Lammersdorf - Jugendfeten gehen den Nachbarn auf die Nerven

Jugendfeten gehen den Nachbarn auf die Nerven

Von: P. St.
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Ob es etwas nützt? Nachbarn weisen die Fetenteilnehmer am Burghof auf das Einmaleins des guten Benehmens hin. Foto: P. Stollenwerk

Lammersdorf. Gefeiert wird im Burghof Lammersdorf nicht mehr viel. Der traditionsreiche Saal öffnet seine Türen allenfalls noch für ein Handvoll von Veranstaltungen im Jahr. Hauptsächlich sind es die so genannten Abifeten, die regelmäßig für großen Andrang in Lammersdorf sorgen, aber auch für großen Ärger.

So empfinden es auch Michael und Silvia Steverding aus der Lammersdorfer Bahnhofstraße. Ihr Haus, das sie im Jahr 2005 in der Bahnhofstraße bezogen, liegt nur einen Steinwurf vom Burghof entfernt, und wenn hier die Abifeten steigen, dann bedeutet das Alarmstufe Rot, denn erfahrungsgemäß gibt es regelmäßig Ärger mit Fetengästen, die das gesunde Maß des Feierns um Längen überschreiten.

Unterschriftenaktion?

Auch in der Nachbarschaft, so weiß Silvia Steverding aus vielen Gesprächen, ist man nicht gut auf die Abifeten und deren Begleiterscheinungen zu sprechen. Die Abschlussschüler des Vossenacker Franziskus-Gymnasiums feiern regelmäßig ihren Ausstand vom Schulleben in Lammersdorf. Derzeit überlegt Silvia Steverding mit Hilfe einer Unterschriftenaktion mehr Gehör für die Dauer-Problematik zu finden.

Obwohl die letzte Fete schon einige Monate zurückliegt, wurde der damit verbundene Ärger jetzt noch einmal aktuell, weil das Jugendamt der Städteregion eine Bewertung der dritten Abifete im Burghof vorgenommen hatte, die stark von der Wahrnehmung der Nachbarn abwich.

Die Teilnehmer des Arbeitskreises „Sicher feiern wir gerne“ hatten sich vor Ort eingefunden. Ziel war die Jugendschutzkontrolle bei der Abifete im Burghof. Die dabei vorgenommene Darstellung, sagen Michael und Silvia Steverding, sei „der absolute Witz“ gewesen. Nach Angaben des Arbeitskreises gab es nichts zu beanstanden. Die Abifete (KABItän Blaubär - Doppelt blau und trotzdem schlau“ lautete deren Motto) sei von den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Vossenack „vorbildlich organisiert“ worden.

Der Arbeitskreis hatte Handlungsbedarf gesehen, weil es im Jahr 2012 in Lammersdorf von den jugendlichen Veranstaltern der gleichen Schule trotz vorheriger Ansprache durch Polizei und Ordnungsamt „erhebliche Versäumnisse und Nachlässigkeiten“ gegeben habe, die auch zu Konflikten mit der Nachbarschaft geführt hatten. Die beteiligten Behörden hätten sogar darüber nachgedacht, weitere Feten zu verbieten.

Dass es diesmal anders gewesen sein soll, kann Silvia Steverding allerdings nicht bestätigen. „Nachdem Ordnungsamt, Polizei und Jugendamt gegen 0.30 Uhr abgezogen waren, begann der Ärger doch erst. Uns wurde an einem PKW die Beifahrertüre eingetreten, ein anderer PKW wurde zerkratzt. Unseren Nachbarn wurde Gartenzaun inklusive Tor zerstört, abgesehen von den zehn Jugendlichen, die nebeneinander an den Zaun pinkelten“.

Die Spur der Beschädigungen und die Randale hätten sich hin bis zum Dorfplatz hingezogen. Am Zelt eines dort gastierenden Zirkus sei es ebenfalls zu Beschädigungen gekommen. Ein offenbar total betrunkener Jugendlicher habe zeitweilig bei Minustemperaturen schlafend im T-Shirt auf dem Bürgersteig gelegen. Mayonnaise auf Fensterbänken und hinter Autoreifen liegende kaputte Bierflaschen zählten zu den weiteren Begleiterscheinungen.

Für die Familie Steverding gibt es daher nur eine Konsequenz: „Die Feierei im Burghof muss ein Ende haben, oder die Veranstalter sollen für all die Schäden aufkommen, die recht hoch sind!“ Nicht nur die Sicherheit der Gäste müsse Priorität haben, sondern erst recht das Eigentum der Nachbarschaft.

Im Vorfeld der Abifeten war das Veranstaltungsteam in mehreren Gesprächen vom Ordnungsamt und der Polizei eindringlich auf die unliebsamen Erfahrungen des Vorjahres hingewiesen worden. Der Arbeitskreis „Sicher feiern wir gerne“ besteht aus Mitarbeitern der Ordnungsämter und Polizeibezirksdienste in Monschau, Roetgen und Simmerath sowie des Kriminalkommissariats Vorbeugung der Polizei, der Fachstelle für Suchtvorbeugung und dem Amt für Kinder, Jugend und Familienberatung der Städteregion Aachen. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen jugendtypische Feierlichkeiten in der Nordeifel und deren sicherer Ablauf.

„Bei der Kontrolle vor Ort mit Polizei, Ordnungs- und Jugendamt zeigte sich, dass die Gespräche im Vorfeld eindeutig Wirkung gezeigt hatten. Nicht nur dass ein qualifizierter Sicherheitsdienst das Fetenteam unterstütze, auch Eltern halfen mit, einen ungestörten Ablauf zu gewährleisten. Die Fete war diesmal verantwortungsvoll organisiert – es gab nichts zu beanstanden“, so lautete das Fazit des Arbeitskreises „Sicher feiern wir gerne“.

Damit, so Jugendpfleger Ralf Pauli, Jugendpfleger beim Amt für Kinder, Jugend und Familienberatung der Städteregion Aachen und Sprecher des Arbeitskreises, sei die Voraussetzung dafür geschaffen worden, „eine bunte Fetenkultur für junge Menschen erhalten.“

Gegen eine bunte Fetenkultur und Feiern hat auch Silvia Steverding nicht einzuwenden. Auch an der Lautstärke nimmt sie keinen Anstoß, „aber die jungen Leute sollen sich nicht so sehr die Birne wegkippen, dass sie nicht mehr wissen, was sie tun. Davon haben die Leute in der Nachbarschaft einfach die Nase voll.“

Anmerkung der Redaktion: Kein Anlass zu Beanstandungen bei erster Abifete

In Zusammenhang mit der Berichterstattung am 17. Januar 2014 in der Lokalausgabe Nordeifel über Ärger bei Abifeten im Umfeld des Burghofs Lammersdorf veröffentlichten wir in der Printausgabe ein Foto, das Teilnehmer einer Fete des Franziskus-Gymnasiums Vossenack (FGV) im Burghof zeigt. Ergänzend zur Berichterstattung sei darauf hingewiesen, dass es sich um ein zufällig ausgewähltes Motiv handelte, das zur Veröffentlichung freigegeben war. Die abgebildeten Personen stehen allerdings nicht in Zusammenhang mit geäußerten Vorwürfen von Nachbarn, die sich über Sachbeschädigungen im Umfeld von Veranstaltungen im Burghof beklagten.

Die Vorwürfe von Nachbarn der Veranstaltungsstätte bezogen sich im übrigen auf negative Begleiterscheinungen vorangegangener Abifeten des FGV im Jahr 2013 und nicht konkret auf die Veranstaltungen vom 15. November 2013. Der Verlauf dieser ersten Abifete des Jahrgang 2014 gab keinen Anlass zu Beanstandungen.

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