Jubel beim Vize-Europasieger

Von: M. S.
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Eicherscheid liegt „mitten in Europa”. Dies erfuhren (von rechts) Ortsvorsteher Günter Scheidt (mit Urkunde), Ortskartellvorsitzender Winfried Löhrer und Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns (mit Medaille). Sie wurden von einer fast 40-köpfigen Delegation begleitet. Foto: Manfred Schmitz

Sand in Taufers/Eicherscheid. Ein Nordeifelort überzeugt in Südtirol als Sympathieträger, authentischer Botschafter seiner Heimat und ist aufgrund herausragender Qualität seiner infrastrukturellen, sozialen und ökologischen Leistungen und seines gemeinnützigen Schaffens durchaus befähigt, erfolgreich in der Europaliga zu spielen.

Dies ist das Ergebnis eines fair und freundschaftlich ausgetragenen, wenngleich knisternd spannenden, internationalen Wettbewerbs. Er stand unter dem Leitsatz „Neue Energie für ein starkes Miteinander” und wurde von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung in Wien ausgeschrieben.

Dem Motto entsprechend, standen Themen wie schonender Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen, die Förderung umweltfreundlicher Rohstoffe, Techniken und erneuerbarer Energiequellen zur Erzeugung von Elektrizität, Gas oder Wassergewinnung im Vordergrund.

Auch die Kapitel Recycling und Wiederaufbereitung bereits im Primär- Nutzungskreislauf verbrauchter Wirtschaftsgüter spielten tragende Rollen im Veranstaltungskonzept. Die Bedingungen für die angetretenen Wettbewerber? Höchst anspruchsvoll!

Hauchdünne Entscheidung

Ein 30-köpfiges Teilnehmerfeld hatte seine Bewerbung um den begehrten Dorferneuerungspreis eingereicht. Voraussetzung für die Nominierung zur hochkarätig besetzten kommunalen Runde war zuvor die Erreichung der Goldmedaille in den jeweiligen Heimatländern.

In der Begegnung mit qualifizierten Vertretern aus elf europäischen Ländern und Regionen positionierte sich bei der Endausscheidung und Siegerehrung in der Südtiroler Marktgemeinde Sand in Taufers, nahe Bruneck im italienisch- österreichischen Grenzgebiet gelegen, Eicherscheid im ersten Drittel und damit ganz vorn auf einem Spitzenplatz unter allen Kandidaten. Hauptpreisträger wurde die österreichische Kommune Langeneck, Bregenzer Wald/Vorarlberger Land.

Eine 19-köpfige Expertenjury hatte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, die „Besten unter den Guten”, so die einhellige Expertenmeinung, zu küren. „Bis zuletzt”, hatte Eicherscheids Ortsvorsteher Günter Scheid aus dem Zirkel der Punktrichter erfahren,
„kamen wir durchaus für Rang Eins in Frage. Die Punktedifferenz zwischen Sieg und Platz war hauchdünn.”

Dann wurde eine mehr als ehrenvolle Platzierung im vorderen Klassement der Anwärter daraus, und für die knapp 40-köpfige mitgereiste Eicherscheider Delegation kannte der Jubel während der Siegerehrung kein Ende. In den Reihen der einheitlich in Polohemden mit Golddorffarben Schwarz-Gelb gekleideten Eicherscheider Bürger waren neben deren Ortsvorsteher Günter Scheidt auch Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und Ortskartellvorsitzender Winfried Löhrer präsent; die Farben der Städteregion vertrat Hans-Josef Hilsenbeck.

Bürgermeister Hermanns´ Eindruck nach Bekanntgabe der Ergebnisse: „Wenn man gesehen hat, welche Dorf- und Lebensqualität Sand in Taufers als Europasieger 2008 vorzuweisen hat, kann man die Leistung von Eicherscheid als Vize-Europameister 2010 nicht hoch genug bewerten.”

Wie knapp die benoteten Aspiranten im Schlussspurt beisammen lagen, zeigt, dass kein einziges Teilnehmerteam sich mit dem Prädikat „Lobende Anerkennung” begnügen musste; alle gemeldeten Equipen nahmen, wie Eicherscheid, in der Gruppe der ersten Zwölf das Gesamturteil „Herausragend”, oder auf den Rängen 13 bis 30 festgestellte „besondere Leistungen” in mehreren oder einzelnen lokalen Bereichen mit nach Hause.

Das stärkste Kontingent stellten mit elf Anwärtern die Deutschen, gefolgt von sechs österreichischen Teams. Die übrigen Vorzeigeorte bzw. -Kreise sind von Luxemburg bis Polen, von den Niederlanden bis Ungarn, Tschechien und Slowakei angesiedelt.

Überaus positiv und mit Bewunderung wurde auch das 250-Seelen-Örtchen Lommersweiler (Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens) aufgenommen. Der malerische Flecken vor den Toren Sankt Viths brachte sage und schreibe 150 treue Anhänger mit an den Rand des vielbesungenen Pustertals.

Die viertägigen offiziellen Feierlichkeiten zur Verleihung des Dorferneuerungspreises wurden von einem erstklassigen Rahmenprogramm begleitet. Die 5000 Einwohner zählende Wintersport- und Erholungsgemeine Sand in Taufers bot den Wettbewerbsequipen und deren Begleittrossen ein farbenprächtiges Bild „Klein-Europas”, wie es im konstruktiven Miteinander der Nationalitäten und Landsmannschaften heiter-optimaler nicht hätte gezeichnet werden können.

Nach einem Empfang der Gäste durch die Veranstaltergemeinschaft in der Sporthalle stand der Donnerstag im Zeichen eines schillernden Festzuges durch den Austragungsort. Mehr als tausend Teilnehmer in Tracht, Kostüm oder Uniform, 30 Fußgruppen, Wagen und Pferdegespanne machten sich auf den Weg. Anschließend herrschte fröhlicher Festbetrieb inmitten der quirligen Völkerfamilie.

Mit Verleihung des Europäischen Dorferneuerungspreises erlebte der Freitag den absoluten Höhepunkt der gehaltvoll-geselligen Veranstaltungsfolge. Die Sporthalle war mit mehr als 1300 Besuchern rappelvoll. Musik, Folklore, eine Ausstellung mit Selbstdarstellung aller 30 Wettbewerber, eine informative Multivisionsschau, Tanz und gute Unterhaltung. Der Abend fand mit einem freundschaftlich orientierten „Fest der Begegnung” seinen Höhepunkt.

Alle Festredner freuten sich über die hervorragenden Wettbewerbsergebnisse und betonten, der aus kleinsten Anfängen gestartete Wettbewerb feiere nun „Silberhochzeit”, werde unter seinem Wahrzeichen, einem stilisierten Hahnenkopf , seit 25 Jahren und jetzt zum elften Mal inszeniert. Die Redner bezeichneten die Preisverleihung als „Fest für Menschen, die Besonderes leisteten, nachhaltig Engagement und Kreativität demonstrierten”. Nun trage deren Saat reiche Früchte.

Europa wachse sichtlich und unaufhaltsam zusammen; der Dorf- Erneuerungswettbewerb sei ein sichtbares Zeichen dafür. Eine intakte Dorfgemeinschaft bilde die Keimzelle eines neuen Zeitalters, verbesserter Infrastruktur und Kultur. Der ländliche Raum bilde zugleich ein Ausgleichsrefugium für die Stadtregion und komme so auch deren Bürgen zugute. Eicherscheid darf zur kommenden Qualifikation übrigens nicht starten.
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