Kammerchor: Gekonnter Konzertauftakt in neuer Kirche

Von: js
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Der Kammerchor Hardtberg aus Bonn-Duisdorf darf erstes Konzert nach der Sanierung der Kirche geben. Dirigent Christian Sondermann (rechts) griff für das Konzert zu besonderen Techniken. Foto: Josef Schreier

Monschau. Pfarrer Jens-Peter Bentzien sprach geradezu von einem kleinen Stück Kirchengeschichte. Zum ersten Mal in der nach Jahren der Sanierung neu zugänglichen und neu benannten Evangelischen Stadtkirche Monschau öffnete sich die Kirchentür für ein Chorkonzert.

Im neu gestalteten Kirchenraum ergab sich für die Besucher ein neues Raumgefühl und eine neue Akustik: klar, wenn auch ein wenig „hallig“. Die alten, etwas steifen Kirchenbänke waren verschwunden, so dass die Zuhörer in unmittelbaren Kontakt zu den Mitwirkenden kamen.

Der Kammerchor Hardtberg aus Bonn-Duisdorf unter den Leitung von Christian Sondermann besteht aus neun Sängerinnen und Sängern, einschließlich des mitsingenden Dirigenten. Es schien fast, als habe der Chor sein Programm auf den Neuanfang der Monschauer Kirche abgestimmt. Denn zu hören waren geistliche Gesänge, die mit dem Thema Aufbruch und Weg zu tun hatten. Begleitet wurden die Chorstücke von meditativen Gedanken, die von der Sängerin Elke Bauer vorgetragen wurden. So wurde das Konzert auch zu einer intensiven geistlichen Stunde.

Sie musikalische Qualität des Ensembles zeigte sich vor allem durch die Größe des Chors, weil die Geringe Anzahl nahezu solistische Fähigkeiten eines jeden Sängers abverlangt. Insbesondere die Sopranstimmen, die naturgemäß besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, stachen hervor. Kleine Unsicherheiten im Zusammenklang der Stimmen waren selten hörbar.

Experiment Sprechgesang

Im Programm fielen besonders die neueren Stücke auf. Zwei Kompositionen steuerte der Dirigent Christian Sondermann selber bei, die beide sehr beeindrucken konnten. Da war einmal ein Chorsatz des bekannten Bonhöffer‘schen Liedes „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.

Zudem griff Sondermann in einem Satz mit Versen aus Psalm 18 zu experimentellen Mitteln wie etwa dem Sprechgesang. Ebenso eindrucksvoll war ein Stück des jungen Eifeler Komponisten Simon Wawer mit einem Text aus Psalm 91 („Denn er hat seinen Engeln befohlen“), welches durch ein integrierte Sopransolo sehr bewegte. Bemerkenswert im gleichen Zusammenhang des zeitgenössischen estnischen Komponisten Arvo Pärt „Morning Star“ nach einem Text des Heiligen Beda Venerabilis.

Diese modernen und sehr anspruchsvollen Stücke wurden vom Kammerchor Hardtberg in mustergültiger Weise gemeistert und dargeboten. Das Entsprechende gilt natürlich auch vom „klassischen“ Repertoire, das sich von Henry Purcell und J.S. Bach über F. Mendelssohn-Bartholdy bis zu Max Reger und Joseph Rheinberger erstreckte. Von Letzterem bildete sein bekanntes Abendlied („Bleib‘ bei uns, denn es will Abend werden“), hier in der lateinischen Fassung als „Mane nobiscum“ dargeboten, den Schlusspunkt des offiziellen Programms.

Besucherzahl mäßig

Als Zugabe gab es ein irisches Segenslied, das englische Abendlied „Evening rise, spirit come“ und schließlich noch einen mit den Besuchern gemeinsam gesungenen abendlichen Kanon. Mit diesem bewegenden und besinnlichen Chorkonzert wurde ein guter Einstieg in eine hoffentlich erfolgreiche Zukunft der Monschauer evangelischen Kirchenmusik gefunden.

Leider war der Besucherzuspruch nicht ganz den Erwartungen entsprechend, obwohl das Städtchen sicher aus anderen Gründen voll war. Außerdem fiel auf, dass die neuen Fenster anscheinend mehr vom Straßenlärm durchlassen, als es zuvor der Fall war. Das hat die Musiker an ein, zwei Stellen durchaus irritiert, aber das sollen nur kleine Abstriche an einem überaus gelungenen Einstandskonzert sein, das das Niveau der kirchenmusikalischen Arbeit in Monschau bestätigte und bekräftigte.

Das nächste Konzert ist schon für Sonntag, 9. November angekündigt.

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