Jens Wunderlich: „Fußballvereine müssen Qualität bieten”

Von: P. St.
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Im Leben von Jens Wunderlich d
Im Leben von Jens Wunderlich dreht sich viel um das Thema Fußball. „Das Leuchten in den Augen der Kinder” ist für ihn die größte Motivation bei der Jugendarbeit im Fußball-Verband Mittelrehin. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. „Fußball ist immer noch die Sportart Nummer eins in Deutschland”, sagt Jens Wunderlich aus Huppenbroich. Der 44-jährige, der 37 Jahre lang aktiv Fußball spielte, und dessen sportliche Heimat die Hansa Simmerath war, muss es wissen.

Als Beisitzer im Jugendausschuss des Fußballverbandes Mittelrhein (FVM) ist Wunderlich, im Hauptberuf Architekt, ganz nah dran am Tagesgeschäft im Amateurbereich.

Die aktuelle Diskussion um einen neuen Sportplatz in Simmerrath verfolgt er daher mit großem Interesse und begrüßt gleichzeitig die damit verbundenen Initiativen, dass in der Gemeinde Simmerath inzwischen über die Gründung eines Jugendsportvereins nachgedacht wird, und dass die Fußballvereine sich treffen, um einmal ehrlich den tatsächlichen Bedarf an Sportplätzen in der Zukunft zu definieren.

Für Wunderlich, der augenblicklich in der Sportschule Hennef an einer Qualifizierung zum Vereins-Jugendmanager teilnimmt, steht fest, dass Fusion von Vereinen das Modell der Zukunft ist. „Das wird gar nicht mehr anders gehen.”

6000 Mannschaften in 1200 Vereinen sind derzeit im FVM gemeldet. Die demografische Entwicklung wird dieses Bild bald verändern, und besonderes der ländliche Bereich wird den Bevölkerungsrückgang spüren bzw. spürt ihn schon.

Jens Wunderlich erinnert daran, dass 2001 als der bis dahin eigenständige Fußballkreis Monschau aufgelöst wurde, 110 Jugendmannschaften am Start waren. Heute sind es nur noch 78 Teams - ein Rückgang um 30 Prozent.

Vor gut 10 Jahren habe man im Fußballkreis Monschau noch in allen Altersklassen eigene Staffeln bilden können. Heute spielten noch drei A-Jugendteamas in der Gemeinde Simmerath, neun A-Jugendteams und sechs C-Jugendmannschaften im Altkreis Monschau. Hieran lasse sich erkennen, dass die geburtenstarken Jahrgänge auf dem Rückzug seien.

In der C-Jugend gebe es erfahrungsgemäß auch den ersten Einbruch, da bei den 13- bis 14-Jährigen oft „ein Wechsel der Interessen” stattfinde. Der zweite Einschnitt folge dann nach der A-Jugend, denn nur maximal ein Drittel wechsele zu den Seniorenmannschaften.

Hier müsse man auch die gesellschaftliche Situation der Jugendlichen insgesamt berücksichtigen, die angesichts der Anforderungen bei der Berufsausbildung den hohen Trainingsaufwand scheuten.

Beim FVM würden daher auch verstärkt Konzepte erarbeitet, wie Fußballvereine sich der Zukunft stellen könnten. Hier herrscht bei den Funktionären inzwischen Einigkeit darüber, „dass die Vereine heute Qualität bieten müssen.” Jens Wunderlich: „Wenn gute Trainer vorhanden sind, dann kommen die Spieler von allein.”

Ein weiterer Schwerpunkt sei die Kooperation mit den Schulen, was den Vereinen die Chance biete, Potential zu sichten. Die Vereine seien daher aufgefordert, in die Schulen zu gehen. Es sei auch vor dem Hintergrund wachsender Ganztagsangebote bereits absehbar, dass sich der Vereinssport immer mehr in die Schulen verlagere.

Doch insgesamt, erkennt Jens Wunderlich, sei der rückläufige Trend beim Fußball nicht zu stoppen und lässt die Statistik für sich sprechen. Bei 100 Geburten jährlich in der Gemeinde Simmerath bestehe eine realistische Chance, 50 Prozent der Jungen, also etwa 25 an der Zahl, für den Fußball zu begeistern. Wunderlich: „Das reicht gerade einmal für zwei Mannschaften.” Bei den Mädchen schätze man den Organisationsgrad auf 15 Prozent.

Diese Entwicklung bedeute, „dass wir in spätestens zehn Jahren in der Eifel ein Drittel weniger Mannschaften und ein Drittel weniger Vereine haben werden.”

Mit Blick auf die Gemeinde Simmerath konstatiert Jens Wunderlich, dass inklusive der Ausweichplätze hier 16 Sportplätze vorhanden seien. Vor diesem Hintergrund sei es in der Tat unabdingbar, sich über den langfristigen Bedarf für Sportstätten Gedanken zu machen.

Im Falle der Hansa Simmerath betrachtet Jens Wunderlich, der auch Vorsitzender des Struktur- und Hochbauausschusses der Gemeinde Simmerath ist, übrigens die Idee der Aufwertung des Kleinspielfeldes hinter der Hauptschule für den Trainings- und teilweisen Spielbetrieb aller Mannschaften als sinnvolle Lösung.
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