Nordeifel - „Jeck sein” beginnt schon in der Wiege

„Jeck sein” beginnt schon in der Wiege

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
Der Karneval auf dem Land ist
Der Karneval auf dem Land ist viel schöner als in der Stadt: Davon ist der Präsident der Rurberger Kiescheflitscher, Bruno Nellessen, überzeugt.

Nordeifel. Die Einen freuen sich das ganze Jahr darauf, dass es endlich wieder losgeht. Anderen ist es ein Graus, und manchem ist es einfach egal, wenn die Karnevalisten morgen wie jedes Jahr am 11.11. in die Session starten.

Für Bruno Nellessen aus Rurberg wird es eine ganz besonders jecke fünfte Jahreszeit. Seit 33 Jahren ist der 55-Jährige jetzt Präsident der Kiescheflitscher, und vor 44 Jahren stieg er als 11-jähriger Junge zum ersten Mal in die Bütt. Die Liebe zum Karneval wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Schon sein Vater war Büttenredner und Gründungsmitglied des Rurberger Karnevalsvereins.

Wenn der Vater die Kölner Sitzungen im Radio aufzeichnete, hörte auch der kleine Bruno gespannt zu. Heute ist er derjenige, der die Fäden im Hintergrund zieht, derjenige, der Termine koordiniert, Spaßmacher bucht sowie Flyer und Karnevalsorden entwirft. „Der Karneval lebt aber von allen Beteiligten”, sagt Nellessen. Der verbindende Gedanke ist ihm wichtig. Das Schöne am Karneval, besonders hier in der Eifel, sei doch, dass man viele Leute treffe, und auch die Freundschaft zwischen den Eifeler Vereinen mache den Karneval hier für ihn zu einem besonderen Erlebnis.

Das würde wohl auch der Kabarettist Hubert vom Venn so unterschreiben. Für ihn gibt es zwei Arten von Karneval: „den städtischen Funktionärs-Karnveal - Stichwort AKV - und den Landkarneval”. Mit dem „Society-Gehabe” in der Stadt kann er nichts anfangen. „Früher bin ich dann immer nach Domburg geflohen. Da hab ich auch mal die Rockgruppe Bap getroffen. Das habe ich aber sein gelassen, als mir der erste Dürener über den Weg lief und Alaaf rief.”

Der Karneval, den er schön findet und unterstützt, ist der Landkarneval. „Der ist viel ehrlicher und wichtig für die Kulturarbeit.” Deshalb engagiert sich der Kabarettist auch selber und bringt den Orden der KG Roetgen jedes Jahr an einen anderen Ort. „Den AKV-Orden würde ich aber nirgendwo hinbringen”, sagt er.

Während Bruno Nellessen eher ein Freund der „gepflegten Karnevalssitzungen” ist, bevorzugt Hubert vom Venn den Straßenkarneval und die anarchische Idee dahinter. Wenn die Obrigkeit durch den Kakao gezogen wird und die Kinder hinter den Süßigkeiten herrennen, ist er glücklich. Der Karnevalszug am Veilchendienstag in Rurberg gehört aber auch für Nellessen „unbedingt dazu”. Er freut sich bereits auf die Auftritte, die von eigenen Kräften des Vereins gestaltet werden. „Es ist einfach schön, wenn das Programm gut beim Publikum ankommt.”

„Was mich am meisten am Karneval stört, bin ich”, sagt Hubert vom Venn. Die Leute, die beim Feiern aus sich rausgehen können, beneidet er, denn das kann er nicht. „Ich sitze dann daneben, schaue zu und denke, man was ist der mutig, jetzt so abzugehen.” In der Eifel ist er hin und wieder sogar auf Sitzungen anzutreffen. Aber auch dort stößt er auf Widerstand. „Und das bin ich selber”, sagt er. Damit hat Nellessen kein Problem. Er ist einer der „Mutigen”, die im Karneval aus sich herausgehen können - auch ohne Alkohol. Denn darin sind sich die Beiden einig. Die immer wieder stattfindenden „Saufexesse” sind der hässlichste Teil des Karnevals.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert