Kampfhäuser in Wollseifen nur noch für Fledermäuse

Von: P. St.
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Mehr als die Hälfte der Kampfhäuser in Wollseifen ist jetzt abgerissen worden. So lautete der Kompromiss. Der Blick auf die ehemalige Pfarrkirche ist dadurch freier geworden. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Ungemütlich ist es in Wollseifen. In diesen Tagen verläuft sich kaum ein Mensch in der Wüstung. Auch der Eifelsteig, der quer durch das „tote Dorf“ verläuft, ist derzeit kaum gefragt. Dabei gibt es hier im Augenblick einiges zu sehen. Eine Reihe von Kampfhäusern ist abgerissen worden; der Ort wirkt verändert.

Der Blick auf die einstige Pfarrkirche St. Rochus ist freier geworden. Die Betontreppen-Aufgänge zu den noch bestehenden Kampfhäusern aus Kalksandstein sind abgetrennt worden. Betreten verboten.

Heftig debattiert wurde seinerzeit, ob die Kampfhäuser in Wollseifen aus Verkehrssicherungsgründen abgerissen oder als Erinnerung an den Kalten Krieg für die Nachwelt erhalten werden sollten.

Schließlich fanden die Kontrahenten einen Kompromiss, indem nur ein Teil der Kampfhäuser vom Nationalpark-Forstamt abgerissen wurde. Die restlichen Gebäude, die lediglich aus verwinkelten Räumen und Betontreppen bestehen, werden demnächst gesichert.

Ab April, wenn der Winterschlaf der Fledermäuse beendet ist, sollen in den Gebäuden Quartiere für sie und für Amphibien geschaffen werden. Das Ganze bewältigt die Forstverwaltung mit Ausgaben von 250 000 Euro.

Insgesamt gibt es in Wollseifen drei Generationen von Kampfhäusern, erklärt Peter Joerißen, Leiter des Fachbereichs Zentrale Dienste beim Nationalpark-Forstamt.

Von den Engländern wurden in den 50er Jahren Ziegelsteinbauten errichtet, in denen die Soldaten übten. In den 60er und 70er Jahren bauten die Belgier Kampfhäuser aus Bimsstein, und in den 90er Jahren schließlich die Kalksandsteinhäuser in der Nähe der Wollseifener Kirche.

Letztere dienten zum Üben des Häuser- und Straßenkampfes während des Bürgerkriegs 1991 in Jugoslawien.

Eigentümerin der Kampfhäuser ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Sie stellte beim Kreisbauamt den Antrag, die Häuser abzureißen, da Wände teils schon eingestürzt waren und der Abriss auch dem Naturschutz zugute komme.

Denkmalschützer und Politiker – allen voran CDU und SPD im Euskirchener Kreistag – machten sich für den Erhalt der Bauten stark. Nach einer denkmalschutzrechtlichen Überprüfung wurde der Kompromiss gefunden.

Mit dem Abriss wurde im Dezember begonnen.

Insgesamt befanden sich auf dem Gelände 51 Häuser und Hausattrappen. 32 davon stammen aus der ersten und zweiten Generation, je sechs davon werden erhalten. Von den 19 Kalksandstein-Bauten wurden zehn abgerissen, so dass ein deutlich ungestörter Blick auf die Wollseifener Kirche entstanden ist.

„Damit wurde das Denkmal Kirche auch aufgewertet“, sagt Joerißen. Die verbliebenen Kampfhäuser vermittelten seiner Ansicht nach einen guten Eindruck von der ehemaligen „Übungsstraße“, die die Belgier errichteten.

Auch Übungsstände verschwanden bis auf den unteren Teil des Mauerwerks. Von den abgerissenen Häusern werden die unterirdischen Keller und die Grundmauern als Bodendenkmal erhalten. Beseitigt wurde auch das 10 mal 80 Meter große Haus des Dorfes Vogelsang. Gerade dieses unterkellerte Gebäude direkt am Wanderweg habe eine extreme Gefahr dargestellt, so Joerißen.

Die verbliebenen Kampfhäuser werden zugemauert, gefährliche Treppen ohne Geländer entfernt und einzelne Gebäude mit Türen versehen. Sie sollen Fledermäusen und Amphibien als Unterschlupf dienen. Die Fledermäuse können durch die offenen Fenster im Obergeschoss oder Schlitze im oberen Bereich der Türen in die Häuser fliegen.

Für Amphibien werden unten an den Türen Schlitze angebracht, durch die sie in die Gebäude gelangen. Innen werden Sicherheitsvorkehrungen getroffen, damit die Amphibien nicht in die Keller fallen und darin verenden.

Zwei unterirdische Gänge im Gelände sollen ebenfalls als Quartiere für Fledermäuse und Amphibien hergerichtet werden – frostsicher und zugfrei. Das Nationalpark-Forstamt habe inzwischen auch alte Westwallbunker vom Bund erworben und für den Schutz der Fledermäuse hergerichtet.

Die Zusammenarbeit mit Denkmalbehörde und Kreis-Bauamt habe gut funktioniert, sagt Joerißen. „Ich denke, es wurde ein guter Kompromiss gefunden“, lautet sein Fazit: „Die Gefahren wurden beseitigt, Denkmäler gesichert und wesentliche Biotop-Verbesserungen werden durchgeführt.“

Im Frühjahr soll auch der Wanderweg komplett überarbeitet werden.

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