerwehrauto eingeweiht wird, im zweiten Patronatsfest ist und im dritten Dorf Kirmes gefeiert wird.

Nachwuchsprobleme gibt es nicht nur bei den Priestern, sondern auch bei den Gottesdienstbesuchern. Kann die Kirche Kinder und Jugendliche noch begeistern?

Stoffels: Kinder haben ein sehr großes Interesse. Das merke ich im Kommunionunterricht. Allerdings sind die Kinder schon bald nach der Kommunion nicht mehr so ansprechbar. Und auch manche Eltern sind froh, wenn sie jetzt nicht mehr in die Kirche müssen. Aber dennoch ist es mir wichtig, diese Vorbereitung gut zu machen, um den Kindern etwas mit auf den Weg zu geben. Die Erfahrungen und die vermittelten Werte nehmen die Kinder mit. Die Kommunion ist für uns eine Chance, bei den Kindern Interesse für Glauben, Kirche und Gemeinde zu wecken.

Gibt es unter den Kommunionkindern einen Messdienermangel?

Stoffels: Nein. Fast die Hälfte der Kommunionkinder dienen später in der Messe. Allerdings gibt es auch Eltern, die ihren Kindern abraten, vermutlich auch ein wenig, um sonntags selber nicht aufstehen zu müssen.

Was kann Kirche Kindern und Jugendlichen geben?

Stoffels: Viele Jugendliche denken über sich selber nach und haben noch nicht zu sich selber gefunden. Es ist nie verkehrt, sich ein wenig Zeit zum Nachdenken zu geben. Der Alltag hindert viele aber daran. Wenn gleichzeitig eine Sportveranstaltung ist, kommt natürlich kein Jugendlicher in die Kirche - und es ist gut, dass sie in den Vereinen aktiv sind. Eine Zeit der Stille im Gottesdienst tut aber auch gut.

Immer wieder wird in Kirchen etwas zerstört oder gestohlen. Werden die Kirchentüren verriegelt?

Stoffels: Unsere Kirchen sind und bleiben offen. Viele Menschen gehen in die Kirchen, um eine Kerze anzuzünden. Das sind auch Leute, die die Gottesdienste nie besuchen. Es ist mir wichtig, die Kirchen offen zu halten, damit diese Leute dort hingehen können, wann sie wollen. Jeder kann die Kirchen besuchen und das wird auch genutzt.

Manche Menschen kommen nur noch zu Ostern und Weihnachten in die Kirche. Stört Sie das?

Stoffels: Nein. Ich bin froh, dass die Leute kommen. Sie kommen an diesen Tagen ganz bewusst. Ich kann die Leute dann ansprechen, die ich sonst das ganze Jahr über nicht sehe. Das ist eine Chance, um ihnen etwas mit auf den Weg zu geben. Wenn die Leute dann sagen „Das tut mir gut”, dann freue ich mich. Natürlich würde ich mich freuen, wenn die Leute öfters kommen würden. Aber dieser Illusion gebe ich mich nicht hin. Jeder muss für sich selber entscheiden. Ich mache da niemandem einen Vorwurf.

Wie kann Kirche lebendig bleiben?

Stoffels: Das wird sehr viel auf die Gemeindemitglieder selber ankommen. Sie müssen die Kirche mit Leben füllen. Es ist heute schwierig, Menschen für Engagement zu begeistern, erst recht, sie zeitlebens zu binden. Viele sehen eine aktive Phase im Pfarrgemeinderat, aber auch in den Vereinen eben als Phase, die irgendwann endet.
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