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„Jack Goldstein-Connections” und die manipulative Macht der Bilder

Von: avl
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Die Macher und Protagonisten der „Jack Goldstein-Connections” vor einer Arbeit des Künstlers (von links): Die Galeristin Anita Beckers, Kunsthistorikerin Tanja Wessolowski, Günther Beckers (Sammler), Dr. Nina Mika-Helfmeier und die Künstlerin Johanna Reich. Foto: van Londen

Monschau. Obschon Jack Goldstein seit fast zehn Jahren tot ist, ist es so, als sei der Konzept- und Performancekünstler immer noch da. Aktuell auch in Monschau, im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen (KuK).

Goldsteins Experimentalfilme und Audio-Files, an denen er in den 1970er Jahren arbeitete, waren seinerzeit revolutionär. Wie er Requisiten aus der Filmindustrie zweckentfremdete und ihnen so ein ganz neues „Leben” schenkte, machte ihn berühmt wie seine verstörenden Bilder und Filme, die teils Ideen aus der Psychoanalyse visualisieren, teils aus filmischen Fundstücken etwas Neues machen und sie aus dem Ursprungskontext komplett heraustrennen.

Außer seinen Werken sind im Erdgeschoss des KuK auch Arbeiten zeitgenössischer Künstler zu sehen, wie Romeo Grünfelder, Natalie Czech, Gregor Hildebrandt, Achim Hoops, Monica Ursina Jäger, Clare Langan, Bjoern Melhus und Johanna Reich, deren Werkansatz mit der Arbeitsweise Goldsteins zu vergleichen ist daher der Ausstellungsname „Connections”.

„Im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung im KuK stehen Jack Goldstein und sein kreatives Konzept sowie einige zeitgenössische Künstler, die sich mit diesem Konzept intensiv auseinandergesetzt habe”, so Nina Mika-Helfmeier. Auch bei der letzten Ausstellung für dieses Jahr, eröffnet sie dem Publikum spannende Kunst, die sonst in Metropolen wie New York, Paris, Montreal oder Berlin zu sehen ist.

„Ein Kulturmagazin für junge Kunst titelte einen Artikel über Goldstein wie folgt: Jack Goldstein und die Pictures Generation - zu cool für diese Welt”, so die engagierte Leiterin und Kuratorin des KuK weiter.

„Hat sich an der Betrachtungsweise und Wirkung der herrschenden Bilder tatsächlich etwas geändert? Bestimmt nicht noch immer - oder sogar mehr denn je - das Spektakel die Realität? Auch heute vermitteln uns die medialen Bilder das Leben und die Welt nur unvollständig und verzerrt. Vor diesem Hintergrund ist das Kunstwerk Goldsteins, das die manipulative Macht der Bilder thematisiert, brandaktuell, oder anders gesagt: Jack Goldstein ist auch heute noch zu cool für diese Welt”, brachte Mika-Helfmeier die Nachwirkungen seiner Kunst auf den Punkt.

„Die Pictures-Generation wird als die bislang letzte, einflussreiche amerikanische Kunstbewegung angesehen. Trotz der unterschiedlichen Positionen der einzelnen Künstler innerhalb der Bewegung, eint sie doch der zentrale Aspekt, dass bereits existierende Bilder den Ausgangspunkt ihrer Kunst bilden. Das Besondere daran war, dass sich die Künstler auf diese Weise ganz bewusst von der bis dato vorherrschenden gegenstandslosen Kunst abwendeten”, erläuterte die Kunsthistorikerin Tanja Wessolowski den historischen Kontext auf der Vernissage der Ausstellung.

Goldstein spielt mit den Assoziationen und Sehgewohnheiten der Menschen. So auch in dem Video, das mehrere Minuten lang den bekannten Metro Goldwyn Mayer Löwen zeigt. Das Bild kennt der Betrachter gut aus dem amerikanischen Filmvorspann. In seinem Video jedoch wird der Betrachter mit einem scheinbar unspektakulären Loop des brüllenden Löwen konfrontiert, ohne dass der Hauptfilm überhaupt beginnt.

Mit dieser Arbeit von Goldstein hat sich die Künstlerin Johanna Reich auseinandergesetzt. In dem Video, dass in Monschau zu sehen ist, befreit sie den brüllenden Löwen mit Hilfe eines Messers und verschwindet aus dem Bild genau an der Stelle, an der gerade noch der Löwe zu sehen war. Johanna Reich spielt in ihren Arbeiten, genau wie Goldstein, mit Sehgewohnheiten und Erwartungen des Betrachters.

Einen anderen Ansatz verfolgt Bjoern Melhus in seinen Arbeiten. Er spielt mit bekannten Bildern, Musik und Tönen seiner Generation und setzt sie in einen neuen, bizarren Kontext, wie in seiner Performance „Happy Re-birth”, in der er als singender Schlumpf Marylin Monroes „Happy Birthday” neu interpretiert.

Dagegen entführt Clare Langan in ihren drei surrealen Videos, die unter dem Titel „A Film Trilogy” zusammengefasst werden, den Betrachter in fantastische Landschaften und durch Wüstenstürme. Das Spiel der Vermengung von der Vorstellung des Betrachters und der Realität wird besonders deutlich in dem Projekt „Desire” des Künstlers und Filmmachers Romeo Grünfelder. Er verwendet gefundenes Filmmaterial und unterlegt das Geschehen mit seiner nüchternen Analyse.

Auf etwas andere und doch ebenso spannende Weise beziehen sich die Künstler Monica Ursina Jäger und Achim Hoops auf das Spiel mit den Bildern. Die von Monica Ursina Jäger gezeigten Skulpturen der Serie „Half forgotten Dreams” erwecken durch ihre ungewöhnliche Form, der Radierung auf Fernsehbildschirmen Aufmerksamkeit. Im Gegensatz dazu stehen die Zeichnungen von Achim Hoops. In seinen neuesten Arbeiten setzt sich der Künstler mit Nachrichtenfotografie auseinander. In seinen gezeichneten Szenerien findet sich kein Mensch und doch ist seine Anwesenheit spürbar.

Die großformatige monochrome Arbeit „Ach wenn ich nicht so hungrig wäre, wie glücklich könnt ich sein” von Georg Hildebrandt erinnert mit ihren diagonalen Linien an eine riesige Detailaufnahme der Rillen einer Schallplatte - jedoch durch aufgeklebte Magnetbänder von Kassetten. Natalie Czech steuert vier Arbeiten der Reihe „A Small Bouquet by Frank OHara” von 2011 zur Ausstellung bei. Ausgangspunkt der Serie bildet das Kaligramm des Schriftstellers Frank OHara.

Über ein Blatt verteilt finden sich Worte, die einen Strauß Blumen in einer Vase bilden. Die Künstlerin bat sieben Autoren jeweils einen Text zu schreiben, der dieses Kaligramm enthält. So verschwinden die Worte OHaras zunächst in ihrem neuen Kontext. Um sie deutlich zu machen, wurden sie jedoch von der Künstlerin farbig hervorgehoben und sind somit wieder als Ausgangsbild erkennbar.

Öffnungszeiten des KuK in Monschau

Die Ausstellung „Jack Goldstein-Connections” ist noch bis Sonntag, 23. Dezember im KuK Monschau geöffnet. Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr und an Wochenenden zwischen 11 und 17 Uhr.

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